Auf in den Wald – zur Therapie!
Nach dem grossen Erfolg von «Nöd ganz 100» im vergangenen Frühling plant die Opfiker Laienbühne Dingulari ein neues Stück. Die Proben beginnen im Herbst. Wer sich fürs Theater interessiert, ist zum Mitmachen eingeladen.
Theater hat in Opfikon seit den 1990er-Jahren Tradition. Nach erfolgreichen eigenen Stücken und einer Pause durch den Tod des langjährigen Regisseurs Werner Gröner belebten theaterbegeisterte Opfikerinnen diesen Kulturzweig neu: 2014 mit «Restaurant Terminus» von Regisseurin Delia Dahinden, 2018 mit der Open-Air-Aufführung «Ara Camp 8152» von Judy Cahannes Begni unter Regie von Fabienne Pfyffer und 2025 mit «Nöd ganz 100» von Winnie Abel unter der Regie von Peter Locher.
Bereits seit 2017 ist die ehemals lose Theatergruppe wieder ein Verein – allerdings ein ganz kleiner: «Es sind nur vier Personen», so Markus Knörr, der letztes Jahr den soziophoben «Willi» spielte und an der GV im Januar das Präsidium von Judith Cahannes Begni übernommen hat. Weitere Mitglieder hat der Verein nicht, das Theater wird als Projekt aufgezogen. Das sei eine bewusste Entscheidung, sagt Markus Knörr – auch, um die Schwelle tief zu halten.
Als Vereinsaktuarin amtet Nadine Walker (die liebestolle «Charlotte» aus «Nöd ganz 100»). Nach wie vor im Vorstand ist die frühere Präsidentin Judy Cahannes Begni (Volksmusik-Fan «Marianne») als Kassierin; Ursi Zeller («Künstlerin Désirée») ergänzt den dreiköpfigen Vorstand dann zum vierköpfigen Kreativteam. «So sind wir zwei Ehemalige und zwei Neue, damit der Wissenstransfer funktioniert», erläutert Markus Knörr. «Wenn es passt, ist aber auch eine fünfte Person willkommen.»
Kombi aus «altem» und neuem Team
Es brauchte nicht viel Überzeugungsarbeit, die beiden gestandenen Opfiker Theaterfrauen im Team zu behalten. «Wir sind ein gutes Team mit einer tollen Dynamik», findet Markus Knörr. «Wir treffen die Entscheidungen gemeinsam – egal, wer Präsident ist.» Er war schon in der Produktion 2018 in der ehemaligen Kläranlage beim Glattpark dabei und ist ein Ur-Opfiker: Hier aufgewachsen, absolvierte er Schule und Lehre hier, spielte damals schon Theater, schrieb Stücke und inszenierte sie an der Schule.
Nadine Walker stiess bei der letzten Produktion zum Ensemble. Erste Theatererfahrungen sammelte die gebürtige Wetzikerin bereits mit 18 Jahren in Volketswil. «Ich habe dort Theater gespielt und fand das unglaublich bereichernd», erzählte sie dem «Stadt-Anzeiger». Beruf, Familie und die Pferde führten jedoch zu einer längeren Pause: Erst 15 Jahre später stand sie wieder auf der Bühne – in Embrach, nahe ihres Wohnortes Lufingen. Weitere 15 Jahre später meldete sich die langjährige Theaterleidenschaft erneut. Beim Tanzen erfuhr sie von der damaligen Dingulari-Aktuarin Yolanda Berner, dass in Opfikon, unweit ihres Arbeitsortes, wieder Theater gespielt wird. «Es war eine offene, engagierte Gruppe mit einer besonderen Dynamik», blickt Nadine Walker zurück. «Es hat einfach gepasst.»
Alle zwei Jahre Theater
Das Ziel dieser «coolen Truppe» ist es, alle zwei Jahre eine Produktion auf die Bühne zu bringen. «Theaterspielen soll in Opfikon wieder eine feste Grösse werden», findet Markus Knörr. Auch die nächste soll mit Regisseur Peter Locher realisiert werden, der schon bei «Nödganz 100» Regie geführt hat. «Die Chemie hat gestimmt, und er hat so viel aus uns Laien herausgeholt», begründet Markus Knörr das Engagement. «Wir freuen uns, dass er zugesagt hat.»
Für das kommende Stück haben die Mitglieder des Kreativteams und Regisseur Locher Vorschläge gemacht. Entschieden hat man sich dann für «Abefahre! – Stressfrei in fünf Tagen» von Livia Anne Richard, 2018 uraufgeführt. Darin geht es um ein Burn-out-Präventionsseminar im Wald, wo Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen versuchen, sich zu entspannen. Das Thema betrifft wohl alle und verspricht viel intelligente Komik – wie schon in der letzten Dingulari-Produktion.
Neuer Spielort
Details darüber erfährt man an einem Informationstag am 27. Juni: Dann treffen sich das Kreativteam und Regisseur mit allen, die Lust auf Theater haben und in irgend einer Weise mitwirken möchten. Am Morgen stellt man das Stück und den Probenplan vor, am Nachmittag gibt es erste spielerische Elemente, um herauszufinden, wem was am besten zusagt. Für diejenigen, die definitiv mitmachen möchten, starten die Leseproben dann im September. Zwischen Oktober und März wird dann zweimal pro Woche geprobt; ausserdem gibt es ein Probenwochenende. Es werde intensiv, aber: «Man wächst in seine Rolle hinein», weiss Markus Knörr auch von Profischauspielern.
Neben der Hälfte des Vorstandes und dem Stück ist auch der Spielort neu: Weil der Mettlen-Saal genauso wie das übrige Schulhaus derzeit renoviert wird, zügelt das Opfiker Theater für die kommende Saison ins reformierte Kirchgemeindehaus. «Bühne und Saal sind dort etwas kleiner, für 80 statt 120 Personen – inklusive Schauspieler», sagt Markus Knörr. «Dafür werden wir das Stück aber 9- statt 8-mal aufführen.»
Derzeit trifft sich das Team einmal im Monat, ist voller Euphorie am Vorbereiten und hofft auf Wohlwollen und Unterstützung aus Opfikon. Viele Details der Theatersaison seien noch offen, erzählt Markus Knörr. «Jede Produktion ist wieder anders. Wir werden Bewährtes beibehalten, Feintuning betreiben und auch neue Ideen umsetzen. Die erste Produktion eines neuen Teams ist immer ein Übergang.»
Informationstag am Samstag, 27. Juni: www.dingulari.ch