Dem Kanton gehen die Arbeitskräfte aus – KI als Hoffnungsträger
Wegen der demografischen Alterung – sinkende Geburtenrate – werden dem Kanton in den nächsten Jahrzehnten viele Arbeitskräfte fehlen. «Die Wirtschaftsleistung könnte um bis zu 20 Prozent tiefer ausfallen und damit den Wohlstand im Kanton Zürich bedrohen», schreibt die Volkswirtschaftsdirektion in einer Mitteilung. Eine neue Studie des Amts für Wirtschaft und des Beratungsunternehmens Deloitte zeigt auf, welche Wirkung einzelne Hebel gegen den Mangel an Arbeitskräften haben können.
Hilfreich wäre es demnach, wenn die Menschen mehr arbeiteten, die Arbeitenden ihr Pensum erhöhten oder länger erwerbstätig blieben. Einen weiteren Hebel sehen die Studienautorinnen und -autoren bei einer Steigerung der Produktivität, etwa dank Digitalisierung und künstlicher Intelligenz (KI). Auch nicht verkehrt wäre eine Verjüngung der Altersstruktur – zum Beispiel durch Zuwanderung oder mehr Geburten.
Die Menschen werden älter und gleichzeitig werden, wie erwähnt, immer weniger Kinder geboren. Die Zahl der Personen im Rentenalter wächst deutlich schneller als jene der Erwerbstätigen. Je nach Szenario fehlen dem Kanton bis 2050 bis zu 300 000 Arbeitskräfte, wenn nichts getan wird. «Die demografische Entwicklung ist kein abstraktes Zukunftsszenario, sondern muss uns jetzt mit Hochdruck beschäftigen», lässt sich Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) im Communiqué zitieren. «Um unseren Wohlstand zu sichern, müssen wir heute die richtigen Weichen stellen – gemeinsam mit Unternehmen, Sozialpartnern und Bildungseinrichtungen.»
Wie der Studie zu entnehmen ist, hat das Älterwerden der Zürcher Bevölkerung vielfältige Konsequenzen für Gesellschaft und Wirtschaft. Der finanzielle Druck auf die Alters- und Sozialversicherungen nehme zu, die Gesundheits- und Pflegekosten würden steigen und das politische Gewicht der älteren Wählerschaft verstärke sich.
Überalterung bremst Wachstum
«Gesamtwirtschaftlich bedeutet das eine Verschärfung des Arbeitskräftemangels und ein damit verbundenes tieferes Wirtschaftswachstum», erklären die Autorinnen und Autoren. Studien würden den Zusammenhang zwischen der Altersstruktur und dem Wohlstandsniveau eines Landes belegen: «Mehr ältere Personen und weniger Personen im erwerbsfähigen Alter gehen einher mit einem tieferen Bruttoinlandprodukt (BIP) pro Kopf», heisst es in der Analyse.
In der Studie wurden verschiedene Massnahmen untersucht und ihre Wirkung den erwarteten Kosten gegenübergestellt. «Jede Massnahme beurteilen die Autoren anhand ihrer Kosten und Wirksamkeit», wie das IT-Fachmagazin «Netzwoche» herausgearbeitet hat. «Mittlere bis hohe Wirksamkeit» (bei «mittleren bis hohen Kosten») würden sie sich demnach von der Massnahme versprechen, KI in Privatwirtschaft und Verwaltung zu implementieren.
«Eine gleich hohe Wirksamkeit attestieren sie daneben nur noch der Idee, das Rentenalter zu erhöhen – hier gehen sie jedoch von ‹mittleren Kosten› aus», so die «Netzwoche». Geringe Kosten und mittlere Wirksamkeit würden die Autorinnen und Autoren bei der Massnahme sehen, Ki mit staatlichen Rahmenbedingungen voranzutreiben.
Wie gross die erwarteten Produktivitätsgewinne dank KI tatsächlich sein werden, ist aber schwer abzuschätzen. Gemäss Mitteilung der Volkswirtschaftsdirektion prognostiziert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)eine Steigerung des Produktivitätswachstums durch KI von 0,5 bis 0,9 Prozentpunkten für die nächsten zehn Jahre. (pat.)