Sommer-Eis mitten in der Hitzewelle

Richard Stoffel

Draussen flimmert die Hitze, drinnen knirscht das Eis unter den Kufen: Während viele Menschen am Pfingstsonntag Schatten oder Wasser suchten, zog es 111 Besucherinnen und Besucher zum öffentlichen Sommer-Eislauf in die Swiss Arena.

In der Trainingshalle der Swiss Arena gibt es erstmals Sommer-Eis. Am Pfingstsonntag bot sich der Öffentlichkeit bei Temperaturen von bis zu 30 Grad eine will­kommene Möglichkeit zur Abkühlung. Während draussen die Hitze flimmerte, drehten in der angenehm kühlen Trainingshalle Familien, Kinder und Hobbyläufer ihre Runden auf dem Eis.

«Das ist ja schon ein krasser Kontrast zur Hitze draussen. Also eine wohltuende Abkühlung», sagte eine der Besucherinnen. Man wartet nun ab, wie sich die Eintrittszahlen beziehungsweise das Interesse nach den ersten vier Sonntagen entwickeln. Danach wird entschieden, ob es vier weitere öffentliche Eislauf-Termine geben wird.

 

«Für einen dauerhaften Sommer-Eis-Betrieb müssen die entsprechenden Behörden noch einer Nutzungsänderung zustimmen.»

Patrick Bargetzi, Leiter Stadion

 

Dies wäre dann bis zu den Sommer­ferien der Fall. Eine eigentliche Untergrenze gebe es nicht, sagt Patrick Bargetzi, der Leiter Stadion in der Swiss Arena. «Wenn nur 20 Leute kommen, müssen wir nicht darüber diskutieren, dass es zu wenig ist. Konkrete Zahlen können aber nicht genannt werden, da sie nicht definiert wurden.» Im Winter betragen die sonntäglichen Besucherzahlen üblicherweise einige hundert. Zum Auftakt der Sommer-Eislauf-Sonntage für die Öffentlichkeit wurden nun 111 Eintritte verzeichnet.

Weshalb das Sommer-Eis in der Trainingshalle liegt

Weshalb wurde das Eis eigentlich nicht direkt im Stadion angelegt? Pascal Fawer ist einer der Eismeister in der Swiss Arena. Er sagt: «Oben im Stadion bräuchte es viel mehr Energie, weil die Halle grösser ist. Deshalb wird dieses Eis dann erst im August angelegt.»

Die im Untergeschoss gelegene Trainingshalle, in der das öffentliche Eislaufen stattfindet, wird unter der Woche ansonsten von den Junioren und den Profis des EHC Kloten sowie anderen Eishockeyvereinen und Mitgliedern verschiedener Eislaufklubs genutzt. Die Eishockeyaner seien laut Fawer enorm erleichtert, dass sie für das Sommer-Eistraining nicht mehr weite Anreisen – zuvor etwa nach Romanshorn – in Kauf nehmen müssen.

Für das Probe-Sommer-Eis waren gewisse Anpassungen nötig. «Es gibt andere Dienste und Arbeitszeiten», erklärt Fawer. In der Trainingshalle wurde das Eis dabei gar nie vollständig abgetaut. Die bestehende Fläche wurde zunächst auf gut zwei Zentimeter ausgehobelt, um Energie zu sparen. Anschliessend wurde das Eis mit einem Feuerwehrschlauch wieder auf drei bis dreieinhalb Zentimeter aufgebaut. «Und nun sind die Eismeister im Einsatz und pflegen das Eis», so Fawer.

Pascal Fawer hat viel Erfahrung mit Sommer-Eis

Der 40-Jährige arbeitete einst 13 Jahre lang in derselben Funktion in Dübendorf, wo das Fanionteam des EHC Kloten in den vergangenen Jahren jeweils das Sommer-Eis-Training absolvierte. «2009 hatte man dort das Sommer-Eis eingeführt und danach beibehalten», erzählt Fawer.

Auch innerhalb des Teams unterstütze man sich gegenseitig. Man helfe sich aus und ergänze sich. Mit dem Staff des EHC Kloten pflege er vor allem Kontakt mit dem Materialwart Ingo Loibnegger, «mit dem man auch einmal den einen oder anderen Spruch fallen lassen kann». Konflikte mit Juniorenspielern, die er allenfalls zurechtweisen müsse, seien im Alltag selten. «Die sind überwiegend sehr diszipliniert», betont Fawer.

Vom Eismeister zum Hobby-Triathleten

Fawer ist übrigens selbst äusserst sportlich und als trainingsfleissiger Hobby-Triathlet unterwegs. Seine Leidenschaft lebt er in der Freizeit gemeinsam mit seiner Partnerin aus, die zu den besten Schweizer Amateur-Triathletinnen zählt.

Die zuletzt teils extremen Witterungsschwankungen von Kälte zu Hitze und wieder zurück ist er deshalb auch als Outdoor-Sportler gewohnt. Kürzlich nahm er an einem Triathlon in Wallisellen teil, bei dem nach dem Schwimmen aufgrund der tiefen Temperaturen die Umziehzeit der Athleten neutralisiert wurde. Auch als Eismeister erlebte er schon wiederholt, dass die Monate April und Mai enorme Temperaturschwankungen bringen können – von Schneefall bis hin zu 30 Grad Lufttemperatur.

Fawers Chef, Patrick Bargetzi, sagt zur Zukunft des Sommer-Eises noch: «Für einen dauerhaften Sommer-Eis-Betrieb müssen die entsprechenden Behörden noch einer Nutzungsänderung zustimmen. Danach muss es für 2027 wieder budgetiert werden.» Das Budget für 2027 wird im Dezember durch den Gemeinderat beschlossen.

Pilotbetrieb mit Sommer-Eis in der Schluefweg-Halle

Die Stadt Kloten wagt ein Novum: Erstmals wird die Eisfläche in der Schluefweg-Halle auch während der Sommermonate genutzt. Der Stadtrat hatte im November beschlossen, den sogenannten Sommer-Eis-Betrieb ab dem 18. Mai testweise anzubieten.

Das neue Angebot richtet sich sowohl an Vereine und private Eismietende als auch an die breite Öffentlichkeit. Ziel des Probebetriebs ist es, herauszufinden, wie gross das Interesse an Eiszeiten ausserhalb der regulären Wintersaison ist.

Die Bevölkerung erhält Gelegenheit, das Sommer-Eis auszuprobieren: Bis und mit Sonntag, 21. Juni, ist die Eisfläche jeweils sonntags von 12 bis 17 Uhr für den öffentlichen Eislauf geöffnet. Nach dem vierwöchigen Probebetrieb will die Stadt anhand der Besucherzahlen entscheiden, ob das Angebot um weitere vier Wochen verlängert wird.

Für den Zutritt gelten reguläre Einzeleintritte oder Punktekarten. Bereits bestehende Winter-Saisonabonnemente sind für das SommerEis jedoch nicht gültig.

Vereine und Privatpersonen können freie Eiszeiten sowie den aktuellen Belegungsplan online auf der Website des Schluefweg-Halle einsehen.

Mit dem Pilotprojekt reagiert die Stadt auf die steigende Nachfrage nach ganzjährigen Sport- und Freizeitangeboten und schafft gleichzeitig neue Trainingsmöglichkeiten für den Eissport auch ausserhalb der klassischen Saison.  (dj.)

«Oben im Stadion bräuchte es viel mehr Energie, weil die Halle grösser ist», weiss Pascal Fawer – ein Mann für Klotener Eisfälle. Bild Richard Stoffel