Klotens spektakulärer Befreiungsschlag
Nach vier Niederlagen in Serie gelang Kloten am Samstag in Ambri ein spektakulärer 5:2-Befreiungsschlag. Und dies trotz der krankheitsbedingten Ausfälle der Import-Center Brandon Gignac und Robert Leino.
Was für ein Spektakel in der Leventina! Kloten wurde von Ambri-Piotta im Hexenkessel der Gottardo Arena zu Beginn förmlich überrannt. Die von ihren heissblütigen Fans nach vorne gepeitschten Tessiner legten wie die Feuerwehr los und lagen rasch 2:0 in Führung.
Kloten wirkte von der Leidenschaft und vom Tempo der Gastgeber überfordert, in den Zweikämpfen oft einen Schritt zu spät und taumelte einem Debakel entgegen. Eine Fünfminutenstrafe gegen Axel Simic liess die Mienen auf der Klotener Teambank zusätzlich verfinstern.
Tyler Morley in Topform
Doch dann küsste ein Spieler Kloten wach, dem einst unzureichende Leadership angekreidet worden war, der sich mittlerweile aber mit kernigen Checks und entschlossenen Abschlüssen zum Spieler der Stunde und zu einem Leader entwickelt hat: Tyler Morley.
Als Ricardo Schödlers Vorgänger als Klotens Sportchef, Larry Mitchell, vor zwei Jahren den Vertrag mit Morley um zwei Saisons verlängerte, wurde dies nicht überall verstanden. Morley war zwar Matchwinner in einem Derby gegen die ZSC Lions, blieb in anderen Partien jedoch oft ohne prägenden Einfluss. Diese Konstanz hat sich in den letzten Wochen markant eingestellt und fand am vergangenen Wochenende ihren bisherigen Höhepunkt.
Gegen Ambri erzielte Morley das 1:2 sowie den Gamewinner zum 3:2. Mit drei Toren in den letzten zwei Spielen – ein weiteres bei der 2:3-Overtime-Niederlage gegen Lausanne am Vortag – machte Morley Werbung in eigener Sache. Der 34-jährige Kanadier (aktuell neun Tore, zwölf Assists) ist noch ohne Vertrag für die kommende Saison und sagte dem «Klotener Anzeiger» zu einer möglichen Vertragsverlängerung: «Das liegt nicht an mir.»
In den letzten fünf Spielen buchte Morley ebenso viele Punkte und wirkte mit seinem Drive als bedeutender Impulsgeber innerhalb des Teams. In den Klotener Fan-Foren ist das Echo deutlich: Gebt Morley einen neuen Vertrag!
Gesamtbild massgebend
Sportchef Ricardo Schödler wollte Morleys Aufwärtstrend der letzten Wochen gegenüber dem «Klotener Anzeiger» nicht überbewerten und sagte, dass es momentan keine vorgezogenen Verhandlungen gebe. «Stand jetzt ist das kein Thema», so Schödler. Wichtig sei das Gesamtbild: Konstanz über die ganze Saison, die Passung zur sportlichen Ausrichtung des künftigen EHC Kloten sowie das wirtschaftlich Machbare. Hinzu komme auch ein Bauchgefühl. Dieser Massstab gelte für alle Spieler mit auslaufenden Verträgen, darunter auch Klubrekordspieler Steve Kellenberger sowie Harrison Schreiber oder Nolan Diem. Und Deniss Smirnovs, der nicht in Lettlands Olympia-Aufgebot berücksichtigt wurde, dafür in der Leventina bei beiden Morley-Treffern jeweils einen Assist für Kloten buchte.
Bei der 2:3-Heimniederlage nach Verlängerung gegen Lausanne war zudem Dario Meyer im Powerplay mit dem Treffer zum 1:0 erfolgreich. Der Nummer-1-Goalgetter von Kloten beendete mit seinem zweiten Tor aus den letzten zehn Spielen eine Durststrecke. Gleiches galt für Petteri Puhakka mit seinem Treffer zum 2:2-Ausgleich in Ambri. Die restlichen Tore erzielten die Eigengewächse Mischa Ramel und Rafael Meier.
Nach zuvor fünf Spielen mit nur sieben Toren gelang Kloten der Befreiungsschlag. Ein Sieg, der für den Charakter des Teams spricht, nach zahlreichen guten Leistungen auf Augenhöhe mit den Gegnern endlich auch einen Dreipunktegewinn zu realisieren. Trainer Lauri Marjamäki zeigte sich nach dem erst vierten Auswärtssieg der Saison erleichtert: «Das war eine herausfordernde Situation für uns ohne Gignac und Leino und nach dem 0:2-Rückstand. Ich mochte es sehr, wie wir nach dem 0:2 reagierten. Ich bin stolz und froh für das Team.» Über Morley sagte Marjamäki: «Die letzten fünf bis acht Begegnungen spielte er auf jenem Level, das wir von ihm erwarten. Und ja, irgendwie harmonieren Deniss Smirnovs und Morley sehr gut, wenn sie zusammen in einer Linie spielen.»
Schäppi blickt auf das Derby
Für Reto Schäppi (bald 35-jährig) richtet sich der Blick in den nächsten Spielen insbesondere auch auf nächsten Dienstag und das Heimduell gegen die ZSC Lions. Der frühere Nationalstürmer spielte vor seinem Wechsel zu Kloten im vorletzten Sommer ausschliesslich für die ZSC Lions und gewann mit den Stadtzürchern vier Meistertitel. 904 Spiele in der obersten Spielklasse hat Schäppi absolviert – kein Spieler in Klotens Reihen kommt in der National League auf mehr Einsätze. Klubrekordspieler Steve Kellenberger spielte zwischen 2018 und 2022 mit Kloten in der Swiss League, sonst würde er Schäppi übertreffen.
Wollen Erfahrung einbringen
«Die Anzahl National-League-Spiele bedeutet mir nicht viel. Es ist nur eine Zahl», sagt Schäppi. «Ich bin ein erfahrener Spieler in diesem Team, wie es Steve Kellenberger, Leandro Profico oder Nicholas Steiner auch sind. Wir versuchen, unsere Erfahrung den jungen Spielern weiterzugeben. Und ich glaube, das gelingt uns nicht schlecht.» Für das vierte und letzte Derby der Saison hofft Schäppi auf den ersten Sieg gegen die ZSC Lions: «Wenn uns wieder ein so gutes Spiel wie im letzten Derby gelingt, dann haben wir eine gute Chance. Wir haben zuletzt gut gespielt, ab und zu waren ein paar blöde Fehler drin. Aber wir wissen: Spielen wir wieder so wie im letzten Derby, haben wir eine gute Chance.»
EHC-Tickets zu gewinnen
Der «Klotener Anzeiger» verlost in jeder Ausgabe 2 × Sitzplatztickets der ersten Kategorie und 1 × 2 Tickets der zweiten Kategorie für die Heimspiele. Diesmal werden Tickets für das Spiel von morgen Freitag, 23. Januar, gegen den EV Zug verlost.
Wer gewinnen möchte, sendet ein E‑Mail mit Betreffzeile «Zug» und vollständiger Postadresse an: