Zwischen Risiko, Recherche und Realität

Hanspeter Bänis Arbeit als Dokumentarfilmer hat den heute 70-Jährigen in der ganzen Welt herumgeführt. In einem Buch – und live in der Opfiker Stadtbibliothek –erzählt er davon, was hinter der Kamera alles passiert ist.

Selten hat ein Dokumentarfilmer des Schweizer Fernsehens mit seinen Geschichten so viel Aufmerksamkeit erregt wie Hanspeter Bäni. Mit seinen Reportagen entfachte er unter anderem die kontroverse Debatte um einen jugendlichen Straftäter, der unter dem Pseudonym «Carlos» landesweit bekannt wurde. Er dokumentierte das bewegende Schicksal der «Weissen Königin», die in Afrika einen Prinzen heiratete, und begleitete einen Betrüger hautnah von der Haft bis zu dessen Tod. Über eine Drehzeit von 20 Jahren realisierte er zudem einen Film über eine Bergbauernfamilie, die von schweren Schicksalsschlägen geprägt wurde.

In seinem Buch «Der Reporter – Geschichten jenseits der Dreharbeiten» öffnet Hanspeter Bäni den Blick hinter die Kulissen seiner Arbeit als Dokumentarfilmer. Er erzählt von den oft haarsträubenden und abenteuerlichen Erlebnissen, die sich während der Entstehung seiner Filme ereignet haben – von riskanten Drehs, unvorhersehbaren Wendungen und Begegnungen mit Menschen, die ihn tief berührt oder an Grenzen geführt haben. Es sind Geschichten aus einer Welt, in der journalistische Neugier, Mut und Menschlichkeit immer wieder auf die Realität prallen.

Oft war Bäni am Puls des politischen und wirtschaftlichen Weltgeschehens: Er berichtete 2000 während des Sturzes von Slobodan Milošević in Belgrad, dokumentierte 2001 den Staatsbankrott in Argentinien und filmte 2010 mitten in den Unruhen der Rothemden-Bewegung in Thailand. Er befand sich in den Konfliktgebieten Palästinas und entging im Libanon nur knapp einem israelischen Angriff.

Doch Bäni erzählt nicht nur von Krisen und Katastrophen. In seinem Buch reflektiert der mehrfach ausgezeichnete Autor auch persönliche Krisen und Selbstzweifel. Mitunter betrachtet er sein eigenes Schaffen mit kritischem Blick und erzählt Geschichten über Menschen, die er mit unerschütterlicher Nähe und Empathie porträtiert hat.

Auf die Idee, ein Buch zu schreiben, brachte ihn das Publikum seines Kinofilms «Ihr könnt jetzt gehen»: Seine Fragen entlockten dem Filmer immer wieder Anekdoten, die er dann in einem Rückblick auf sein bisheriges Schaffen zusammenfasste. «Gleichzeitig empfand ich es ein wenig seltsam, mich selbst und meine persönliche Geschichte in den Vordergrund zu stellen, da ich als Videojournalist gewohnt bin, hinter der Kamera zu agieren», so Bäni. «Deshalb wird dieses Buch eine einmalige Angelegenheit bleiben. In zukünftigen Projekten möchte ich lieber wieder andere Menschen in den Mittelpunkt stellen.»

Nach seiner Pensionierung hat Bäni eine kleine Filmproduktionsfirma gegründet und auch schon einige Ideen für Filmprojekte. «Zusätzlich arbeite ich noch als Lehrer an der Filmschule im Studio 1 in Wallisellen. Kurzum: Ich werde mich weiterhin mit Projekten beschäftigen – nebst Filmarbeiten auch mit Malerei oder womöglich mit dem Schreiben von Büchern.» (pd.)

Do, 19. März, 19.30 Uhr, Wallisellerstr. 85. Eintritt frei, Anmeldung. opfikon.ch/stadtbibliothek.ch