Gedankensplitter: Vom Anfang des Jahres
Das Wort «anfangen» hat es in sich. Das wird einem erst bewusst, wenn man es zerlegt.
Die Präposition «an» deutet darauf hin, dass man sich etwas nähert. Beispielsweise: Ich gehe an einen bestimmten Ort. Und «fangen» kennen wir als fassen, greifen, anpacken. Wenn wir also ein neues Jahr anfangen, dann bewegen wir uns nicht nur auf diesen Zeitabschnitt, also diese zwölf Monate zu, wir packen auch zu, wir fangen sie, wenn wir anfangen. Das drückt zum einen Aktivität und Dynamik aus, die ich brauche, um etwas zu fangen. Es lässt aber auch offen, ob sich das Objekt fangen lässt. Die bekannte Ungewissheit, die der Zukunft immer anhaftet.
«Es soll Leute geben, die ihre Vorsätze im Laufe eines Jahres tatsächlich verwirklichen. Ich gehöre nicht dazu.»
Diese Ungewissheit bewegt uns, mit dem Jahresanfang gute Wünsche zu verbinden. Wir Alten wünschen uns besonders Gesundheit. Und wenn jemand noch im Berufsleben steht, wünscht man ihm Erfolg. Nur müssen wir uns eingestehen, dass wir mit unseren guten Wünschen die Welt nicht verbessern. Wir drücken aber den uns Nahestehenden unser Wohlwollen aus. Und das ist immerhin etwas, was ich gern beibehalte.
Die aktive Seite, die mit dem Anfangen verbunden ist, verleitet uns gern, neue Vorsätze zu fassen. Es soll Leute geben, die ihre Vorsätze im Laufe eines Jahres tatsächlich verwirklichen. Ich gehöre nicht dazu. Seitdem ich das eingesehen habe, fasse ich keine Vorsätze mehr und gehe viel unbeschwerter ins Neue Jahr hinein.
Aber eine Herausforderung ist so ein neues Jahr schon. Das fängt bereits beim Schreiben der Jahreszahl an. Da muss ich mich aktiv auf die neue Zahl konzentrieren, und wenn es nicht gelingt, muss ich verbessern. Aber, wenn das mein einziges Problem bleibt, kann ich zufrieden auf das vergangene Jahr zurückblicken und das nächste zuversichtlich anfangen.