Warum Frauen weniger verdienen

Frauen verdienen im Mittel weniger als Männer – bei einem vollen Pensum etwa 1000 Franken pro Monat. Nicht nur Kinder spielen dabei eine Rolle. Das kantonale Amt für Statistik und Daten hat jetzt untersucht, woran das liegt.

Frauen verdienen im Mittel weniger als Männer. Das gilt auch dann, wenn alle Löhne auf eine Vollzeitstelle umgerechnet werden. Diese sogenannte Standardisierung ist wichtig, weil Frauen häufiger Teilzeit arbeiten als Männer.

Im Kanton Zürich lag nach neusten Auswertungen des Amts für Statistik und Daten der standardisierte Medianlohn – der Bruttolohn bei einem Beschäftigungsgrad von 100 Prozent – der Männer im Jahr 2024 bei 7940 Franken pro Monat. Das bedeutet, dass die Hälfte der Männer mehr verdiente, die andere Hälfte weniger. Der standardisierte Medianlohn der Frauen lag hingegen bei 6970 Franken pro Monat und damit ganze 970 Franken tiefer als jener der Männer.

Gemessen am Medianlohn der Männer entsprechen 970 Franken einem Lohnunterschied von 12 Prozent. Zehn Jahre zuvor lag der Unterschied noch bei 16 Prozent. Er ist also rückläufig. Schaut man auf die ganze Schweiz, beträgt der Lohnunterschied 8 Prozent. Im Kanton Zürich ist er somit etwas grösser.

Erklärbare Lohnunterschiede

Nicht nur zwischen Frauen und Männern, sondern ganz generell gibt es grosse Unterschiede bei den Löhnen. Wie viel Lohn jemand erhält, hängt dabei von vielen Faktoren ab. Besonders wichtig sind die Ausbildung und die Position innerhalb des Unternehmens. Je länger die Ausbildung und je höher die Position, desto grösser ist in der Regel der Lohn.

Auf allen Ausbildungsstufen und Po­sitionen liegen die Medianlöhne der Frauen unter jenen der Männer. Das liegt zu grossen Teilen daran, dass neben Ausbildung und Position auch der Beruf, die Berufserfahrung, die Branche und die Grösse des Unternehmens den Lohn beeinflussen.

Die erwerbstätigen Frauen und Männer im Kanton Zürich unterscheiden sich in vielem, was den Lohn beeinflusst. Beispielsweise arbeiten im Gesundheitswesen deutlich mehr Frauen als Männer, in der IT-Branche sind hingegen viel mehr Männer als Frauen tätig. Die Löhne in der IT sind im Mittel aber höher als im ­Gesundheitswesen.

Auf solche und ähnliche Unterschiede gehen etwa zwei Drittel des Lohnunterschieds zwischen Frauen und Männern zurück. Man spricht auch vom «erklärten Lohnunterschied», weil er mit den beruflichen Situationen zusammenhängt, vor allem mit Berufen, Branchen und Positionen. Das Arbeitspensum wirkt – bei ansonsten gleichem Jobprofil – nur wenig auf den Lohn. Allerdings kann Teilzeit­arbeit die Karriere und damit auch die Lohnentwicklung bremsen.

Gesellschaftliche Normen

Während etwa zwei Drittel des Lohn­unterschieds zwischen Männern und Frauen auf unterschiedliche berufliche Situationen zurückgeführt werden können, lässt sich etwa ein Drittel nicht erklären. Dieser Anteil des Lohnunterschieds sei somit durch gesellschaftliche und wirtschaftliche Gegebenheiten bedingt, die sich mit Statistik schlecht erfassen liessen, führt das Amt für Statistik und Daten hierzu aus.

Die Forschung aus dem Ausland zeigt zum Beispiel: Bei der Stellensuche legen Frauen oft weniger Wert auf den Lohn als Männer. Vor allem für Frauen mit Kindern sind kurze Arbeitswege und flexible Arbeitszeiten häufig wichtiger als ein ­hoher Lohn. Bei der Personalsuche rekrutieren vor allem Unternehmen, die besonders hohe Löhne bezahlen, häufiger Männer als Frauen. Und nach der Anstellung übernehmen Männer oft besser bezahlten Aufgaben und/oder setzen eher Lohnerhöhungen durch. Diese Zusammenhänge dürften auch hierzulande als ein Aspekt unter weiteren zu den Lohnunterschieden zwischen Männern und Frauen beitragen.

Familienarbeit wirkt sich aus

Die Forschung zeigt zudem, dass Kinder ein weiterer wichtiger Grund für den Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern sind. Mütter übernehmen häufig einen grösseren Teil der Familienarbeit, reduzieren ihr Pensum stärker und machen dadurch oft nicht dieselben Karriereschritte wie Väter. Gleichzeitig können Elternpflichten bei Anstellungen, Beförderungen und Lohnverhandlungen eine Rolle spielen, besonders für Mütter.

In den Lohndaten ist nicht erfasst, ob jemand Kinder hat. Bekannt ist nur der Zivilstand. Hier zeigt sich, dass die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen bei verheirateten Personen grösser sind als bei ledigen. Dies dürfte auch mit der Elternschaft zusammenhängen. Zum ­einen leben verheiratete Personen deutlich häufiger mit Kindern zusammen als ledige, auch wenn der Anteil unverheirateter Eltern zugenommen hat. Zum anderen kommt es bei Verheirateten öfter vor als bei Unverheirateten, dass eine Person (zeitweise) nicht arbeitet, was später wiederum zu einem geringeren Verdienst führen kann.  (pd.)