Volksmusik füllt die Scheune
Zum sechsten Mal hat der Dorfverein am Samstagabend zur «Volksmusig i dä Schüür» eingeladen. Vier Formationen spielten im Maschinenunterstand im Opfiker Dorf. Rund 250 Gäste kamen, eine von ihnen reiste extra aus Kalifornien an.
Wo sonst die Landmaschinen der Opfiker Landwirte parkiert sind, standen am vergangenen Samstag lange Festbänke. Kurz nach 17 Uhr eröffneten die «Alphornbläser und Fahnenschwinger Zürcher Unterland» den Abend, wie sie es jedes Jahr tun.
Die Spätsommersonne stand noch hoch über dem Vordach, draussen am Grill bildete sich die erste Schlange, drinnen füllten sich die Tische bis zur letzten Bank und von der Bühne aus spielten die Musikerinnen und Musiker Melodien, die einfach nach Schweiz klangen.
Von Appenzell bis Oberkrain
Das Programm stellt der Dorfverein Opfikon ein bis zwei Jahre im Voraus zusammen, jenes für nächstes Jahr steht bereits. Abwechslung ist dabei Pflicht: Auf den Jodelchor des Vorjahres folgte diesmal eine andere Mischung.
«Alder die Sechsten» spielen in sechster Generation seit 1884 und brachten mit Streichern, Hackbrett und Akkordeon traditionelle Musik aus dem Appenzellerland in die Scheune. Das «Quartett Waschächt» aus dem Kanton Schwyz trat mit Akkordeon und Kontrabass an.
Für den grössten Auftrieb sorgte das «Rex Quintett». Die Formation spielt Oberkrainer Musik, mischt aber immer wieder Elemente aus dem Swing hinein, mit Bläsern, Akkordeon und Gitarre.
Statt auf der Bühne zu bleiben, spielten die Musiker mitten im Publikum zwischen den Holzbänken. Etliche Gäste zückten das Handy und filmten mit. Nach jedem Stück gab es tosenden Applaus. Dazwischen wurde geredet und angestossen – und wieder zugehört, sobald die nächste Melodie einsetzte.
Angereist aus Kalifornien
Einen besonders weiten Weg hatte Judith Mahnke hinter sich. Die Kalifornierin war zum dritten Mal dabei, entdeckt hatte sie den Anlass zufällig. «Das war vor drei Jahren. Ich war zu Besuch in Adelboden, verbrachte aber meinen letzten Abend im Hilton Hotel, um nahe am Flughafen zu sein», erzählt sie. Beim Joggen stiess sie auf das Fest. «Ich fühlte mich wie beim Zauberer von Oz. Es war so magisch.» Seither kommt sie immer wieder, den Flug für nächstes Jahr hat sie bereits gebucht. Was sie begeistert, ist die Echtheit: «Authentischer geht es nicht. Das ist für die Leute, die hier leben, und nicht für Touristen kuratiert.»
Kürzer war der Weg für Thomas Werner aus Wallisellen, der zum ersten Mal kam. Kollegen aus Opfikon hatten ihn mitgenommen. «Ich höre gerne Volksmusik und fand, das ist eine gute Gelegenheit, das in der Nähe hören zu können», sagt er. In Zürich gebe es nicht mehr viele Anlässe, die das anböten.
Musik, die auf das Gemüt geht
Organisiert wird der Anlass vom Dorfverein Opfikon. Dessen Präsident Jörg Jenny nennt den Zweck klar: «Die Schweizer Volksmusik der städtischen Bevölkerung näherbringen.» Auch er sagt, dass es in der Agglomeration Zürich sehr wenige solche Veranstaltungen gebe.
Ausgangspunkt war das Stadtfest 2018. Dort spielte eine Gruppe Schweizer Volksmusik und kam beim Publikum gut an. Die Kulturkommission Opfikon griff das auf und fragte den Dorfverein an, ob er einen eigenen Anlass für Volksmusik auf die Beine stellen wolle.
Was Volksmusik für ihn ausmacht, fasst Jenny knapp: «Das ist Musik, die auf das Gemüt geht.» Sie spreche eine ganze Generation an, die mit diesen Klängen aufgewachsen sei. «Es geht darum, dass man auch dieser Generation etwas in der Stadt anbietet.»
Dass der Abend ausgerechnet in einer Scheune stattfindet, hat einen praktischen und ästhetischen Grund. Die Halle dient den Opfiker Landwirten normalerweise als Unterstand für ihre Maschinen. Sie gehört der Landwirtin Anita Altorfer, die im Vorstand des Dorfvereins sitzt und den Raum zur Verfügung stellt.
Ohne Helfer geht es nicht
Die Grösse der Halle sei ideal für solch einen Anlass, nicht zu gross, nicht zu klein. «Es ist ein Glücksfall für uns, dass es in Opfikon so eine Halle gibt», sagt Jenny. Zumal sie auch mit ihrer Holzoptik perfekt zur Volksmusik passe.
Hinter dem Abend stehen rund 30 Helferinnen und Helfer, allesamt Mitglieder des Dorfvereins. Die Verpflegung teilt sich der Verein mit der Metzgerei Arnold, die den Grill betreibt. Die Mitglieder brachten Kuchen mit, backten vor Ort Crêpes und führten die Getränkeausgabe.