Krieg im Nahen Osten ist für die Swiss Segen und Fluch zugleich
Die Swiss meldet für das erste Quartal 2026 ein überraschend starkes Ergebnis. Der Nahostkonflikt trieb die Nachfrage vor allem auf Asienrouten. Doch steigende Treibstoffkosten trüben die Aussichten.
Die Swiss hat das erste Quartal 2026 mit einem deutlich verbesserten operativen Ergebnis abgeschlossen. 30 Millionen Franken Gewinn verbucht die Airline für die Monate Januar bis März – neun Mal mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, als lediglich 3,3 Millionen Franken zu Buche standen.
Der Grund für das starke Ergebnis liegt jedoch weniger in einer strukturellen Verbesserung als in einem aussergewöhnlichen Umstand: Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten hat Flugrouten verschoben und die Nachfrage – insbesondere auf Verbindungen nach Asien – spürbar angekurbelt. Wer in jene Regionen fliegen wollte, wich auf andere Routen aus, auf denen Swiss präsent ist. Die Folge: höhere Auslastung, steigende Durchschnittspreise.
Belastung wird zunehmen
Doch die Airline warnt vor zu viel Euphorie. CFO Dennis Weber macht auf einen zeitlichen Versatz aufmerksam: Die massiv gestiegenen Kerosinpreise – laut Weber annähernd doppelt so hoch wie vor dem Iran-Krieg – schlagen erst mit Verzögerung auf das Ergebnis durch. Im zweiten Quartal werde die Belastung deutlich spürbar sein. Trotz des positiven Ergebnisses flog die Swiss im ersten Quartal weniger. Die Zahl der durchgeführten Flüge sank um 7,1 Prozent auf rund 29 600. Verantwortlich dafür sind vor allem fehlende Triebwerke wegen hoher Wartungsaufwände sowie ein Mangel an Piloten. Gleichzeitig verbesserte sich die Auslastung merklich: Der sogenannte Sitzladefaktor – also der Anteil verkaufter Sitze am Gesamtangebot – stieg um 3,4 Prozentpunkte.
Für die Sommersaison beobachtet Swiss eine stabile Nachfrage, besonders für Asienreisen. CEO Jens Fehlinger hebt dabei einen neuen Trend hervor: Immer mehr Buchungen erfolgen kurzfristig, während die Premiumklassen weiterhin stark gefragt sind. Genaue Prognosen bleiben schwierig – die geopolitische Lage sorgt für anhaltende Unsicherheit. Trotz des erfreulichen Quartals bleibt die Swiss unter Druck. Die Airline hält an ihrem bereits vor dem Nahostkonflikt lancierten Sparprogramm fest. CEO Fehlinger betont, dass ein neuer Gesamtarbeitsvertrag mit den Piloten unumgänglich sei – einer, der höhere Produktivität mit mehr Planbarkeit für die Cockpit-Besatzungen verbinde. Das starke erste Quartal ist also eine Momentaufnahme – geprägt von aussergewöhnlichen Umständen. Ob die Swiss den Kurs halten kann, wird sich spätestens mit den Zahlen für April zeigen.
Mit Blick auf die bevorstehende Sommersaison spricht die Swiss von einer robusten Nachfrage. Besonders auf den Asienrouten sei die Nachfrage sehr hoch. Dennoch bleibe die Lage sehr volatil.