Implenia baut Doppelspur nach Winterthur

Roger Suter und Markus Lorbe

Implenia erhält einen grossen Auftrag für die neue Doppelspurlinie zwischen Zürich und Winterthur. Von den knapp 1,7 Milliarden Franken entfallen rund 830 Millionen auf die Arbeitsgemeinschaft mit Marti.

«Abräumen» hiesse es, wenn die Vergabe von Baulosen ein Sportanlass wäre: Zusammen mit dem Bauunternehmen Marti hat Implenia für fünf von sechs Hauptlosen des Projekts «Mehrspur Zürich–Winterthur» den Zuschlag erhalten. Mit dem Vorhaben planen der Bund und die SBB grössere Bahnkapazitäten auf dieser Strecke und ebenso den Ausbau der Bahnhöfe Dietlikon, Bassersdorf, Walli­sellen und Winterthur-Töss. Das Auftragsvolumen ist eindrücklich: Knapp 1,7 Milliarden Franken, wovon gemäss Medienmitteilung rund 830 Millionen Franken auf Implenia entfallen. Die Bauzeit des Projekts soll rund zehn Jahre betragen.

Die Zuschläge für die fünf Lose seien gestaffelt innerhalb der letzten Monate erfolgt, teilt das Bauunternehmen mit Sitz im Opfiker Glattpark mit. Die Arbeitsgemeinschaft wird deshalb unter anderem den Brüttenertunnel und in Wallisellen eine neue Überwerfung bauen – eine eingleisige, 580 Meter lange Brücke über das bestehende Gleis von und nach Zürich-Oerlikon. Damit können die Züge von Wallisellen nach Oerlikon verkehren, ohne den Gegenverkehr durch Kreuzen zu behindern. Die Brücke beginnt bei der Glattalbahn-Haltestelle Belair und endet vor der Autobahnbrücke.

Am Bahnhof Wallisellen werden die Mittelperrons verbreitert sowie die Zugänge zu den Perrons angepasst und mit Liften erschlossen. Geplant sind ausserdem Verbreiterungen der Katzenunterführung (Personenunterführung Ost) mit neuem Zugang zum Bahnhofplatz sowie der Unterführungen Oberwiesenstrasse. Streckenweise parallel zu den Gleisen wird zudem eine neue Velo­schnellroute geplant, die von Oerlikon über Wallisellen und Dübendorf nach Dietlikon und Wangen-Brüttisellen führen soll. Sie soll das Pendeln mit dem E-Bike sogar aus dem Oberland attraktiv machen.

Baustart noch offen

Bezüglich Baustart halten sich die SBB noch bedeckt. Zurzeit laufe für das Projekt das Bewilligungsverfahren, gibt Reto Schärli, Mediensprecher der SBB, auf Anfrage Auskunft. «Wenn die Bewilligung für das Projekt ‹MehrSpur Zürich–Winterthur› vorliegt, werden die SBB darüber informieren. Wann das sein wird, können wir heute nicht sagen.» Nach Vorliegen der Bewilligung würden die SBB mit den beauftragten Unternehmungen das definitive Bauprogramm festlegen und ebenfalls darüber informieren, so Schärli.

Kernstück zur Behebung dieses Engpasses ist aber der rund 8,3 Kilometer lange Brüttenertunnel zwischen Dietlikon und Winterthur, der Effretikon umfährt und auch eine etwa 1 Kilometer lange Abzweigung zum Flughafen umfasst. Für diesen unterirdischen Doppelspurausbau wird für beide Fahrtrichtungen je ein Einspurtunnel mit einem Durchmesser von 10 Metern erstellt.

Gebohrt wird im Wesentlichen mittels Tunnelbohrmaschine, die 2029 anlaufen soll. Neben den eigentlichen Tunnelbohr­arbeiten umfasst das Bauprojekt auch umfangreiche Spezialtiefbau- sowie die Ingenieurbauarbeiten.

Neuer Bahnhof für Dietlikon

Der Bahnhof Dietlikon wird auf 3 Kilometern Länge komplett neu gebaut. Er erhält ein viertes Gleis, breite Zugänge zu den Perrons, Ladenflächen, Billettautomaten sowie Parkplätze für Velos, Autos und Carsharing. Die bestehenden zwei Gleise werden zur Seite verschoben, damit es dazwischen Platz für die zwei zusätzlichen Gleise in den Brüttenertunnel gibt, die nach rund 500 Metern dorthin abtauchen. Ein weiterer, rund 300 Meter langer Dietlikontunnel vermeidet schliesslich das Kreuzen der Züge Richtung Wallisellen und Stettbach. Erwähnenswert: Ursprünglich war an dieser Stelle auch eine Überwerfung vorgesehen.

Weitere Ausbauten sind zwischen dem Winterthurer Tunnelportal bis kurz vor die Perronanlagen des Bahnhofs Winterthur geplant.  Auch der Bahnhof Winterthur-Töss  wird umgebaut.