Wer im Amt ist, wird meist wiedergewählt
Es gibt ihn also doch – den Bisherigen-Bonus. Das bestätigt eine neue Auswertung des Amts für Statistik und Daten. Zudem zeigt die Analyse, dass Frauen in den Stadt- und Gemeinderäten immer noch weniger stark vertreten sind als Männer.
Im Zusammenhang mit den kommunalen Wahlen interessant ist eine kürzlich veröffentlichte Auswertung des Amts für Statistik und Daten Kanton Zürich. Besonders ein Analyseergebnis dürfte kaum jemanden überraschen: «Frauen und Männer sind in den verschiedenen kommunalen Behörden unterschiedlich vertreten», schreibt das Amt.
Frauen traut die Wählerschaft offensichtlich das Thema Bildung am ehesten zu: Während nämlich in den Schulbehörden Frauen mit 59 Prozent die Mehrheit der Gewählten stellen, sind sie in Gemeinderäten und Rechnungsprüfungskommissionen weniger stark vertreten. Dort ist laut der Mitteilung rund jede dritte beziehungsweise jede fünfte gewählte Person eine Frau. Insbesondere die Finanzen sind also auch 2026 noch eine Männerdomäne.
Ausnahmen bestätigen die Regel
Zudem zeigen die Daten, dass der berühmt-berüchtigte Bisherigen-Bonus tatsächlich existiert. Zwar gibt es immer mal wieder Bisherige, die überraschend die Wiederwahl nicht schaffen.
Bekannte Beispiele sind Philipp Maurer (Grüne), der nicht mehr in den Walliseller Stadtrat gewählt worden ist, sowie Christoph Fischbach (SP), der knapp die Wiederwahl in die Klotener Exekutive verpasst hat. Dies dürfte jedoch in diesen beiden Fällen mit einer grundsätzlichen Verschiebung der Kräfte hin zu einer bürgerlichen Mehrheit zusammenhängen und weniger mit der politischen Leistung.
Sonst gilt nämlich: Wer schon im Amt ist, wird meist wiedergewählt. Das hat sich auch wieder in Opfikon bestätigt, wo alle bisherigen Stadträtinnen und Stadträte klar die Wiederwahl geschafft haben. «Bisherige Gemeinderätinnen und -räte sind unter den Gewählten deutlich stärker vertreten als Neukandidierende», so die Statistikprofis. Betrachte man Frauen und Männer bei den Bisherigen und den Neukandidierenden separat, würden sich nur kleine Geschlechterunterschiede zeigen. Männer hätten etwas bessere Wahlchancen als Frauen, wenn sie neu kandidieren würden. Bei den Bisherigen gebe es jedoch keinen Unterschied. Die Ergebnisse würden nahelegen, dass der Bisherigen-Bonus für die Wahlchancen eine grössere Rolle spielen dürfte als das Geschlecht.
Ältere haben bessere Wahlchancen
Jüngere sind in Gemeindevorständen übrigens kaum vertreten. Die kommunalen Behörden bestehen laut dem Amt für Statistik und Daten vorwiegend aus Menschen zwischen 35 und 65 Jahren. Das Durchschnittsalter liegt demnach bei gut 51 Jahren. «Zwischen den verschiedenen Behörden gibt es nur geringe Unterschiede», heisst es im Artikel. Eine Ausnahme bilde das Präsidium des Gemeindevorstands: Hier liege das Durchschnittsalter bei 56 Jahren und damit etwas höher als bei den übrigen Behördenmitgliedern.
Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass unter 35-Jährige seltener für Stadträte oder Gemeinderäte kandidieren. Aber sie sind auch unter den Gewählten kaum vertreten: Sie machen 10 Prozent der Kandidierenden, aber nur 3 Prozent der Gewählten aus.
«Die Unterschiede zwischen Kandidierenden und Gewählten könnten darauf hindeuten, dass jüngere Personen geringere Wahlchancen haben», so das Amt für Statistik und Daten. Sie könnten aber ebenfalls mit anderen Faktoren zusammenhängen, etwa dem Bisherigen-Bonus: Amtierende Gemeinderätinnen und Gemeinderäte seien im Durchschnitt älter und würden möglicherweise häufiger wiedergewählt, weil sie bereits bekannt seien und über Erfahrung im Amt verfügen würden.
Zwar haben die Stimmberechtigten es selbst in der Hand, zu entscheiden, wer im Stadtrat, im Gemeinderat, in der Rechnungsprüfungskommission oder in der Schulpflege die Geschicke lenkt. Die Zahlen zeigen jedoch, dass die Lokalpolitik selten richtig umgekrempelt wird – wer bereits im Amt ist, hat weiterhin die besten Karten. Und beim Frauenanteil gibt es noch Luft nach oben.