Gedankensplitter: Jahresausklang

Friedjung Jüttner

Man könnte auch vom Jahresende reden. Aber mir gefällt das Wort Jahresausklang viel besser. Da schwingt etwas Leichtes, Unbeschwertes und Angenehmes mit, wenn ich das Wort lese oder gar höre.

Wenn ich ehrlich bin, trifft diese Unbeschwertheit für mich leider nicht unbedingt auf das vergangene Jahr zu. Da gab es gesundheitliche Probleme und vor allem, was sich da auf der Weltbühne abspielte, machte mir zeitweise richtig Angst.

Dass da Kriege toben, ist eines. Dass aber die Demokratien auf dem  Prüfstand gestellt werden, weil ein paar eigenwillige Potentaten rücksichtslos ihre Interessen durchzusetzen versuchen, ist ein anderes. Der Schaden, den Kriege und Machthaber im letzten Jahr angerichtet haben, ist unermesslich.

 

«Ich gerate jetzt in die Versuchung, über die Hoffnung auf bessere Zeiten zu schreiben.»

Friedjung Jüttner, Dr. phil., Psychotherapeut

 

Ein Jahresausklang, der mehr an ein Requiem als an ein Exsultet an Ostern erinnert.

Ich gerate jetzt in die Versuchung, über die Hoffnung auf bessere Zeiten zu schreiben. Das mache ich absichtlich nicht. Nicht deshalb, weil ich nicht wünsche, was die Hoffnung erhofft, sondern weil ich vom Erhofften unabhängig bleiben möchte. Mein bevorzugtes Wort heisst nicht Hoffnung, sondern Zuversicht. Hoffnung wird erfüllt oder enttäuscht. Zuversicht wappnet mich, mit dem, was auch immer eintritt, egal, ob Erfüllung oder Enttäuschung, gut umgehen zu können. In dem Sinn ist Zuversicht der Hoffnung überlegen.

Egal, ob Sie lieber auf Hoffnung oder Zuversicht setzen, auch dieses erst begonnene Jahr wird ausklingen. Sie können jetzt denken: Hoffentlich klingt es gut aus. Oder, dank Ihrer Zuversicht, schauen Sie am Ende des Jahres zurück und sagen sich: Gut gemacht! Trotz allem.