Buchtipp aus der Bibliothek
Natalja Althauser – «Dunkelholz»: Ein Rückzug in den Wald als Rückkehr ins Leben
Die Hütte bietet Lydia alles, was sie zum Leben braucht –und das ist weniger, als sie dachte. Denken muss sie vor allem an ihre Tochter Clara, zu der sie den Kontakt fast verloren hat, und an ihren Partner Markus, den sie zurückgelassen hat. Nun streift sie durch den Wald, sammelt Pilze, macht Holz und versorgt sich selbst. Die Besuche ihres Nachbarn bringen Abwechslung, eine unerwartete Nachricht ändert alles. Lydia muss einen Kampf aufnehmen, den sie schon verloren geglaubt hat, und entwickelt ungeahnte Kräfte.
Mit ihrem literarischen Debüt legt Natalja Althauser einen leisen, eindringlichen Roman vor, der sich behutsam, aber mit grosser emotionaler Kraft den Rissen des Lebens nähert. Es ist ein Buch über das Suchen – nach sich selbst, nach Nähe, nach Halt – und über das Bleiben, selbst dort, wo Beziehungen fragil, Worte unzureichend und Wege ungewiss werden.
Im Zentrum steht Lydia, Ich-Erzählerin und Rückkehrerin in die Stille. In einer abgelegenen Waldhütte zieht sie sich zurück, um ihr Leben zu betrachten: die brüchige Beziehung zu ihrem Partner Markus, die Trennung, die offene Frage des Weitergehens; vor allem aber das schmerzhafte Verhältnis zu ihrer Tochter Clara, die im Gefängnis sitzt. Was Clara getan hat, bleibt unausgesprochen – und genau in diesen Leerstellen entfaltet der Roman seine besondere Kraft. Althauser erzählt nicht aus, sie deutet an. Sie lässt Raum für eigene Gedanken, für Mitgefühl, für Unsicherheit.
Der Roman folgt keiner klassischen Handlung, sondern bewegt sich tastend zwischen Gegenwart, Erinnerung und innerem Monolog. Lydia wandert – durch den Wald, durch ihre Gedanken, durch vergangene Momente der Mutterschaft, der Liebe und des Verlusts. Begegnungen, etwa mit einem fürsorglichen Nachbarn, geben Orientierung, ohne einfache Antworten zu liefern. Immer wieder stellt sich die Frage nach innerer Heimat, nach Nähe und Distanz, nach dem Aushalten von Ambivalenzen: Mit Menschen können wir oft nicht, ohne sie aber auch nicht.
Trotz aller Schwere ist dieses Buch kein hoffnungsloser Text. Im Gegenteil: Es erzählt von einer Frau, die leidet und dennoch liebt, die zweifelt und dennoch bleibt. Von einer Mutter, die sich nicht abwendet. Von einer Hoffnung, die leise ist, aber standhält. Dieses Debüt berührt – offen, ehrlich und zutiefst menschlich.
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