Ein plitschnasser Kinospass
Auch Kinder haben Rechte. Und die nutzen Kids aus Rotwil, um gegen die Schliessung ihrer Badi zu kämpfen. Der Familienfilm «Plitsch Platsch Forever!» von Regisseurin Natascha Beller wird derzeit im Klotener Kino Claudia gezeigt.
Die Badi Plitsch Platsch wird geschlossen, weil die Gemeinde Rotwil keine Mittel hat, um die defekte Filteranlage zu sanieren. Für die elfjährige Pola ist das eine Katastrophe, ist die Badi für sie und ihre beste Freundin Polly über die Jahre doch zu einer zweiten Heimat geworden. Das Schlimmste daran ist, dass Pollys Eltern, die in der Badi einen Imbiss betreiben, nun ihre Arbeit verlieren und wegziehen. Pola will nicht akzeptieren, dass sie ihre beste Freundin verliert, und sucht nach einer Lösung, um Polly zurückzuholen.
Ein geschickter Plan
Mit Hilfe ihrer klugen Klassenkameradin Rosalie entwickelt sie einen Rettungsplan. Das Duo wendet sich an die Stadtpräsidentin, gewinnt sie für ihr Anliegen, aus der Badi ein Naturbad zu machen, und startet dazu eine Petition. Doch werden die Kinder es schaffen, rechtzeitig genügend Unterschriften zu sammeln? Die Uhr tickt und Pola muss einsehen, dass sie es alleine nicht schafft. Sie springt über ihren Schatten und bittet ihre ungeliebten Mitschülerinnen und Mitschüler um Hilfe. Langsam freundet sie sich sogar mit ihnen an, doch als ihr bewusst wird, dass sie auch bei einem Erfolg Polly nicht wieder zurückbekommt, lässt sie alles sausen, und das Rettungsprojekt droht zu scheitern.
Als es fast zu spät ist, begreift Pola, dass man nicht nur für sich, sondern auch für andere kämpfen muss. In letzter Minute gelingt die spektakuläre Rettungsaktion, und die Badi Plitsch Platsch feiert als Öko-Bad seine Wiedereröffnung. Durch den langen, schmerzlichen Prozess hat Polly gelernt, dass man auch loslassen und Neuem gegenüber offen sein muss. Es gelingt ihr, sich in die Gruppe zu integrieren, und sie gewinnt in Rosalie eine neue Freundin.
Ein bisschen Politik inklusive
Der Schweizer Familienfilm «Plitsch Platsch Forever!» von Regisseurin Natascha Beller kam Mitte April in die Kinos. Das Drehbuch stammt von der Baslerin Sabina Gröner. «Sie lebt heute in Deutschland», sagt Natascha Beller. «Auf die Idee zu der Geschichte kam sie, weil es an ihrem Wohnort keine Badis gibt und sie diese extrem vermisst. Als ich die erste Fassung des Drehbuchs gelesen hatte, erinnerte ich mich an meine eigene Kindheit. Ich war so oft wie möglich in der Badi. Und die beste Freundin durch Wegzug zu verlieren, war auch für mich eine schmerzliche Erfahrung. Was die Regie betrifft, sah ich in dem Drehbuch viele Möglichkeiten für visuelle Spielereien. Und das ist etwas, was mir gefällt.»
Im Film geht es um einen Reifeprozess, den Pola durchmacht. «Sie muss lernen, dass man sich für neue Freundschaften öffnen und auch zugeben können muss, dass man etwas falsch gemacht hat. Das ist ja bekanntlich nicht so einfach, weder für Kinder noch für Erwachsene», fügt sie lächelnd hinzu.
Der Film «Plitsch Platsch Forever!» bietet den jungen Zuschauerinnen und Zuschauern nicht nur farbenfrohen Kinospass, sondern bringt ihnen auch die Begriffe Demokratie, Lokalpolitik und Kinderrechte näher. «Ich fand es toll an dem Drehbuch, dass es den Kindern zeigt, dass man in der Schweiz dank der direkten Demokratie etwas bewirken kann und dass man auch nicht volljährig sein muss, um eine Initiative zu lancieren. Ich war schon öfters an Schulen, an denen der Film gezeigt wurde, und ich habe festgestellt, dass die Kinder diese Begriffe nicht kennen. Ich finde es cool, dass Kinder durch einen Film etwas lernen können. Alva Maurer, die im Film die Rosalie spielt, hat jetzt mit ihrer Klasse in ihrer Wohngemeinde auch eine Initiative gestartet!»
Topmotivierte Kinder
Die Zusammenarbeit mit den Kindern hat der Schweizer Regisseurin viel Spass gemacht. «Das Casting war zwar sehr anstrengend. 500 Kinder haben teilgenommen, die erste Runde hat aber online stattgefunden. Die Kinder waren topmotiviert. Von den Mädchen wollten zwar viele die Hauptrolle, aber sie haben sich dann doch auch für die Nebenrollen voll eingesetzt. Es waren alles Laiendarstellerinnen und -darsteller. Es war wichtig für mich, dass ihnen dieses Abenteuer als schönes Erlebnis in Erinnerung bleibt.»
Die Dreharbeiten fanden im vergangenen Jahr während der Sommerferien vorwiegend in und um Zürich statt. Die Badi Plitsch Platsch in der fiktiven Gemeinde Rotwil befindet sich im Freibad Geren in Birmensdorf.
Die 44-jährige Natascha Beller hat an der Zürcher Hochschule der Künste und in New York studiert und sich als Drehbuchautorin und Regisseurin über die Schweizer Grenzen hinweg einen Namen gemacht. 2019 brachte sie ihren ersten Kinofilm «Die fruchtbaren Jahre sind vorbei» auf die Leinwand. Für die TV-Krimiparodie «Advent, Advent» zeichnete sie für Drehbuch und Regie verantwortlich und wirkte auch als Autorin und Regisseurin der Late-Night-Show «Deville». Auch ist sie Co-Autorin des Viral-Hits «America First, Switzerland Second».
Filmvorführung im Kino Claudia
Heute Mittwoch, 15. Juli, um 17.30 Uhr ist «Plitsch Platsch Forever!» im Klotener Kino Claudia zu sehen. Natascha Beller wird anwesend sein und für Fragen und Gespräche des jungen Publikums zur Verfügung stehen. «Der Film passt thematisch hervorragend zum aktuellen Wetter, aber leider nicht zum Kino», sagt Natascha Beller. Der Drang, bei diesen Temperaturen selber in die Badi zu gehen, sei grösser als die Lust auf einen Kinobesuch. Aber nichtsdestotrotz lohnt es sich für die ganze Familie, diesen ganz besonderen Kinospass zu sehen.
Mehr Informationen unter: www.plitschplatschforever.com