Trickli, Tore und Premieren-Meister
Die Allstar Games des EHC Kloten vom letzten Samstag boten beste Unterhaltung. Höhepunkt des Abends war das Legendenspiel zwischen den Chloote Stars und den Chloote Friends.
6:3 für die Chloote Stars lautete das Verdikt nach dreimal 10 Minuten. Und 9:4 als Endresultat nach einem Penaltyschiessen, in dem jeder Spieler beider Teams jeweils einmal antreten durfte. Bei den Chloote Stars gab es dabei den einen oder anderen spektakulären – oder auch augenzwinkernden – Abschluss zu bestaunen. So verblüffte Klotens früherer Topskorer und aktueller Assistenztrainer Kimmo Rintanen Fans und Gegner gleichermassen, indem er mit einem Kick gegen seine Stockschaufel den Puck in Richtung Tor beförderte. Ronnie Rüeger allerdings parierte diesen Versuch souverän.
Raffiniertes Puckhandling, das eine oder andere Kabinettstückchen oder Trickli: Die renommierten Cracks aus der Vergangenheit zauberten nochmals ihr ganzes Repertoire aufs Eis. Spielen und spielen lassen stand klar im Vordergrund. So entstand ein Gute-Laune-Nachmittag, der für alle Beteiligten ansteckend wirkte und nostalgische Gefühle weckte.
Lücke wurde geschlossen
Linda Eppler vom EHC Kloten zeichnete für die gewiefte und ausgeklügelte Organisation des gelungenen Events verantwortlich. Sie konnte auf weitere Helferinnen als «linke Hand» und «Mädchen für alles» zählen. Und dann war da noch Peter Lüthi «2», der den EHC Kloten zeitlebens in diversen Funktionen prägte: Er stellte die beiden Klotener Teams für das diesjährige Legendenspiel zusammen.
Er erklärte den Unterschied zu den Feierlichkeiten des Vorjahres :«Das 90-Jahr-Jubiläum war vor einem Jahr etwas anderes, da gründeten wir auch die Hall of Fame des EHC Kloten. Jetzt ist es ein Anlass, damit auch die Vergangenheit mit den ersten Schweizer Meistern von 1967 abgeschlossen ist. Dadurch wurde eine Lücke geschlossen. Nun können wir die Hall of Fame richtig lancieren. Die für dieses Weekend aufgebotenen Spieler waren alle um das Jahr 2006 aktiv, also zehn Jahre nach dem letzten Meistertitel im Jahre 1996. Und zugleich war 2006 das erste Profijahr des heutigen Klotener Captain Steve Kellenberger. So wurden die Teams zusammengestellt.»
Respektable Zeit für Hottinger
Das Warm-up für den Abend erfolgte bereits am Nachmittag mit den Skillwettbewerben. Zuerst massen sich die Amateure untereinander, danach die Legendenspieler sowie Cracks aus dem Fanionteam – zusammen mit den Amateur-Gewinnern – als gemischte Teams. Die Siegerliste der Skills-Profis/Legenden umfasste prominente Namen. Härtester Schuss: Tyler Morley. Treffsicherheit: Mischa Ramel. Puckkontrolle: Niki Altorfer. Schnelligkeit: Dario Sidler.
Einer der Skill-Sieger aus dem Amateur-Feld war der 14-jährige Claudio Hottiger. Er spielt in keinem Klub, wie er dem «Klotener Anzeiger» versicherte. Aber er «chneblet» mit Kollegen in Bülach oder Dielsdorf fürs Leben gern. Als Gewinner der Puckkontrolle bei den Amateuren mass er sich in der zweiten Phase mit Klotens Topskorer Dario Meyer – und schnitt respektabel ab: Meyer absolvierte den dynamischen Parcours in 16 Sekunden, Claudio Hottiger in 22.
Peter Lüthi unter dem Hallendach
Klubpräsident Jan Schibli feierte am Allstar-Game-Tag übrigens seinen 55. Geburtstag. Er und Sportchef Ricardo Schödler hielten jeweils eine kurze Laudatio zur Ehrung der Meisterspieler von 1967.
Danach wurde in einer feierlichen Zeremonie das Banner mit dem Leibchen von Peter Lüthi I – Captain, Denker und Lenker des ersten Klotener Meisterteams – unter das Stadiondach gezogen. Walter Frei und Gabi Weber, ehemalige Teamkollegen von Peter Lüthi I, standen gemeinsam mit dem Geehrten im Klotener Trikot im Mittelpunkt der Ehrung. Das Trio erhielt im Anschluss auch von den Akteuren des nachfolgenden Legendenspiels persönliche Gratulationen. Insgesamt waren über den Tag verteilt rund 1000 Zuschauer anwesend.
Fredy Rothen zur Stimmung im All Star-Game: «Es ist wirklich cool, mit alten Kollegen zu spielen. Und zusammen unserer Leidenschaft nachzugehen. Auch sehe ich im Publikum die Fans wieder, die schon zu meiner Zeit hier waren. Und dass einen die Leute wieder erkennen, ist ein schönes Gefühl.» Der Meistertitel in seinem ersten Vereinsjahr 1996 sei das Highlight seiner Karriere gewesen, sagte Rothen. 2009 hingegen sei die Niederlage im Playoff-Final gegen Davos der schmerzhafteste Moment gewesen. «Da war ich schon 32 und nochmals so nah am Titel. Aber so ist der Sport.»
Rothen beim EV Zug engagiert
Rothen ist aktuell im Nachwuchsbereich des EV Zug engagiert, nachdem er zuvor mit durchaus respektablem Erfolg als Headcoach beim Swiss-League-Team Winterthur tätig gewesen war. Eine Rückkehr nach Kloten? «Wenn, dann nur im Nachwuchsbereich. Ich habe mittlerweile beide Seiten gesehen. Mir gefällt der Nachwuchsbereich. Es ist auch ruhiger. Als Headcoach im Profibereich kannst du ein Jahr erfolgreich sein und im nächsten, wenn es weniger gut läuft, der Schuldige sein. Es ist ein sehr schwieriger Job. Auch Assistent im Profibereich ist nicht mein Ziel. Ich wohne immer noch in Bassersdorf, mittlerweile seit 19 Jahren. Am meisten Kontakt zu ehemaligen Klotenern habe ich mit Marco Klöti. Wir spielten in Embrach auch immer ein Grümpelturnier zusammen, da ist jeweils auch Thierry Paterlini dabei.»
Reto Pavoni als Coach
Reto Pavoni stand im Vorjahr beim Legendenspiel zum 90-Jahr-Jubiläum noch selbst im Einsatz. Diesmal wirkte die Goalie-Ikone, die massgeblichen Anteil an Klotens Meistertiteln Nummer 2 bis 5 hatte (1992 bis 1996), als Coach der Chloote Friends an der Bande. Schalkhaft meinte er: «Es reichte mir nicht mehr ins Line-up.» Im Ernst fügte er an, es sei letztes Jahr noch gut gewesen, «nun passte es für mich auch so. Und im Vergleich zum Vorjahr stand nun eine andere Generation von Spielern auf dem Eis. Und es waren ausnahmslos Spieler, die in ihrer Karriere mal für Kloten spielten.»
Kellenberger, Lemm, Simpson und Eldebrink blicken zurück
«Es war lustig, gegen Leute zu spielen, die man schon lange nicht mehr sah oder gegen die man früher sogar zuschaute», findet Steve Kellenberger. «Es war ein Zurückschauen. Es waren alle in der ersten Mannschaft, als ich raufgekommen war. Das Ganze macht Spass. Speziell waren auch die Gespräche in der Garderobe. Da kamen Erlebnisse aus den Trainingslagern hoch, die natürlich intern bleiben und geblieben sind. Alles kann man da nicht erzählen.»
Romano Lemm hofft auf Play-in: «Es hatte viel Spass gemacht, schon bei den Skills. Bei einem solchen Beisammensein kommen immer wieder lustige Geschichten auf – sei es von gewissen Spielen oder Erlebnissen mit Trainern. Man lässt schon einiges Revue passieren, was man zusammen erlebte. Ich kenne vom Fanionteam her noch Kellenberger oder Steiner von früher und dann noch den einen oder anderen, der es aus dem Nachwuchs in die erste Mannschaft schaffte, als ich selbst noch Juniorentrainer war. Ich hoffe nun, dass Kloten sicher mal jetzt noch Zwölfter wird. Oder gar noch das Play-in erreicht.»
Sean Simpson fühlt sich geehrt: «Es war eine Überraschung und eine Ehre, die Einladung zu erhalten. Ich kenne immer noch viele Leute. Es war damals eine grosse Ehre für mich, hier zu arbeiten. Es ist wirklich schön, diese Leute hier zu sehen. Heute bin ich zwar pensioniert, doch ich bin immer noch ein grosser Eishockey-Fan und besuche die Spiele. Ich war deshalb auch bei Olympia vor Ort. Und mit meinem früheren Assistenten Colin Muller gehe ich demnächst auf seinen Erfolg anstossen.»
Ähnlich klingt es bei Anders Eldebrink: «Es ist immer eine grosse Freude, diese bekannten Gesichter wieder zu sehen. Mit Felix Hollenstein bin ich immer noch in Kontakt.»
Notizen
Pontus Aberg kehrt zumindest temporär zu Kloten zurück
Kloten hat vorerst für die ersten drei Spiele nach der Olympia-Pause von den ZSC Lions Pontus Aberg (32) als zusätzlichen Importspieler zum bestehenden Sextett (Verteidiger Klok und Lindroth sowie Stürmer Puhakka, Leino, Morley und Gignac) verpflichtet. Der schwedische Stürmer war bereits letzte Saison von Kloten im Finish der Qualifikation engagiert worden, damals als Ersatz für Miro Aaltonen (Entlassung nach Kokainbefund). Der vor einem Jahr von den Lakers gekommene Aberg brachte es damals in elf Partien auf ebenso viele Skorerpunkte (4 Tore/7 Assists). Die ZSC Lions verfügen aber eine sofortige Rückkehr-Klausel für Aberg für den Fall eines Import-Engpasses. Diese Klausel kann bis zum 2. März gezogen werden. Andernfalls bleibt Aberg bis zum Saisonende bei den Flughafenstädtern.
Das anspruchsvolle Restprogramm des EHC Kloten
Am Freitag empfängt Kloten die SCL Tigers, ehe am Folgetag das Gastspiel bei Leader Davos folgt. Die Rapperswil-Jona Lakers (a/5. März), Lugano (h/7.März) und Genève-Servette (a/9. März) sind die restlichen Gegner zum Abschluss der Regular Season. Aus dem unteren Tabellenbereich weist Kloten im Ranglisten-Vergleich das anspruchsvollste Restprogramm auf. Zur Olympia-Pause ergab der Rangierungsdurchschnitt der verbleibenden Gegner eine 5,83. Zum Vergleich: Bei Ambri-Piotta, dem direkten Konkurrenten im Kampf um den 12. Rang, waren es 7,50.