Klotener Pfarrpersonen sind gegen Fusion
Überraschendes ist im Bericht zur ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung in Kloten zu lesen: Die Pfarrpersonen sprechen sich gegen eine Fusion der drei reformierten Kirchen Wallisellen, Kloten und Opfikon aus. Sie haben grundsätzliche Bedenken.
Kaum jemand weiss: Einst war Kloten eine Grosspfarrei, dessen Gebiet sich bis nach Opfikon, Bassersdorf, Wallisellen, Rieden, Dietlikon, Breite, Rohr und Wilenhof-Rüti (Gemeinde Winkel) erstreckte und Filialkapellen bestanden, in denen aber nur gewöhnliche Messen gelesen wurden. Für alle besonderen Anlässe mussten die Leute den weiten Weg zur Pfarrkirche in Kloten antreten, wie Albert Nufer 1981 in einer Semesterarbeit schreibt. Im Laufe der Jahre lösten sich die Filialkapellen von Kloten los. 1518 wurde die Filialkapelle Bassersdorf zur selbstständigen Kirche erhoben, der man später die Kapelle in der Breiti zuteilte, Seebach wurden 1664, Dietlikon und Wallisellen 1683 selbstständig und bildeten von nun an auch eigene Kirchgemeinden. 1958 schliesslich trennte sich Opfikon als letzte Kirchgemeinde von der ehemaligen Grosspfarrei.
Nun, knapp 70 Jahre später, suchen die drei Kirchgemeinden Kloten, Opfikon und Wallisellen wieder einen gemeinsamen Weg. Sie planen die Fusion zur Kirche an der Glatt. Das vor drei Jahren gestartete Projekt wurde mehrfach den Kirchenmitgliedern vorgestellt, zuletzt Mitte Januar an einer Informationsveranstaltung in Wallisellen. Bereits im Dezember letzten Jahres stimmte die Klotener Kirchenpflege dem Zusammenschluss mit Wallisellen und Opfikon zu. Entscheiden wird aber das Kirchenvolk am 14. Juni an der Urne. Nächsten Mittwoch berät eine ausserordentliche Opfiker Kirchgemeindeversammlung das Vorhaben. Und bereits kommenden Montag beschliessen die Klotener Reformierten über die Parole für die Urnenabstimmung. Und da dürfte es interessant werden.
Potenziell mehr Nachteile
Im Vorfeld dieser Kirchgemeindeversammlung haben sich nämlich auch die Klotener Pfarrpersonen zum Fusionsprojekt geäussert. Und erstmals sind hierzu negative Stimmen zu hören. Ihrer Ansicht nach birgt die vorgeschlagene Fusion für die Kirchgemeinde Kloten «potenziell mehr Nachteile als Vorteile», wie dem beleuchtenden Bericht zu entnehmen ist. Die Vorbereitung auf einen möglichen zukünftigen Wegfall der Steuereinnahmen von Firmen erscheint den Pfarrpersonen als verfrüht. Zudem sei der Umgang mit eventuell überzähligen Immobilien ungeklärt und würde erhebliche finanzielle Ressourcen erfordern. Es wäre stattdessen sinnvoll, die Mittel effizient in die Kirchgemeinde Kloten zu investieren.
Projekt nicht nachhaltig
Im Bericht zur ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung schrieben sie weiter: «Auch strategisch betrachtet, steht das Projekt auf wackligen Beinen. Die geplanten hohen Investitionen in Personal für den Aufbau kirchlicher Angebote, insbesondere in Opfikon, können nur für einen begrenzten Zeitraum aufrechterhalten werden. Ein solches Vorhaben erscheint uns nicht als nachhaltig, und die Gewinnung von motiviertem Personal für eine derartige Aufgabe ist unrealistisch.»
Nicht zu unterschätzen sei die Frage der Identifikation der Gemeindeglieder mit der Kirchgemeinde sowie deren Verbundenheit mit den Pfarrpersonen. Die Klotener Pfarrpersonen kommen zum Schluss, dass eine Fusion in diesem Bereich ausschliesslich Nachteile berge und zudem die Gefahr einer weiteren Entfremdung erhöhe. Darüber hinaus würden Beispiele zeigen, dass kleine Kirchgemeinden bezüglich der Besetzung von Kirchenpflegen nicht im Nachteil seien.
RPK für Fusionsvertrag
Anders die Haltung der Klotener Rechnungsprüfungskommission (RPK): Sie würdigt im Bericht einleitend die Professionalität der finanziellen Planung im Fusionsprozess. Die Planrechnungen für die Jahre 2028–2032, basierend auf den Budgets 2026 der drei Kirchgemeinden und Steuerfuss-Varianten von 7% und 8%, seien sorgfältig, realistisch und eher zurückhaltend erstellt worden. Berücksichtigt seien unter anderem Investitionen, Abschreibungen, stabiler Sachaufwand, Stellenerhöhungen, Mitgliederschwund und durchschnittliche Steuereinnahmen. Ein möglicher Wegfall der juristischen Steuer sei bewusst nicht einbezogen worden, betont die RPK.
Sie beurteilt insbesondere die Variante mit einem Steuerfuss von 8 Prozent als finanziell realistisch und nachvollziehbar und sieht damit die Grundlage für das langfristige Fortbestehen der fusionierten Kirche. Aus finanzieller und fachlicher Sicht stimme sie den Fusionsplänen zu. Sie erkennt in der Fusion «strategische Chancen, professionelle Strukturen sowie Synergieeffekte für die Zukunft», so die RPK weiter.
Das sagt die Lenkungsgruppe
Im beleuchtenden Bericht wird das Fazit der Klotener Lenkungsgruppe, die sich ebenfalls für eine Fusion ausspricht, nochmals kurz zusammengefasst:
Leitbild und theologische Ausrichtung
- Die fusionierte Kirchgemeinde versteht sich als offene, vielfältige und zukunftsorientierte Gemeinschaft.
- Wir bieten Raum für Begegnung, Austausch und spirituelles Wachstum an allen Standorten.
Angebot und Begegnungsstätten
- Wir stellen ein ausgewogenes und attraktives Angebot für alle Generationen sicher.
- Begegnungsstätten an allen Standorten fördern das Miteinander und stärken das Gemeinschaftsgefühl.
Chancen und Herausforderungen
- In einer Zeit zunehmender Unsicherheit und immer schnelleren Wandels bietet der Glaube Halt und Zuversicht.
- Diese Chance wollen wir aktiv nutzen, um Menschen Orientierung und Unterstützung zu geben.
Wachstum und Entwicklung
- Wir verfolgen eine ambitionierte, aber realistische Wachstumsgeschichte.
- Durch innovative Angebote und gezielte Massnahmen möchten wir neue Mitglieder gewinnen und unsere Gemeinde nachhaltig stärken.
Attraktive Arbeitgeberin undneue Stellen
- Als attraktive Arbeitgeberin schaffen wir neue, interessante Stellen und fördern die persönliche sowie berufliche Entwicklung unserer Mitarbeitenden.
- Die klare Trennung von strategischen und operativen Aufgaben macht die Arbeit abwechslungsreicher und verantwortungsvoller.
Finanzen und Organisation
- Das ausgebaute Angebot ist finanzierbar.
- Ein moderat erhöhter Steuersatz in Wallisellen erscheint vermittelbar, da er die Grundlage für ein vielfältiges Angebot und eine stabile Organisation bildet.
- Stellvertretungen sorgen für eine bessere organisatorische Absicherung.
Zukunftsfähigkeit
- Eine fusionierte Gemeinde ist gut und rechtzeitig für die Zukunft aufgestellt.
- Wir sind handlungsfähig – auch im Falle von Veränderungen wie der Abschaffung der Unternehmenssteuer.
Beleuchtender Bericht unter: www.ref-kloten.ch
Kirchgemeindeversammlung Opfikon: Mittwoch, 4. Februar 2026, 19.30 Uhr,
im reformierten Kirchgemeindehaus, Oberhauserstrasse 71, 8152 Glattbrugg. Details unter https://www.ref-opfikon.ch/bericht/612