Bänz Friedli über sich und die Welt
«Bänz Friedli räumt auf» heisst das sechste Soloprogramm des Berner Kabarettisten und Dialektakrobaten, welches das Kleintheater Mettlen im Singsaal des Schulhauses Lättenwiesen präsentierte. Und er stach in manches Wespennest.
Die zahlreich erschienenen Zuschauerinnen und Zuschauer hatten gleich zu Beginn der Vorstellung einiges einzustecken. Denn Opfikon gibt es nicht. «Einen möblierten Aussenbezirk von Kloten» nannte Bänz Friedli die Stadt – was den im Publikum sitzenden Klotener Stadtpräsidenten René Huber gefreut haben mag. Aber immerhin hat Opfikon eine Seele. Es hatte noch Visionen und hat eine Stadtentwicklung gemacht, als Zürichs Vorsteherin des Hochbaudepartements verkündete, Zürich sei jetzt fertig gebaut.
Politik und Privates
Seit Januar 2025 präsentiert Bänz Friedli sein sechstes Soloprogramm «Bänz Friedli räumt auf» in meist ausverkauften Sälen. Dabei baut er stets den Spielort und aktuelle Ereignisse mit ein, blickt in die Vergangenheit, auch seine eigene, und in die Zukunft. Mit bissigem Witz kommen politische Aktualitäten zur Sprache, zum Beispiel «der Orange» mit der Air Force One, der Weltmeister im Fliegen ist, auf Erdöl setzt und immer noch an fossile Brennstoffe glaubt. «Der grosse Friedensstifter, der Venezuela angreift, aber in 16 Ländern Frieden gestiftet hat, wird mit Pauken und Trompeten empfangen. Er bekommt Medikamente günstiger und liefert dafür Rindfleisch mit Antibiotika.»
Die tragischen Ereignisse von Crans-Montana hätten beinahe zur Absage der Vorstellung geführt, aber gemeinsam mit dem Künstler habe man beschlossen, sie dennoch durchzuführen, um den Menschen für kurze Zeit ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, sagt Kathrin Balimann, Leiterin des Kleintheaters Mettlen. Bänz Friedli ging entsprechend nur kurz auf das Drama ein: «Man verspürt eine kollektive Trauer, aber auch Wut. Die Hälfte der Opfer hätte nicht anwesend sein dürfen.»
Bänz, der Fussballfan
In sein Programm baut Bänz Friedli auch viel Privates ein. Er ist in Bern geboren und aufgewachsen, lebte anschliessend in Zürich und heute in Basel, «weil die Chemie stimmt». Er ist ein Dialekt- und Sprachakrobat, der die Leute, über die er spricht, perfekt nachmachen kann. Wie ein roter Faden zieht sich der Fussball durch sein Programm, und entsprechend hat er zahlreiche T-Shirts von bekannten Spielern mitgebracht, die in ihm Erinnerungen wecken. Als junger Mann habe er als Korrespondent gearbeitet und Berichte über Fussballspiele geschrieben. «Und in jeden Bericht habe ich ein Zitat von Hölderlin eingebaut.» Eine wichtige Rolle in seinem Leben hat sein «Grossmueti» gespielt, eine Frau mit harter Schale und weichem Kern. Ihr «stäcketöri», wenn ihr etwas missfiel, bekam das Publikum immer wieder zu hören und quittierte es mit Lachen.
Bänz Friedli arbeitet gerne mit der Sprache und hinterfragt Sprichwörter, zum Beispiel «ein Wolf im Schafspelz», «eine Leiche im Keller», «ein Buch mit sieben Siegeln» oder «Auge um Auge, Zahn um Zahn». Letzteres führe heutzutage zum Völkermord, indem dank KI Terror-Sympathisanten aufgespürt und umgebracht würden.
Wenig Hoffnung – oder doch?
Fast scheint es, als verzweifle Bänz Friedli an der heutigen Welt. «Noch nie gab es so wenig Anlass zur Hoffnung. Nach dem Virus dachte ich, die Welt würde jetzt besser, denn man hatte genug Zeit zum Nachdenken.» Doch weit gefehlt: Wieso haben die Kakaobauern dieser Welt noch nie Schokolade gegessen, und wieso heisst das Internet «World Wide Web», wenn doch ein Grossteil der Welt keinen Zugang dazu hat? Wieso haben Frauen rosa Rasierklingen und Männer schwarze? Und wieso sind die Coiffeurtarife für Männer und Frauen so unterschiedlich? Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. «Hoffen ist ein Tätigkeitswort und das bedeutet, dass man etwas tun muss», sagt Friedli.
Natürlich bekommt auch die Weltpolitik ihren Rahmen. Um im Kleinen zu beginnen: «Fehr hat ihren Rücktritt erklärt, jetzt muss nur noch der andere Fehr folgen. Aber eine Person aus Kloten steht ja bereits in den Startlöchern.» Spannend werde es in Zürich – bleibt es links oder wird es noch linker? Aber Opfikon interessiere das keinen Deut. «Nehmt ihr an den Wahlen teil?», fragt er das Publikum.
Die Schweiz ist ein Volk von Mieterinnen und Mietern, die bei den Abstimmungen den Vermietern und von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die den Arbeitgebern Recht geben. Die Erbschaftssteuer wird abgelehnt, obwohl in der Schweiz nur 1 bis 12 Prozent anfallen, während es im Ausland bis 55 Prozent sind. «Vor dem Herrgott sind alle gleich, aber das Sterben ist bei uns kantonal geregelt.»
Dass dem Satiriker die deutsche AfD mit ihrer Remigrationspolitik ein Dorn im Auge ist, versteht sich von selbst. Und auch die SVP bekommt ihr Fett weg. «Heute muss alles nachhaltig sein. Die Nachhaltigkeitsinitiative der SVP ist nichts anderes als nachhaltige Fremdenfeindlichkeit.»
Zwei Stunden lang hat Bänz Friedli – der Name Bänz bedeute im Berndeutschen übrigens Schaf oder fettes Tier – das Publikum mit vielen Themen und Anregungen zum Nachdenken bestens unterhalten.
Das Kleintheater Mettlen, das seit 55 Jahren besteht, lädt sein treues Publikum am 6. Februar zu einer Vorstellung von Müslüm ein und am 6. März ist die Schauspielerin und Komikerin Bettina Dieterle zu Gast. Die Vorstellungen finden weiterhin im Exil im Singsaal des Schulhauses Lättenwiesen statt.