«Wir schaffen es nur zusammen»
Was läuft in dieser Welt nicht so, wie wir es gerne hätten? Mit dieser Frage setzt sich die Kabarettistin Bettina «Betty» Dieterle in «Apocalypso Blues» im Kleintheater Mettlen auseinander. Begleitet wird sie von der Pianistin und Sopranistin Ursula Oelke.
«Hochverehrtes Publikum, meine sehr verkehrten Damen und Herren, lieber Gast, liebe Gästin, liebes Gast» – so wird das Publikum von Betty Dieterle begrüsst. Und gleich auch noch gewarnt: «Diese Show ist politisch komplett unkorrekt und pädagogisch eine Katastrophe. Der Abend enthält sexistische Inhalte und hält sich nicht immer an die korrekte Gender-Sprache.» Eine besondere Warnung ging zudem an allenfalls anwesenden Anhänger der SVP und an chauvinistisch veranlagte Männer. Doch es ist nie zu spät zum Umdenken.
Reise durch die Weltgeschichte
Damit begann ein feministisch geprägter, bunter Abend, an dem sich Betty Dieterle anhand von frechen Texten, Liedern und Clownerien mit Geschichten aus der Bibel, Mythologien, Weltuntergangsszenarien, Politik und philosophischen Ideen auseinandersetzte. Im Zentrum standen patriarchalische Strukturen und die Frage nach der Stellung der Frau darin, stets mit einer Prise Humor kritisch beleuchtet. Wer hat sie auf den Posten verwiesen, auf dem sie seit Jahrtausenden stehen? Hat sie das Kinderkriegen in die Abhängigkeit gebracht? Die Vorfahren lebten noch egalitär, feministisch und antikapitalistisch und Migration gab es schon immer.
Sündenfall als Frauensache?
Doch ganz von Anfang an. Wie war das mit dem Sündenfall? Die Geschichte von Adam und Eva, die gemäss Bibel Äpfel vom verbotenen Baum naschten und dadurch aus dem Paradies vertrieben wurden, kann auch ganz anders gewesen sein. Begann da die Unterdrückung der Frau? Die nonbinäre Schlange, die massgeblich an dem Skandal beteiligt gewesen sein soll, erzählt die Geschichte ganz anders: Demnach hat Eva gar keine Äpfel gemocht und auf Geheiss von Adam gesündigt. Aus dem Paradies vertrieben wurden beide allemal.
Dennoch hatten die Frauen auch gute Zeiten – bei den alten Griechen wohnten auf dem Olymp nicht nur männliche Götter, sondern auch zahlreiche Göttinnen. Warum wohl war Xanthippe, Ehefrau des griechischen Philosophen Sokrates, eine streitsüchtige Frau? Vielleicht weil sie zu Hause sitzen und Kinder betreuen musste, während ihr Mann das Leben genoss? «Jesus war ein cooler Typ, ein Freak, ein Revolutionär», sagte Dieterle. Doch dann kam eine Räuberbande, genannt katholische Kirche, und nahm den Frauen die Selbstbestimmung. «Durch die Kirche wurde es für Frauen richtig eng.»
Mit viel Witz und Humor sinnierte sich Betty Dieterle durch die Weltgeschichte und thematisiert auch aktuelle, brennende Themen wie die aktuellen Kriege, die Klimaerwärmung und den politischen Rechtsrutsch in Europa. Alleine oder im Duett mit der Sopranistin Ursula Oelke sang sie Balladen mit lustvoll-frechen Texten oder jazzigen Einlagen. Eine apokalyptische Endzeitstimmung wie bei der Offenbarung des Johannes kam dennoch nicht auf. Humor und Hoffnung prägten das Programm ebenso wie scharfe Kritik. «Wir schaffen es nur zusammen.»
Saison ist zu Ende
Die Schauspielerin, Kabarettistin und Regisseurin Betty Dieterle ist seit Jahrzehnten in der Schweizer Kulturszene engagiert. Sie spielte in zahlreichen Produktionen unter anderem im Opernhaus und am Bernhard-Theater mit, gehörte der bekannten Kabarettgruppe Acapickels an und spielte in der Sitcom «Mannezimmer» eine Hauptrolle im Fernsehen. Sie bezeichnet sich selbst als «hoffnungslose Optimistin», was auch in ihrer dritten Kabarett-Produktion «Apocalypso Blues oder im Paradies war auch nicht alles perfekt» trotz scharfer Zunge zum Tragen kommt.
Mit dieser Vorstellung ging die aktuelle Saison des Kleintheaters Mettlen zu Ende. «Aber wir sind bereits intensiv mit der Planung für die nächste Saison beschäftigt», sagt Leiterin Kathrin Balimann. «Dazu schauen wir uns verschiedene Produktionen an, und mit einem Künstler sind wir im Gespräch.»
Ein Rückblick auf die Saison zeigt, dass die Vorstellungen in der Schule Lättenwiesen oft nicht ganz so gut besucht waren wie auf der Heimatbühne. «Ein Grund dafür dürften auch die Treppen sein, die für manche der älteren Gäste ein Problem darstellen könnten», mutmasst sie.