Die Berufswerkstatt wird 20

Roger Suter

Die Opfiker Berufswerkstatt ist vom Erfolg her einmalig und wurde auch deshalb vergangene Woche zum 20. Mal durchgeführt. An einem Tag gleich fünf Berufe kennenlernen – das gibt es nur an der «Bewe».

Das Konzept scheint einfach: Firmen, die Lehrstellen bieten, richten sich an einem Freitag im Frühling im Oberstufenschulhaus Halden ein und zeigen die Berufe, welche sie anbieten. Die Schülerinnen und Schüler besuchen die Posten im Laufe des Tages und lernen so diverse Ausbildungsmöglichkeiten kennen.

Und dafür lassen sich die Firmen einiges einfallen: Richtig Haare schneiden an Modellköpfen, eine Person mit einer Sehbehinderung (beziehungsweise einer Brille, die das simuliert) mit dem Hebelift aus dem Rollstuhl hieven, eine Wand im Schulhaus neu streichen, eine Mauer errichten – «Es ist wichtig, dass die Jugendlichen ins Handeln kommen», betont Dominik Escher, Werklehrer und Hauptverantwortlicher an der 20. Berufswerkstatt am vergangenen Freitag. Dadurch können die engagierten Betriebe Jugendliche fürs eigene Metier begeistern, ihnen ein Ziel geben, auf das hinzuarbeiten sich lohnt.

18 grosse und kleine Firmen sind es diesmal, die über 30 Berufe vorstellen: Vom örtlichen Malergeschäft Pante bis zur Grossbank UBS, von der Coiffeurkette Coiffina bis zur weltweit tätigen Implenia, von der Automatikerin über den Medientechnologen bis zum Zimmermann. Neu dabei sind die Netzelektriker der  Energie Opfikon AG: Hier schneiden die Schülerinnen und Schüler die Isolation dicker Kabel auf, um die Drähte darin mit anderen verbinden zu können – Millimeterarbeit.

Im Untergeschoss des Singsaales hat sich das Malergeschäft Pante eingerichtet. Laura Pante  steht heute als Malerin in Zweitausbildung hier zwischen Leitern, Farbkübeln und Abdeckmaterial. «Vor 13 Jahren habe ich als Schülerin die Bewe besucht», erinnert sie sich. Nun zeigt die 25-Jährige den Jugendlichen selbst die Handhabung von Pinsel, Rolle und Abdeckband.

Lernen von fast Gleichaltrigen

Drüben im neuen Schultrakt erfahren die Jugendlichen von Lernenden der UBS, die nur wenig älter sind, was es für eine kaufmännische oder IT-Lehre bei der Grossbank braucht. Senior System Engineer Maja Mihailović hält sich dabei im Hintergrund: «Die Lektion und die Präsentation haben die Lernenden selbst erarbeitet und halten sie auch», betont sie.

Das ist einer der Erfolgsfaktoren der Bewe: Von nahezu Gleichaltrigen erfahren die Schülerinnen und Schüler aus erster Hand, welches die Arbeiten und Voraussetzungen in einem Beruf sind. Manchmal platzen dabei Träume, dafür können auch neue Perspektiven entstehen: «Neben den vier Wunschberufen teilen wir immer auch einen zu, der nicht auf ihrer Liste steht», sagt Dominik Escher. «Sozusagen als Perspektivenöffner. So entdecken die Jugendlichen plötzlich Interesse an anderen Dingen.»

Schreinermeister Rolf Funk, der den Betrieb an der Industriestrasse in zweiter Generation führt, ist seit Anbeginn dabei  – auch, weil er die Vorteile einer Lehre vor Ort betonen möchte. «Auch das Kurszentrum der Schreiner steht in Opfikon, gleich an der Walliseller Stadtgrenze.»

Grafiker Thomas Knöri ist seit der zweiten Austragung dabei. «Ciri Pante und Urs Spengeler haben die BeWe damals im Rahmen einer Gewerbeausstellung entwickelt», erzählt der selbstständige Gestalter. «Schön, dass sie sich immer noch hält.»

Die 20. Austragung wurde denn auch ein bisschen gefeiert: mit einer entsprechenden Torte nach dem Mittagessen. Denn auch dieses gehört zum Konzept dazu: Ausbilder und Lehrpersonen sitzen am gleichen Tisch und tauschen sich aus. «Ausbildung ist immer auch Zusammenarbeit», weiss Dominik Escher.