Smirnovs zwischen Olympia-Frust und Kloten-Hoffnung

Richard Stoffel

Stürmer Deniss Smirnovs gewann 2023 mit Genf-Servette den Meistertitel und anschliessend mit Lettland WM-Bronze – unmittelbar vor seinem Wechsel zu Kloten. Dann jedoch wurde er in der Vorbereitung auf die darauffolgende Saison jäh ausgebremst. Eine schwere Sprunggelenksverletzung zwang ihn zu einer langen Pause und ermöglichte erst in der Endphase der folgenden Spielzeit sein Comeback.

Beim 5:2-Sieg in Ambri, der am Ende der Regular Season im Kampf um Platz 12 bei allfälliger Punktgleichheit der beiden Teams noch bedeutsam sein könnte – Kloten glich in den Direktduellen auf 6:6 Punkte aus und könnte dank des deutlich besseren Gesamttorverhältnisses vor Ambri liegen –, verzeichnete Smirnovs vor knapp zwei Wochen mit zwei Assists sein bisheriges Saisonhighlight im Klotener Dress. Der 26-jährige lettische Stürmer mit Schweizer Lizenz harmonierte in der Leventina mit dem Doppeltorschützen Tyler Morley bestens, wie auch Headcoach Lauri Marjamäki bestätigte. «Wir fühlen einander auf dem Eis gut. Wir versuchen beide, einfach zu spielen. Und das zahlt sich dann aus.» Zuletzt hatte Smirnovs allerdings eine happige Absage zu verkraften. Er wurde bei Lettland nicht für den 25-köpfigen Olympia-Kader nominiert: «Das ist bitter für mich. Aber es gibt mir die Klarheit darüber, noch härter an mir arbeiten zu müssen.»

Die Nichtselektion für das Aufgebot für Milano/Cortina wurde ihm von dem legendären und auch in der Schweiz bestens bekannten Headcoach Harijs Vitolinš (58) persönlich kommuniziert. «Er erklärte mir seine Gründe, die ich aber für mich behalte.» Smirnovs steht weiterhin mit dem einen oder anderen Spieler des Nationalteams in Kontakt und gratulierte ihnen, den Sprung ins Olympia-Team geschafft zu haben. Er glaubt, dass Lettland bei den Olympischen Spielen für die eine oder andere «Überraschung» gut sein wird. In der Vorrunde treffen die Letten auf die USA, Deutschland und Dänemark.

Und mit Kloten? «Wir haben einen Weg zu finden, um auch die engen Spiele zu gewinnen.» Smirnovs ist bei den Flughafenstädtern noch ohne Vertrag für die kommende Saison. Er sagt: «Ich muss mich noch steigern, ich benötige noch mehr Skorerpunkte (bislang 1 Tor und 6 Assists in 39 Saisonspielen) für einen neuen Kontrakt. Aber Eishockey ist ein Teamsport. Deshalb gilt für uns das Motto: Wir müssen einfach mehr Spiele gewinnen. Und dann sehen wir, was als Nächstes passiert.» Trotz persönlicher Leistungsschwankungen ist Smirnovs überzeugt, dass er sich als Spieler weiterentwickelt hat. Er stuft sich aktuell sogar als besseren Spieler ein, als er es 2023 als WM-Bronzegewinner mit Lettland war. «Ich bin kräftiger, schneller und auch in anderen Belangen besser geworden, unter anderem auch in der Scheibenführung.» Seit der Rückkehr von seiner langwierigen Verletzung habe er läuferisch kontinuierlich zugelegt und sei wieder vermehrt zu Abschlussmöglichkeiten gekommen. Die Verletzung sei die schwerste seiner Karriere gewesen, sagt Smirnovs. Er habe Zeit gebraucht, um das erforderliche Level wieder zu erreichen.

Auch der Headcoach arbeitet mit Mentaltrainer

Klotens Headcoach Lauri Marjamäki bestätigte nach der Partie gegenüber einer «Blick»-Reporterin, dass nicht nur Klotener Spieler auf individueller Basis Mentalcoaching in Anspruch nehmen, sondern auch er selbst seit 15 Jahren einen entsprechenden Austausch pflegt beziehungsweise in Anspruch nimmt. «Das betrachte ich auf diesem Level und als ich finnischer Nationaltrainer war als unerlässlich. Jeder, der sich entwickeln und verbessern will, zieht in diesem Bereich Unterstützung hinzu», sagte Marjamäki. Positive Gedankenführung sei zentral.