Kirchenfusion: Lokales bleibt lokal

Roger Suter

Die Kirchgemeinden Kloten, Opfikon und Wallisellen prüfen eine Fusion. An einem gemeinsamen Informationsabend in Wallisellen wurden sowohl Detail- als auch Grundsatzfragen beantwortet.

«Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet!», schrieb einst Friedrich Schiller im «Lied von der Glocke». Gemeint war damit die Ehe, welche ebendiese Kirchenglocke einläutet. Und genauso intensiv prüfen seit drei Jahren die drei reformierten Kirchgemeinden von Kloten, Opfikon und Wallisellen eine Fusion. Nach vielen Stunden in Workshops und Arbeitsgruppen informierten am Dienstagabend alle drei in Wallisellen über den Stand der Dinge. Am 2. und 4. Februar werden in Kloten und danach in Opfikon ausserordentliche Kirchgemeindeversammlungen stattfinden, welche den Zusammenschlussvertrag zuhanden der Urnenabstimmung verabschieden sollen. Wallisellen stimmt direkt an der Urne ab, zeitgleich mit den anderen am 14. Juni. Wichtig zu wissen: Falls eine Gemeinde Nein sagt, wollen die beiden anderen die Fusion trotzdem wie geplant per 1. Januar 2028 vollziehen.

Die Basis für eine Entscheidung

Der Dienstagabend diente dazu, sich noch einmal darüber auszutauschen, über Details zu informieren, letzte Fragen zu klären und Rückmeldungen zu erhalten, wie Brigitta Steinemann, Präsidentin der Opfiker Kirchenpflege, in ihrer Begrüssung sagte. Peter Gysel, der das Fu­sionsprojekt als Berater leitete, fand gute Gründe sowohl für als auch gegen eine Fusion. «Wir zeigen hier lediglich eine ­Basis für Ihren persönlichen Entscheid.»

Bei manchen sorgte dabei der Name der neuen «reformierten Kirchgemeinde an der Glatt» für Diskussionsstoff. Er ist das Resultat eines Wettbewerbs mit 44 Eingaben (wobei «Hardwald» und «Glattal» etwas schlechter abschnitten) und wurde sowohl von den Kirchenpflegen als auch von der zuständigen Arbeitsgruppe als der passendste empfunden. Vor allem bei einigen Mitgliedern in ­Kloten, das gut einen Kilometer vom ­namensgebenden Fluss entfernt liegt, ­findet er aber wenig Gefallen. Am Prozess Beteiligte führten dagegen an, dass der Fluss wie eine Verbindung quer durchs künftige Kirchgemeindegebiet führe.

Das Leitbild der neuen Kirche legt fest, dass man eine innovative «Beteiligungskirche» sein will, die alle Generationen zum Mitmachen animiert, dass sie lokal verankert bleibt und dass sie den Glauben leben und fördern soll – «sonst wäre es ja nur ein Verein», so Gysel.

Als «Kernleistungen» nennt er die ­Bereiche Bildung (unter anderem Unti und Konf, Themenabende), Begegnung (offene Kirche, Mittagessen, Ausflüge), ­Beratung (aufsuchende Seelsorge, Lebensübergänge) und Feiern (Gottesdienste, Musik, Kasualien).

Theologisch will man eine «liberale, offene und multikulturell orientierte Kirchgemeinde sein, die den christlichen Glauben praxisnah und alltagsbezogen lebt», die Integration und Vielfalt fördert und gesellschaftlichen Herausforderungen mit Offenheit und Wertschätzung für alle Generationen begegne. Die Bibel soll  Zentrum und Symbol für ein reichhal­tiges und vielfältiges Angebot an allen drei Standorten sein, das dort nach Bedarf wachsen kann und soll.

Fusion ist keine Sparübung

«Es soll ein Ausbau, keine Sparübung sein», betonte Gysel. Bewährtes werde beibehalten, zudem denke man über neue, bedürfnisgerechte Angebote für bestimmte Zielgruppen nach – wie sie in Kloten mit Bogenschiessen für Jugendliche, der Jurte und dem «Freiraum» auf dem Kirchengelände oder einem Rockkonzert schon erfolgreich eingeführt wurden und noch werden. «Wir wollen offen sein für die Anliegen der Leute», umschreibt Peter Reinhard, Präsident der Kirchgemeinde Kloten, sein Credo. Dabei ist auch ein ­bedarfsgerechter Ausbau um 11 auf 32 Vollzeitstellen vorgesehen, um dieses Mehrangebot zu stemmen, aber auch um ­bestehende Lücken wie bei der Seniorenarbeit in Opfikon zu füllen. Und es sei ein Trugschluss, zu glauben, bei weniger ­Mitgliedern automatisch weniger zu machen, fand Reinhard. Und er sagte:  «Vielmehr sollte das Gegenteil der Fall sein.»

Spareffekte ergäben sich nur am Rande aus gebündelten Ressourcen und so gesteigerter Effizienz sowie besseren Konditionen bei Anschaffungen. Wichtiger seien die Professionalisierung bestimmter Aufgaben (etwa, dass die Stadt Wallisellen die Verwaltung auch der neu hinzugekommenen Immobilien übernimmt), attraktivere Arbeitsbedingungen, mehr und geteiltes Fachwissen sowie vereinfachte Stellvertretungen.

Eine Arbeitsgruppe habe akribisch ausgerechnet, dass dieses ausgebaute ­Angebot mit einem Kirchensteuerfuss von 8 Prozent (Wallisellen heute 7, Opfikon 8 und Kloten 9 Prozent) bis mindestens 2030 auch finanziell zu stemmen wäre – die ausserordentlichen Steuer­erträge von Firmen, wie sie in den letzten Jahren zuflossen, gar nicht berücksichtigt. Falls aber dereinst diese Kirchensteuer für juristische Personen wegfallen sollte (Stichwort: Trennung von Kirche und Staat), stünden alle Kirchen im ­Kanton vor einer komplett anderen Si­tuation – Fusion hin oder her, sagte Reinhard.

Mit drei Kirchgemeindehäusern verfüge man für die vielen Aktivitäten über genügend Räume, die man zudem intensiver nutze könne, führte Reinhard aus – etwa als Co-Working-Space oder auch Mietobjekt. Und: Mitarbeitende sollen flexibel an allen Standorten einsetzbar sein.

Kipf vor allem strategisch tätig

Organisatorisch soll ein Geschäftsleitungsmodell eingeführt werden, in dem sich die Kirchenpflege (kurz Kipf) um strategische und die Geschäftsleitung um operative, also alltägliche Fragen kümmert. Diese Geschäftsleitung würde von der Kipf bestimmt und aus einem Kirchgemeindeschreiber und zwei Teamleitern (etwa Diakon und Pfarrperson) zusammengesetzt. Weiterhin bestehen bleiben der Pfarrkonvent und der Gemeindekonvent sowie die vergrösserte Kirchgemeindeversammlung samt Rechnungsprüfungskommission als höchstem Organ.

Die Verwaltung erfolge nur zentral, wo es Sinn hat (Mitglieder, Personal, Liegenschaften, Finanzen, IT). «Gerade Cybersicherheit und Datenschutz sind komplexe Aufgaben, die wir besser gemeinsam ­lösen», fand Reinhard. Schalterdienst, ­Kontaktstellen, Unterstützung und der­gleichen erfolgen weiterhin dezentral.

Nicht zu vergessen sei aber, dass die Annäherung – allenfalls auch auf unterschiedlichen Wegen – Zeit brauche. Berater Gysel rechnet dafür mit rund vier Jahren.

Informationen: www.ref-kloten.ch/ueber-uns/publikationen/pruefung-fusion