Es gibt weltweit rund 53 000 Spinnenarten
Kaum ein anderes Tier ist derart unbeliebt wie Spinnen. Die Emotionen, die sie auslösen, reichen von Abneigung über Ekel bis hin zur lähmenden Angst. Dabei sind Spinnen in den seltensten Fällen gefährlich für Menschen. Siesind sogar sehr nützlich. Der Zoo Zürich will darum das Verständnis für die Tiere fördern.
Die Abneigung der Menschen gegen Spinnen ist einerseits evolutionär bedingt. Für den frühen Menschen stellten Gifttiere – dazu zählen auch einige wenige Spinnenarten – eine ernste Bedrohung dar. Angst war also überlebenswichtig. «Solche evolutionären Muster tragen wir auch heute noch in uns, auch wenn die Wahrscheinlichkeit, einer Spinne zu begegnen, die für den Menschen gefährlich ist, eher gering ist», schreibt der Zoo Zürich in einer Mitteilung.
Zudem würden sich Spinnen oft schnell bewegen und unerwartet auftauchen. Der Körper reagiere dann instinktiv auf die vermeintliche Bedrohung. Andererseits sei die Angst vor Spinnen kulturell geprägt. «Kinder lernen durch Abschauen und Imitation von Verhaltensweisen», so der Zoo. Wenn die Eltern, enge Bezugspersonen oder generell viele Menschen im Umfeld des Kindes mit Entsetzen oder Abneigung auf Spinnen reagieren würden, «dann lernt das Kind: Spinne = eklig».
Sie sind wichtig für das Ökosystem
Unser stark durch Abneigung geprägter Umgang mit Spinnen führt dazu, dass wir den Nutzen und die faszinierende Lebensweise der Achtbeiner oft verkennen. So sind Spinnen beispielsweise ein wichtiger Regulator fürs ökologische Gleichgewicht. Sie vertilgen jährlich mehrere hundert Millionen Tonnen Insekten, viele davon Schädlinge, deren unkontrollierte Vermehrung sie so im Zaum halten.
Aber auch für die Forschung sind Spinnen laut dem Zoo spannend. Spinnenseide zählt zu den stabilsten und tragfähigsten Materialien, die überhaupt bekannt sind. Sie ist fünfmal belastbarer als ein Stahlfaden gleicher Dicke. Und wer schon mal einer Spinne beim Netzbau zugeschaut hat, kann ob deren architektonischem Geschick nur staunen.
Weltweit gibt es rund 53 000 wissenschaftlich beschriebene Spinnenarten! Zum Vergleich bei den Säugetieren sind es weniger als 7000 Arten. Und doch können wir alle spontan mehr Säugetierarten aufzählen als Spinnenarten – trotz der immens höheren Artenvielfalt bei Spinnen. Allein in der Schweiz leben rund 1000 verschiedene Spinnenarten.
Unter ihnen auch verschiedene Radnetzspinnen wie die Gartenkreuzspinne oder die Wespenspinne. Spinnen zählen nicht zu den Insekten, sondern bilden als Spinnentiere eine eigene Klasse innerhalb der Gliederfüsser. Von den Insekten unterscheiden sie sich in vielerlei Hinsicht – am offensichtlichsten sind die Beine: Spinnen haben acht, Insekten sechs. Bis auf sehr wenige Ausnahmen sind alle Spinnen Raubtiere, die verschiedene Jagdtechniken anwenden.
Radnetzspinnen bauen – wie es der Name verrät – grosse Netze in Form eines Rads. Die Spinne sitzt in der Regel in der Mitte des Netzes und wartet darauf, dass sich ein potenzielles Beutetier in der klebrigen Struktur verfängt. Mit einem Nervengift wird die gefangene Beute dann zunächst gelähmt und später gefressen.
Sie jagen auf unterschiedliche Art
Diese Form der Jagd wenden auch die bei uns in der Spinnenhöhle im Insektenwald lebenden Madagaskar-Seidenspinnen (Trichonephila inaurata madagascariensis) an. Ihre Netze können einen Durchmesser von bis zu zwei Metern erreichen und weisen je nach Lichteinfall einen goldgelben Schimmer auf. Die Spinne kommt in den Regenwäldern Madagaskars und auf einigen weiteren ostafrikanischen Inseln vor. Während die Weibchen ausgewachsen und mit Beinen etwa die Grösse einer menschlichen Hand erreichen, sind die Männchen nur ca. 5 Zentimeter gross.
In der Spinnenhöhle lebt noch eine zweite Spinnenart: die Geisselspinne (Damon medius). Auch sie kann ausgewachsen die Grösse einer menschlichen Hand erreichen, wendet aber eine gänzlich andere Jagdtechnik an als die netzbauenden Seidenspinnen. Geisselspinnen besitzen keine Spinndrüsen. Sie können keine Spinnenseide produzieren.
Dafür besitzen sie zwei starke mit Dornen besetzte Fangarme im Kopfbereich. Ihr abgeflachter Körperbau ist ideal, um sich tagsüber in Spalten und Ritzen zu verstecken. Wird es dunkel, begibt sich die Spinne aktiv auf die Jagd. Ihr vorderes Beinpaar ist zu Geisseln verlängert, die als Tast- und Riechorgane dienen (sogenannte Fühlerbeine). «Ist ein Beutetier entdeckt und in Reichweite, greift die Geisselspinne blitzschnell zu», schreibt der Zoo.
Spinnen: Hui statt Pfui
Der Zoo Zürich züchtet gemäss Medienmitteilung beide Arten im Hintergrund des Insektenwalds. Dafür hält er mehrere Zuchtpaare. Die Zucht ist aufwendig und nur erfolgreich, wenn die Umweltbedingungen perfekt sind. Geisselspinnen wachsen im Vergleich zu anderen Spinnentieren zudem sehr langsam und erreichen die Geschlechtsreife erst mit etwa zwei Jahren.
Auch betreibt die Art eine für Wirbellose eher ungewöhnlich intensive Brutpflege. Das Weibchen trägt zunächst die Eier (30 bis 40 Stück) am Bauch und später die geschlüpften Jungtiere bis zu deren ersten Häutung auf ihrem Rücken.
Die Spinnenhöhle ist Teil des Insektenwalds und befindet sich im Herzen der Grosskatzenanlage Panthera. Dieser Kontrast ist bewusst gewählt und zeigt auf diese Weise eindrücklich die Vielfalt des Lebens.
Nicht nur Löwe, Tiger und Schneeleopard sind faszinierend, auch Insekten und sogar Spinnen sind es. Weg von Pfui, hin zu Hui – das ist laut Mitteilung das Ziel der Spinnenhöhle im Zoo. (pd.)