Trotz Dürre: Der Wasserverbund schafft Sicherheit
Angesichts des schneearmen Winters, des trockenen Frühlings und der Hitzewellen der letzten Wochen stellt sich die Frage: Hat Opfikon genügend Wasser? Die kurze Antwort lautet: ja. Denn das Versorgungsnetz reicht vom Zürichsee bis Winterthur.
Die derzeitige Dürre ist augenfällig: Wer seinen Rasen nicht wässert, steht auf einer beige-braunen statt grünen Fläche. Die Flüsse und Seen offenbaren Stellen am Ufer, die sonst nur die Fische zu sehen bekommen. Und diese geraten wegen tiefer Wasserstände und hoher Wassertemperaturen zunehmend in Nöte.
Auch im Untergrund ist der Wassermangel messbar: Der Grundwasserspiegel ist auch im mittleren Glattal zurückgegangen: «Unsere Quellen weisen einen Rückgang der Schüttung auf», so Riccardo Caroppo auf Anfrage des «Stadt-Anzeigers». Er ist Bereichsleiter Wasser bei der Energie Opfikon AG, welche die Stadt entgegen ihrem Namen auch mit Trinkwasser versorgt. Das tut sie jedoch nicht alleine (siehe Box).
Dieser Rückgang der «Schüttung», wie die Ergiebigkeit einer Quelle im Fachjargon heisst, sei jedoch nicht ausschliesslich auf die aktuelle Hitze zurückzuführen, sondern auch darauf, dass die natürliche Grundwasseranreicherung in diesem Jahr insgesamt sehr gering ausgefallen sei: Schon im Winter gab es wenig Niederschlag und damit Schnee, und auch der Frühling war im Vergleich mit anderen Jahren trockener. Dieses Wasser fehlt nun.
Vernetzt mit Zürichsee und Eulach
Dass das Trinkwasser knapp oder die Nutzung gar eingeschränkt werde, wie das in anderen Gemeinden mit Autowaschverbot und leeren Swimmingpools bereits der Fall ist, müsse die Stadt dennoch nicht fürchten, beruhigt Caroppo: «Eine Wasserknappheit in Opfikon ist aufgrund der Einbindung in die Gruppenwasserversorgung Vororte und Glattal (GVG) derzeit kaum vorstellbar. Ein solches Szenario würde voraussetzen, dass der Zürichsee direkt betroffen wäre. In diesem Fall hätte jedoch nicht nur Opfikon, sondern der gesamte Kanton ein Problem.» Denn am Zürichsee hängen die Wasserleitungen von einer Million Menschen in 67 Gemeinden, wie die Stadt Zürich auf ihrer Webseite schreibt.
Der Anteil Seewasser im Opfiker Trinkwasser ist dabei seit längerem unverändert. «Aufgrund der erhöhten Temperaturen ist jedoch der gesamte tägliche Wasserverbrauch angestiegen», weiss Caroppo. An der Wasserqualität ändere das Seewasser übrigens nichts, da sowohl das Eigenwasser als auch das aufbereitete Seewasser jederzeit den gesetzlichen Anforderungen entsprächen. «Für Kundinnen und Kunden kann sich bemerkbar machen, dass das Trinkwasser weniger Kalk enthält», so Caroppo. «Dies ist darauf zurückzuführen, dass Seewasser deutlich geringere Mengen an Kalzium und Magnesium aufweist.» Sprich: Opfikon und Zürich müssen ihre Duschbrausen weniger entkalken als weiter entfernte Landgemeinden ohne Seeanschluss, die ihren Bedarf ausschliesslich mit Quell- oder Grundwasser decken. Allerdings dauert es etwas länger, bis die Seife wieder von der Haut abgewaschen ist. Besonders deutlich wird diese Eigenschaft von kalkhaltigem Wasser, wenn man mal in einer Berghütte die Hände mit Seife wäscht.
0,13 Rappen pro Liter
Im Gegensatz zu anderen Gütern ist der Wasserpreis auch kaum von grossen Schwankungen betroffen: Ein Kubikmeter zu 1000 Litern kostet die Opfikerinnen und Opfiker 1.30 Franken – unverändert seit 2024. Zugekauftes Wasser kostete 2025 83 Rappen pro Kubikmeter. Mit der Differenz finanziert die EO AG ihre Anlagen.
Auch dank der Vernetzung mit Zürich und Winterthur musste Opfikon in seiner jüngeren Geschichte noch nie Wasser sparen. Massnahmen sind vorderhand auch bei der Dürre 2026 keine nötig.
Was Opfikon trinkt und woher es kommt
Das Opfiker Trinkwasser ist wie viele andere eine Mischung aus verschiedenen Quellen: Rund 30 Prozent stammen aus den Opfiker Quellwasserwerken Pfändwiesen, Pünten, Eichlibrunnen und einer Stollenfassung.
Die übrigen knapp 70 Prozent steuert die Gruppenwasserversorgung Vororte und Glattal (GVG) bei, ein Verbund von Wasserversorgern und -verteilern zwischen Zürich und Winterthur (siehe Karte oben).
Der Zweckverband versorgt rund 30 Gemeinden des Furt- und Glattals mit Trinkwasser. Die Oberländer Gemeinden Fehraltorf, Russikon, Brütten und Lindau sind im Rahmen lokaler Zusammenschlüsse mit GVG-Verbandsgemeinden eingebunden. 2025 hat die GVG 12,2 Millionen Kubikmeter Wasser geliefert; 35 Prozent ins Furttal, 28 Prozent ins Mittlere Glattal (Illnau-Effretikon bis Opfikon), 22 Prozent ins obere Glattal (Dübendorf bis Uster) und 15 Prozent nach Kloten. Sie ist damit die grösste Gruppenwasserversorgung in der Region Zürich.
Die grossen Wasserleitungen haben einen Durchmesser von 60 und 80 cm und versorgen die lokalen Gruppenwasserversorgungen beziehungsweise die Verbandsgemeinden. Diese verteilen das einwandfreie Trinkwasser dann über ihre eigenen Netze weiter an Landwirtschaft, Gewerbe-, Industrie- und Dienstleistungsbetriebe sowie rund 300 000 Einwohner.
Dabei betreibt die GVG gar keine eigenen Produktionsanlagen. Hauptwasserlieferantin ist die Wasserversorgung Zürich. Sie bereitet das Seewasser auf und beliefert die GVG mit Wasser aus dem Zürichsee. Dieses wird in einem mehrstufigen Verfahren zu Trinkwasser aufbereitet – dank grosser Anstrengungen im Gewässerschutz ganz ohne Chlor.
Der zweite grosse Wasserlieferant ist das Stadtwerk Winterthur. Möglich macht dies die Trinkwasserverbundleitung Zürich–Winterthur. Sie ist seit 2012 in Betrieb und erhöht die Versorgungssicherheit mit Grundwasser aus dem Eulachtal massgeblich, da dieses ansonsten keine Verbindung zum Zürichsee hat. Ihre Feuertaufe bestanden die neuen Anlagen im Hitzesommer 2015.
Das Opfiker Quellwasser wird in den Pumpwerken zur Sicherheit mit einem UV-Licht bestrahlt, um allfällige Keime abzutöten. Ausserdem wird die Qualität des Wassers auf allen Aufbereitungsstufen permanent überwacht.