«Die Stimmung an der WM ist jeweils überragend»
Der frühere EHC-Kloten- und Nationalspieler Patrick von Gunten lebt seit knapp 20 Jahren in Wallisellen. Und firmiert an der Eishockey-WM im Mai als «Head of Sports». Im Interview spricht er über seine Aufgaben – und seine Wahlheimat.
Patrick von Gunten war einer der elegantesten Verteidiger mit Schweizer Pass, eine Defensivkraft, die nicht auf Zerstörung aus war, sondern fast jedes Problem mit seiner überdurchschnittlichen Mobilität spielerisch lösen konnte. Von Gunten spielte zwölf Jahre für Kloten, als der EHC noch ein Spitzenteam war, er wagte ein Abenteuer in Schweden und gewann mit dem Nationalteam 2013 WM-Silber – in einer Zeit, als ein Medaillengewinn noch einer Sensation gleichkam. Seit 2006 lebt er in Wallisellen.
Patrick von Gunten, was macht der «Head of Sports» einer Weltmeisterschaft?
Vieles (lacht). Zum Beispiel die Ausgestaltung des Spielplans, die Garderobenbelegung, die Trainingspläne. Und dann kümmern wir uns darum, wo die Teams logieren. Wie viele Mahlzeiten übernommen werden. Wie viele Einzel- und Doppelzimmer zur Verfügung gestellt werden. Solche Dinge. Der Job hat viele Facetten, das macht ihn spannend.
Wie viel Einfluss haben Sie?
Ich war ja selbst lange Spieler. Entsprechend ist es mir ein Anliegen, möglichst viel für die Spieler herauszuholen. Dafür gibt es schon Möglichkeiten.
Sie sprechen die Hotelzimmer an. Gab es im Nationalteam zu Ihrer Zeit Einzelzimmer?
Nein. Als wir 2013 in Stockholm WM-Silber gewannen, waren die Doppelzimmer klein und eng. Es ist kein Weltuntergang, aber eben: Wenn es eine Möglichkeit gibt, den Spielern mehr Komfort zu bieten, dann versuche ich, das möglich zu machen.
Wie ist es gekommen, dass Sie diesen Job ausüben?
Ich war bereits 2020 in der dann aufgrund der Pandemie abgesagten Heim-WM in der Organisation involviert. Zuletzt war ich auf Mandatsbasis für die U18-Weltmeisterschaften der Männer und Frauen tätig, die in der Schweiz stattfanden. Und wurde dann angefragt, ob ich auch für die Männer-WM zur Verfügung stünde. Für mich ist es eine gute Sache, der Job bietet mir verschiedene Anknüpfungspunkte im Eishockey.
Sie haben einen Bachelor in Betriebsökonomie und einen Master in Sportmanagement. Sieht man Sie bald als General Manager bei einem Klub der National League?
Das ist halt der Nachteil bei einem zeitlich begrenzten Projekt: dass es irgendwann vorbei ist. Ich weiss nicht, was die Zukunft bringt. Grundsätzlich kann ich mir vieles vorstellen.
Sie traten 2018 mit erst 33 zurück. Machte der Körper nicht mehr mit?
Das kann man so sagen. Ich hatte immer wieder Probleme mit der Hüfte und dem Rücken. Mein Vertrag wäre noch anderthalb Jahre gültig gewesen, aber es ergab einfach keinen Sinn mehr.
Hat Sie eine Zweitkarriere als Coach nicht gereizt?
Dafür bin ich zu wenig Pädagoge. Ab und zu gehe ich mit meinen Kindern aufs Eis, das reicht mir (lacht).
Wie sind Sie in Wallisellen gelandet?
Ich suchte etwas in der Nähe zu Kloten. Es war Zufall, dass es Wallisellen geworden ist, ich kannte vorher nur das Glatt. Aber es gefällt uns so gut, dass wir jetzt schon 20 Jahre hier leben.
Für die Schweizer Spieltage in Zürich sowie für fünf Spieltage in Fribourg haben wir alles verkauft, was wir bisher an Kontingenten anbieten konnten.
Von der Eisbahn abgesehen: Haben Sie einen Lieblingsort in Wallisellen?
Wir haben seit kurzem einen Hund und gehen gerne beim Rebberg spazieren. Und sonst natürlich das Naturschutzgebiet beim Glatt.
Zurück zur WM: Wie läuft bislang der Ticketverkauf?
Wirklich sehr gut. Für die Schweizer Spieltage in Zürich sowie für fünf Spieltage in Fribourg haben wir alles verkauft, was wir bisher an Kontingenten anbieten konnten.
Aufgrund der Pandemie datiert die letzte WM hierzulande von 2009. Ist beim Publikum ein erhöhter Hunger zu spüren?
Auf jeden Fall. Die Vorfreude ist gross, das hat uns im Vorverkauf geholfen.
Die WM bedient sich des allseits unbeliebten «Dynamic Pricing». In welchem Spektrum liegen die Preise?
Wir machen kein «Dynamic Pricing» nach amerikanischem Vorbild. Wir haben feste Preise, die je nach Attraktivität der Partien im Vorfeld festgelegt wurden. Einen Stehplatz für den Spieltag mit den zwei Spielen Tschechien gegen Norwegen und Italien gegen Slowenien in Fribourg gibt es für 30 Franken. Die teuersten VIP-Pakete kosten einige hundert Franken.
Es gibt rund um die WM jedes Jahr kritische Stimmen. Aber ich empfehle jedem einen Besuch, um sich selbst ein Bild zu machen und das WM-Feeling selber zu erleben.
Im Februar finden in Italien die Olympischen Spiele statt, es ist das erste Olympiaturnier mit NHL-Beteiligung seit 2014. Es gibt die Befürchtung, dass die WM so schwach besetzt sein wird wie lange nicht mehr, weil die Topspieler ausserhalb der Schweiz wenig Lust verspüren dürften, zwei internationale Turniere innert drei Monaten zu spielen.
Es gibt rund um die WM jedes Jahr kritische Stimmen. Aber ich empfehle jedem einen Besuch, um sich selbst ein Bild zu machen und das WM-Feeling selber zu erleben. Vor zwei Jahren in Tschechien gab es einen Zuschauerrekord. Die Stimmung ist jeden Frühling überragend. Ich reiste beispielsweise 2018 mit meinem Sohn nach Kopenhagen, als die Schweiz Silber gewann. Draussen waren es 20 Grad, es war eine wunderbare Reise, sensationell. Und was die Topspieler angeht: Es ist müssig, jetzt darüber zu diskutieren, wir können nicht in die Zukunft blicken. 2025 reiste etwa David Pastrnak (tschechischer Stürmerstar der Boston Bruins, Anm. der Redaktion) kurzfristig doch noch an. Und seien wir ehrlich: Wenn bei Kanada statt den Nummern 1–25 halt die Nummern 26–51 anreisen, dann sind das immer noch absolute Weltklassespieler.
Klappt es dieses Jahr mit WM-Gold, nachdem die Schweiz zuletzt zweimal in Folge den Final verlor?
Hoffen wir es! Es wäre eine Riesensache. Und auch ein schönes Abschiedsgeschenk an den Trainer Patrick Fischer, der ja nach der WM aufhört. Unter ihm hat sich der Stellenwert der Nationalmannschaft sehr positiv entwickelt. Ich denke, die Nati hat gute Chancen.
WM im eigenen Land
Die Eishockey-WM findet von 15. bis 31. Mai in der Schweiz statt, die Spielorte sind Zürich und Fribourg. Die Partien der Schweiz finden allesamt in Zürich statt, Auftaktgegner sind am 15. Mai die USA – es ist die Reprise des WM-Finals von 2025, welchen die Amerikaner mit 1:0 nach Verlängerung gewannen. Der Nationalcoach Patrick Fischer wird nach dem Turnier durch seinen aktuellen Assistenten Jan Cadieux ersetzt, der 2023 mit Servette Schweizer Meister wurde. Das Aufgebot wird erst kurzfristig bekannt, ein Walliseller aber ist praktisch gesetzt – sollte er zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in den NHL-Playoffs engagiert sein: Der 29‑jährige Pius Suter, der in den Diensten der St. Louis Blues steht.