Viel Lob für Kloten – doch die Punkte bleiben aus
Kloten lieferte im letzten Meisterschaftsspiel am Sonntag beim 0:1 im Derby gegen die ZSC Lions streckenweise sein bestes Saisonspiel und dominierte allein im Mitteldrittel mit 15:2 Torschüssen gegen den Meister der letzten zwei Jahre und Champions-League-Gewinner von 2025.
Am Ende stand dennoch die dritte Liganiederlage in Serie fest. Bereits am Vortag hatte Kloten das Heimspiel gegen Genève-Servette mit 1:3 verloren. Vor den letzten drei Niederlagen hatten die Flughafenstädter in fünf Spielen 12 Punkte gesammelt.
Das Derby vom Sonntag entschied ein Treffer des früheren NHL-Verteidigers Yannick Weber (48.), der als einziger Lions-Spieler Klotens früheren ZSC-Goalie Ludovic Waeber bezwang. Waeber parierte insgesamt 23 Schüsse. Auf der Gegenseite verdankten die Stadtzürcher den Sieg vor allem ihrem herausragenden Keeper Simon Hrubec, der 38 Abschlüsse stoppte.
«Es ist immer der gleiche Film»
«Leider habe ich von der Trainerbank aus keinen so langen Stock, um die Tore für uns zu erzielen», sagte Klotens Trainer Lauri Marjamäki nach der Partie. Der frühere finnische Nationaltrainer ist der Ansicht, dass sein Team phasenweise besser spiele als in der famosen Vorsaison (7. Rang, Playoff-Viertelfinalqualifikation über das zweite Play-in), die engen Spiele aktuell aber häufig auf die Seite des Gegners kippten. «Es ist immer der gleiche Film für uns.»
Fehlendes Secondary Scoring
Die Torarmut, die in der Endphase des alten und zum Beginn des neuen Jahres vorübergehend ausgemerzt schien (eine Phase mit 20 Toren in 5 Spielen), ist wieder ein Thema. Mittlerweile wartet Kloten seit 99 Minuten auf einen Treffer. Das einzige Tor vom letzten Wochenende erzielte Mischa Ramel, der mit seinem sehenswerten Backhandabschluss in die hohe Torecke zum zwischenzeitlichen 1:1 gegen Genf und zu seinem vierten Saisontor für das Highlight sorgte.
Nach wie vor fehlen Tore aus der zweiten Reihe – das sogenannte Secondary Scoring. Wenn Goalgetter wie Petteri Puhakka (ein Tor in den letzten 19 Spielen), Dario Meyer (mit elf Toren bester Team-Torschütze, aber ein Treffer in den letzten zehn Spielen) oder Brandon Gignac (traf nach seiner zweiten Verletzungspause in den ersten beiden Spielen im neuen Jahr, danach nicht mehr) in der Torproduktion stocken, fehlt Kloten aktuell die Tiefe.
Hinzu kommt die Problematik im eigenen Powerplay. Bereits fünf Gegentore kassierte Kloten in Überzahl, darunter den Gamewinner von Genève-Servette am Samstag durch Dave Sutter. Sutter stand bei den Gästen als siebter Verteidiger im Line-up und avancierte mit seinem Treffer zum 2:1 zum Matchwinner. Gegen Servette blieb Kloten zudem unter anderem bei einer fünfminütigen Überzahl ohne Ertrag, ebenso in den letzten 62 Sekunden des Derbys, als man mit sechs gegen vier Feldspieler agierte.
Macht Kellenberger weiter?
Steve Kellenberger haderte nach dem Spiel gegen die ZSC Lions: «Jetzt gehen die Pucks auf einmal wieder nicht mehr rein.» Die verlorenen Heimspiele gegen Bern und Genf seien nicht die besten Leistungen von Kloten gewesen. «Aber so, wie wir am Sonntag in Zürich spielten, können wir Spiele gewinnen.»
In der letzten Saison habe man Spiele gewonnen, die man vielleicht auch nicht hätte gewinnen sollen. «Nun ist es bitter, wenn man sieht, dass die anderen Teams in unserer Tabellengegend punkten und wir nicht. Aber letztlich müssen wir unseren eigenen Job machen.» Man habe sich auf eine schwere Saison eingestellt. «Aber zu sagen, dass wir ein gutes Spiel machten und dennoch mit null Punkten heimfahren, ist schlussendlich auch nicht das Richtige.»
Der 38-jährige Captain befindet sich aktuell in Gesprächen mit dem Klub, ob er noch eine weitere Saison anhängt. Sportchef Ricardo Schödler bestätigte, dass demnächst ein Entscheid fällt. Klotens Rekordspieler ist nach wie vor topfit, so gut wie nie verletzt und ein Führungsspieler, zu dem junge Spieler aufschauen und bei ihm auch Ratschläge holen. Sein Wert in der Kabine ist unschätzbar, auch wenn seine Eiszeit als aktuell siebter Verteidiger nicht mehr so hoch ist.
Hängt es nur von ihm selbst ab, ob er weiterspielt? «Wenn dies so wäre, würde ich immer weiterspielen wollen. Sonst würde ich nie aufhören, solange der Körper mitmacht», betont der Teamleader gegenüber dem «Klotener Anzeiger». Bereits engagiert ist Kellenberger zudem als U16-Assistenztrainer in der Nachwuchsabteilung der Flughafenstädter. Als Juniorentrainer merke er, dass es von aussen einfach aussehe, «aber die Gegner können halt auch ein bisschen Eishockey spielen».
Wegweisende Spiele
Die nächsten Spiele von Kloten gegen den Tabellenvierten Lausanne am Freitag zu Hause und am Samstag beim Vorletzten Ambri-Piotta auswärts werden richtungsweisend. Besonders im Tessin geht es um enorm viel. Die Leventiner lagen vor ihrem Spiel vom Donnerstag in Biel nur einen Punkt hinter dem zwölftklassierten Kloten, nachdem sie die letzten drei Partien gewonnen hatten – und damit zuletzt die entgegengesetzte Leistungskurve verzeichnet hatten.
Der Rückstand Klotens auf den letzten Play-in-Rang (Bern) ist derweil bereits auf fünf Punkte angewachsen. Gegen die ZSC Lions ist Kloten in dieser Saison zudem noch ohne Derby-Sieg. Die vierte und wohl letzte Möglichkeit zur Korrektur bietet sich dem Team von Headcoach Lauri Marjamäki im Heimderby vom Dienstag, 27. Januar.
Kaderplanung bereits in der Endphase
Klotens Sportchef Ricardo Schödler sagt, dass für die kommende Saison nicht mehr viele Fragen beziehungsweise Positionen offen sind. Bei den Imports mit Jahresverträgen werden demnächst Entscheide über Bleiben oder Gehen sowie mögliche Neuverpflichtungen kommuniziert. Weiterlaufende Kontrakte besitzen Brandon Gignac, Max Lindroth und Petteri Puhakka. Auslaufend sind die Verträge von Robert Leino sowie von Lukas Klok, wobei es im letzteren Fall kaum zu einer Verlängerung kommt. Auch Tyler Morley, mit sechs Toren und elf Assists aktuell fünftbester Scorer bei Kloten, wird trotz zuletzt ansprechender Leistungen voraussichtlich kein neues Vertragsangebot erhalten. Klar ist laut Schödler, dass am Konzept mit vier Stürmern und zwei Verteidigern nichts geändert wird. Ein neuer Import für die nächste Saison ist bereits verpflichtet, wird aber erst zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben. (rst.)