Zürcher Gemeinden sind leistungsstark, aber unter Druck
Die Zürcher Gemeinden erfüllen ihre Aufgaben insgesamt zuverlässig und auf hohem Niveau. Gleichzeitig stehen sie unter wachsendem Druck: strukturelle Veränderungen, Fachkräftemangel und gesellschaftliche Herausforderungen prägen den Alltag, wie einer Studie zu entnehmen ist.
Erarbeitet wurde sie vom Zentrum für Demokratie Aarau im Auftrag des Gemeindeamts des Kantons Zürich. Grundlage sind die Zürcher Ergebnisse der Nationalen Gemeindeschreiberbefragung 2023. An der Umfrage beteiligten sich knapp 90 Prozent der 160 Zürcher Gemeinden – ein im schweizweiten Vergleich hoher Wert.
Ein zentrales Ergebnis betrifft die politische Beteiligung. Diese liegt in den Zürcher Gemeinden deutlich unter dem Schweizer Durchschnitt. An Gemeindeversammlungen nehmen im Schnitt lediglich 3,4 Prozent der Stimmberechtigten teil – schweizweit sind es 7,5 Prozent. Auch bei kommunalen Wahlen fällt die Beteiligung tiefer aus als im Rest des Landes. Besonders gering ist sie bei Wahlen von Gemeindeparlamenten mit rund 20 Prozent, wie der Regierungsrat in seiner Mitteilung festhält. In Kloten lag sie vor vier Jahren bei knapp 22 Prozent. Gleichzeitig greifen Zürcher Gemeinden häufiger zu alternativen Beteiligungsformen wie Konsultationen. Mit zunehmender Gemeindegrösse werden zudem direktdemokratische Instrumente wie kommunale Initiativen öfter genutzt.
Mehr Frauen in den Exekutiven
Eine Zürcher Gemeindeexekutive zählt durchschnittlich 6,4 Mitglieder. Rund ein Drittel davon sind Frauen – mehr als im Schweizer Durchschnitt, aber weiterhin unter ihrem Bevölkerungsanteil. In den Gemeindeparlamenten liegt der Frauenanteil ebenfalls bei rund einem Drittel.
Auffällig ist der hohe Frauenanteil bei den Grünen (50 Prozent) und der SP (39 Prozent). Auch lokale Kleinparteien, die ausschliesslich vor Ort politisieren, weisen mit 48 Prozent einen hohen Frauenanteil auf.
Die Rekrutierung von Exekutivmitgliedern gestaltet sich vor allem in kleineren Gemeinden zunehmend schwierig. Zwei Drittel der Gemeinderätinnen und Gemeinderäte üben ihr Amt im Nebenamt aus. Mit wachsender Gemeindegrösse steigt der Professionalisierungsgrad – und damit auch die Entschädigung. Seit 2019 wurden in rund der Hälfte der Zürcher Gemeinden die Vergütungen erhöht.
Starke Rolle lokaler Parteien
Rund 40 Prozent der Exekutivmitglieder sind parteilos. Unter den nationalen Parteien sind die FDP (20 Prozent) und die SVP (14 Prozent) am stärksten vertreten. Lokale Parteien spielen weiterhin eine bedeutende Rolle: In rund vier von fünf Zürcher Gemeinden sind sie präsent – deutlich mehr als im übrigen Land.
Besonders verbreitet sind Ortsparteien bürgerlicher Parteien. Gleichzeitig konnten die Mitte und die GLP ihre lokale Verankerung in den vergangenen Jahren ausbauen.
Weiterhin ein Fachkräftemangel
Der Personalbestand der Zürcher Gemeinden ist in den vergangenen zehn Jahren stärker gewachsen als im Rest der Schweiz. Dennoch wird der Fachkräftemangel als gravierendes Problem wahrgenommen.
Besonders stark betroffen sehen sich die Gemeinden bei der Unterbringung von Asylsuchenden, bei der Digitalisierung, bei Integrationsfragen sowie beim generellen Fachkräftemangel. Je grösser die Gemeinde, desto stärker wird die Belastung eingeschätzt.
Zürcher Gemeinden sind im Schnitt grösser als Gemeinden in anderen Kantonen. Dadurch können sie viele Aufgaben eigenständig erfüllen. Bei komplexen Themen arbeiten sie jedoch häufig interkommunal zusammen oder ziehen private Anbieter und externe Beratungen bei. In einzelnen Bereichen stossen sie laut Studie zunehmend an Leistungsgrenzen – insbesondere bei der Unterbringung von Asylsuchenden, bei Baubewilligungen und bei der Digitalisierung. Trotz dieser Herausforderungen schätzen die Gemeinden die Zufriedenheit der Bevölkerung mit dem kommunalen Leistungsangebot als hoch ein.
Auch ihre Autonomie bewerten die Zürcher Gemeinden im Vergleich als überdurchschnittlich. Langfristig wird jedoch eine schleichende Abnahme der Handlungsspielräume wahrgenommen. Positiv beurteilt wird hingegen die Entwicklung der Zusammenarbeit mit dem Kanton.
Im interkantonalen Standortwettbewerb sehen sich die Zürcher Gemeinden gut positioniert. Ihre Standortattraktivität schätzen sie im Durchschnitt höher ein als Gemeinden in anderen Kantonen – nicht zuletzt dank der Nähe zum Wirtschaftsraum Zürich.
Zur Studie
Die Studie basiert im Wesentlichen auf der Nationalen Gemeindeschreiberbefragung 2023. Diese wurde vom IDHEAP (Universität Lausanne) und der School of Management and Law (ZHAW) durchgeführt. Sie findet seit 1988 alle vier bis sechs Jahre statt. Schweizweit lag die Teilnahmequote bei 83 Prozent. (dj.)