Spieletipp: Entscheidet euch weise!

Thomas Enderle

Eine Festplatte mit weltbedrohenden Daten ist General Darcosa in die Hände gefallen. Um diese wiederzubeschaffen, wurde Agent Nyx in die Jubiläumsparty eingeschleust, die der Superschurke aus Anlass seines 40. Hochzeitstages gibt. Der Kniff: Agent Nyx sind Sie! Ob die Mission Erfolg hat, entscheiden die Spieler mit ihren Aktionen – so treiben sie die Story voran.

Gespielt wird «Back Tales: Die Smaragd-Hochzeit» ausschliesslich mit Karten. Da gibt es zum einen die Panoramakarten: Sie zeigen nebeneinander gelegt den Schauplatz und die Personen vor Ort. Ebenfalls ausgelegt werden ­Aktionskarten, die Handlungsmöglichkeiten symbolisieren. Aufgabenkarten schliesslich geben das aktuelle Etappenziel vor. Der Protagonist wird mit einer Charakterkarte dargestellt. Darauf und darunter werden im Laufe des Spieles weitere Karten gelegt, die Stati und Ausrüstungen abbilden. Ausserdem dient sie dazu, Story-Momente festzuhalten.

Ist die erste Szene aufgebaut und der Einleitungstext gelesen, entscheiden die Spieler gemeinsam, was sie machen wollen: Sie können sich mit Personen unterhalten, mit der Röntgenbrille eine Szene scannen oder mit etwas interagieren. Dafür schiebt man die gewählte Aktionskarte hinter die Panoramakarte, die die Person oder das Objekt von Interesse zeigt, und dreht die Karten um. Weil Aktionskarten Aussparungen an den Rändern oder im Inneren der Karte haben, geben sie nun den Blick auf den Bereich der Rückseite der Panoramakarte frei, der das Ergebnis der Aktion verrät. So erhält man neue Informationen oder treibt die Geschichte voran – meist dadurch, dass man neue Karten erhält. Diese erweitern oder ersetzen das Panorama, ergeben neue Gegenstände, die neue Aktionen erlauben, oder lösen Ereignisse aus. Nicht selten können diese Ereignisse davon abhängig sein, ob man gewisse Dinge ausgelöst hat oder sich bereits verdächtig gemacht hat. Je nachdem entwickelt sich die Story also anders.

 

«Wer sich auf eine gemeinsam erlebte Geschichte freut, ist hier richtig.»

Thomas Enderle, Spieletester

 

So hangelt man sich nach und nach durch die Geschichte, löst kleinere Rätsel, entdeckt mehr Informationen und erreicht hoffentlich ein Ziel nach dem anderen. Dabei gelangt man schliesslich an eines der mindestens sechs verschiedenen Storyenden – ob die Mission erfolgreich ist, hängt dabei allein von den Entscheidungen ab.

Dr. Gamble meint: «Back Tales: Die Smaragd-Hochzeit» ist mehr interaktive Geschichte als ein gewöhnliches Brettspiel. Dabei erinnert es an alte Abenteuer-Computerspiele. Es geht also nicht um Geschwindigkeit oder irgendeine Wertung, sondern um die Story. Dabei schaffen es die Autoren gekonnt, eine verästelte Geschichte zu erzählen, wo frühe Entscheidungen Auswirkungen auf den Verlauf haben werden. Schön ist auch, wie die Geschichte teils als Text, teils als Comic erzählt wird. Und einmal gespielt, kann man die Mission noch einmal angehen, um zu sehen, wie sie mit anderen Entscheidungen ausgegangen wäre. Die Spieleranzahl ist theoretisch unwichtig, da man gemeinsam eine Storyvariante erlebt. Fans von Escape-Room-Spielen werden hier die Rätsel vermissen. Wer sich aber auf eine gemeinsam erlebte Geschichte freut, ist hier richtig.

Dr. Gambles Urteil: 3,5/5

«Back Tales: Die Smaragd-Hochzeit» von Benoit Bannier und Nicolas Fuchs, Ravensburger, 1–6 Spieler, ab 12 Jahren.