Sehr verkehrter Herr Fierz, Sie wohnen in der falschen Stadt
Leserbrief zum Artikel «Tempo 30 sorgt für rote Köpfe», «Stadt-Anzeiger» vom 12. März 2026
Als ich den Artikel im «Stadt-Anzeiger» vom 12. März gelesen habe, hat mich Ihr Seufzer sehr überrascht. In den 1990er-Jahren lernten wir noch als Fussgänger, aufmerksam zu sein: schauen, hören, laufen (luege, lose, laufe) und den Strassenverkehr respektieren. Heute sieht man leider oft Menschen mit Kopfhörern in den Ohren und dem Blick aufs Handy, die unaufmerksam über die Strasse gehen. Dadurch kommt es immer häufiger zu gefährlichen Situationen und Unfällen.
Leider scheint man dies in Bern noch nicht ausreichend bemerkt zu haben. Die Strasse ist kein Spielplatz, und die heutigen Fahrzeuge sind deutlich leiser geworden. Deshalb ist Aufmerksamkeit im Strassenverkehr wichtiger denn je. Ausserdem sollte man bedenken, dass es in vielen Orten keine Berufsfeuerwehr gibt. Die Feuerwehrleute müssen von zu Hause aus zum Einsatzort oder ins Feuerwehrdepot fahren. Wenn sie auf dem Weg dorthin zusätzlich durch Tempo‑30-Zonen, Tempo‑20-Zonen oder andere Verkehrsbehinderungen aufgehalten werden, geht wertvolle Zeit verloren. Eine Minute Verzögerung kann im Ernstfall grosse Auswirkungen haben: Ein Brand kann sich stärker ausbreiten, der Schaden wird grösser und im schlimmsten Fall können Menschenleben gefährdet sein. Ein weiteres Beispiel ist die Schulstrasse, auf der eigentlich maximal 40 km/h erlaubt sind. Dennoch halten sich nicht alle Fahrer daran. In solchen Fällen würde auch eine Tempo‑30-Zone kaum etwas ändern, wenn sich manche Verkehrsteilnehmer grundsätzlich nicht an die Regeln halten. Auch der tödliche Unfall an der St.‑Anna-Strasse zeigt, wie ernst die Situation sein kann. Der Lastwagen fuhr weniger als 30 km/h. Wir haben in der Fahrschule gelernt, dass man sich an die Situation anpassen muss, also kann auch in der Tempo‑30-Zone etwas passieren. Übrigens schaut man nur noch auf den Tacho und sieht nicht was links und rechts.
Solche Ereignisse werfen die Frage auf, wie mit Verantwortung im Strassenverkehr umgegangen wird. Ich habe bisher noch keinen Politiker gesehen, der bei Problemen wirklich Verantwortung übernimmt – oft bleiben es nur schöne Worte. Was derzeit im Strassenverkehr in der Stadt Zürich geschieht und wie mit den Steuergeldern umgegangen wird, empfinden viele Menschen als problematisch und eine Frechheit. Manche Politiker sollte man nicht bedrohen, aber bevormunden.
Im Namen einer vernünftigen Verkehrspolitik
Peter Bührer, Opfikon