Ein Spital baut an seiner Zukunft

Thomas Güntert

Auch eine Zeitkapsel wurde versenkt: Vergangene Woche erfolgte die Grundsteinlegung für den neuen Behandlungstrakt des Spitals Bülach. Dort werden künftig der Notfall, die Operationssäle oder die Intensivpflegestation untergebracht.

Mariette Gretler bezeichnete den neuen Behandlungstrakt an der Grundsteinlegung als Meilenstein in der Geschichte des Bülacher Spitals. Die CEO ad interim und Verantwortliche für die Bauprojekte bedankte sich beim gesamten Team aus Architekten, Ingenieuren, Fachplanern, Bauunternehmen, Behörden und weiteren Beteiligten für das Engagement und die konstruktive Zusammenarbeit in der intensiven Planungs- und Vorbereitungszeit.

«Ein Spital ist mehr als ein Gebäude aus Beton, Glas und Technik, es ist ein Ort professioneller medizinischer Behandlung, ein Ort, an dem Menschen Hilfe finden, Vertrauen schenken und oft auch neue Kraft schöpfen», betonte Thomas Straubhaar in seiner Ansprache. Der Verwaltungsratspräsident verlieh dem festlichen Anlass eine historische Bedeutung: «Wenn vielleicht in 100 Jahren diese Zeitkapsel geöffnet wird, werden unsere Nachfahren erkennen, dass hier mit Weitsicht investiert wurde, in ein Gebäude von hoher architektonischer Qualität, das ganz auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten ausgerichtet, langlebig und nachhaltig gestaltet ist. Und sie werden verstehen, dass dieses Projekt in einer schwierigen, turbulenten Zeit entstanden ist, in der die Finanzierungsentscheide nicht immer unumstritten waren», sagte Straubhaar.

«Das Gebäude steht für moderne, effiziente Bauweise, bei dem höchste Priorität auf Qualität, Sicherheit und Zuverlässigkeit gesetzt wurde», betonte Roger Trottmann, für den das gemeinsame Engagement aller Beteiligten entscheidend für das bisherige Projekt war. «Bis hierhin wurde geplant, gerechnet, abgestimmt und optimiert, und ab heute wird sichtbar, was lange nur auf Plänen existiert hat», sagte der Generalplaner.

Dann führten Mariette Gretler, Thomas Straubhaar und Roger Trottmann den eigentlichen Festakt aus. Die Zeitkapsel in Form einer Aluminiumbox wurde mit Zeitdokumenten sowie Postkarten der Aktionärsgemeinden gefüllt. Die drei Redner legten die Zeitkapsel in das vorbereitete Loch in der Bodenplatte und füllten es mit Trockenbeton. Im Anschluss wurde der festliche Anlass im Spitalrestaurant Atrium mit einem geselligen Teil fortgesetzt.

14 800 Kubikmeter Erde ausgehoben

Für das grosse Bauprojekt wurde das Ambulanzgebäude rückgebaut und der frühere Notfallzugang verschlossen und über den Haupteingang umgeleitet. Für den neuen Behandlungstrakt mit einer Grundfläche von rund 6000 Quadratmetern wurden rund 14 800 Kubikmeter Erde aus der 47 Meter langen, 33 Meter breiten und 12 Meter tiefen Baugrube ausgehoben. In den beiden Untergeschossen des Neubaus wird die Apotheke integriert und die Sterilisationsabteilung untergebracht, in der die medizinischen Utensilien gereinigt werden.

Im Erdgeschoss befindet sich weiterhin die Notfallstation, und die Radiologie kommt neu dazu. Im ersten Obergeschoss wird die Intensivstation mit sieben Plätzen eingerichtet, in der zweiten Etage gibt es vier Operationssäle und ­darüber einen Stock mit Patientenbetten. Die Fassade wird mit terrakottafarbenen Faserzement-Wellplatten verkleidet und richtet sich optisch an den bestehenden Gebäuden mit den roten Sichtbacksteinen aus.

Kostenpunkt: 130 Millionen Franken

Das Spital Bülach stellt mit 170 Betten und rund 1400 Mitarbeitenden die medizinische Versorgung für rund 250 000 Menschen sicher. Gemäss den Prognosen der Gesundheitsdirektion wird die Bevölkerung im Unterland bis 2032 um 13 Prozent wachsen und der Anteil der über 80-Jäh­rigen um 73 Prozent steigen. Um der ­Gesundheitsversorgung auch künftig ­gerecht zu werden, investiert das Spital Bülach in den kommenden Jahren für vier Teilprojekte rund 170 Millionen Franken. Der grösste Brocken ist der Neubau des ­Behandlungstrakts mit 130 Millionen Franken. Für das ambulante OP- und Praxiszentrum auf dem Areal, das im Herbst in ­Betrieb gehen soll, werden rund 30 Millionen Franken investiert und in die Rettungswache, die ebenfalls im Herbst fertig sein soll, weitere 7 Millionen Franken.

Im August 2024 konnte der Modulbau für das Kompetenzzentrum Palliative Care eröffnet werden, in den rund 3 Millionen Franken investiert wurden. Gemäss aktueller Planung soll der neue Behandlungstrakt ab 2028 etappenweise in Betrieb genommen werden und das Gesamtprojekt bis 2031 abgeschlossen sein.