Schule Oberhausen thematisiert Mobbing

Pia Meier

Die Gesamtschule Oberhausen lud zur Vollversammlung zum Thema Mobbing ein. Das Interesse der Eltern war gross. Siestellten zahlreiche Fragen.

Jedes Jahr lädt die Gesamtschule Oberhausen mit 380 Schülerinnen und Schülern die Eltern zur Vollversammlung ein. Das Thema wird jeweils vom Elternrat nach einer Umfrage bei den Eltern festgelegt. Dieses Jahr wurde Mobbing thematisiert. «Grundsätzlich kommt dies in allen Schulen vor, auch in unserer», hielt Matthias Welte, Schulleiter Gesamtschule Oberhausen, fest. Gemäss Statistik ist jedes 10. Schulkind von Mobbing betroffen.

«Mobbing ist ein ernst zu nehmendes Thema», sagte Matthias Welte. «Es betrifft Opfer, Gruppe, Schule und Familie.» Er begrüsste die zahlreich anwesenden Eltern in der Schule. Alle Referate wurden in weiteren Zimmern simultan in andere Sprachen übersetzt. Welte ging im Referat auf das Thema Mobbing aus fachlicher, soziologischer und psychologischer Sicht ein.

Mobbing ist Gruppenphänomen

«Nicht alle Vorfälle sind Mobbing», betonte Welte. Er führte aus, was der Unterschied zwischen Mobbing und Streit ist. «Mobbing geschieht über längere Zeit.» Das Opfer wird angegriffen, ausgegrenzt, gedemütigt, und dies mit Absicht. Es kann sich kaum dagegen wehren. Immer ist Mobbing ein Gruppenphänomen gegen eine Einzelperson, das heisst es herrscht ein Machtungleichgewicht. Dies im Unterschied zu Streit oder Konflikten, wo Interessen vertreten werden.

Es gibt verbales, soziales und körperliches Mobbing sowie Cybermobbing. Die Ursache sind mehrere Faktoren. Aber immer ist Mobbing ein Gruppenproblem. Einflussfaktoren sind der Wunsch nach Zugehörigkeit, Unsicherheit, Machtbedürfnis, Schweigen oder Wegschauen. Dies ist auf Besonderheiten im Jugendalter zurückzuführen, wie der Wunsch, akzeptiert sowie anerkannt zu werden und dazuzugehören.

Die Folgen von Mobbing sind psychische Belastung, Angst, körperliche Beschwerden, Konzentrationsprobleme, langfristige Auswirkungen aufs Selbstwertgefühl und viele mehr. Warnsignale für die Eltern sind, dass das Kind nicht mehr zur Schule gehen will, sich zurückzieht, seine Stimmung verändert, Schlafprobleme und Unruhe zeigt sowie Kopf- und Bauchbeschwerden hat. Welte: «Fazit ist, dass wir gemeinsam Verantwortung übernehmen müssen.»

Der Schule sind bei Mobbing Grenzen gesetzt. Ausserhalb der Schulzeit ist die Schule nicht zuständig. Sie kann zudem keine sofortige Lösung bieten und keine rechtlichen Ermittlungen durchführen. Auch hat sie keine Erziehungsaufgabe. Sie kann auch nicht das Handy kontrollieren. Das muss die Polizei machen. «Es wird aber gehandelt und nicht weggeschaut», versicherte Welte.

Es wurde weiter darauf eingegangen, was die Eltern tun können. «Sie können zuhören, nachfragen, Vorfälle dokumentieren und das Gespräch suchen», so Welte. Vermeiden sollten sie eigene Konfliktlösungen, öffentliche Diskussionen und vorschnelle Schuldzuweisungen

Jede Schule hat Mobbingfälle

Weiter war die Prävention ein Thema. «Wir vermitteln soziale Kompetenzen, respektvollen Umgang, Unterschiede akzeptieren und vor allem Verantwortung übernehmen», betonte Welte. Die Schule nimmt jede Form von Mobbing ernst. Im Vordergrund stehen der Schutz der Betroffenen, Einleitung von Massnahmen und lang­jährige Begleitung. «Gemeinsame Lösungen werden gesucht», hielt Welte fest.

Florian Abt von der Kantonspolizei wies darauf hin, dass jede Schule Mobbingfälle hat. Mobbing geschieht heute häufig im Gruppenchat. Dort werden Unwahrheiten und Lügen verbreitet, Drohungen ausgesprochen und erniedrigende Fotos gepostet. Und das Internet vergisst bekanntlich nie.

Mobbing ist strafbar und muss deshalb thematisiert werden. Häufig haben Mobbing-Fälle kein Happy End, so Abt. Er zeigte allerdings den Anwesenden einen Film mit einem Happy End.

Ausserdem wurde an der Veranstaltung darauf hingewiesen, dass auch Lehrpersonen gemobbt werden. Alle Mitglieder in einer Chatgruppe könnten rechtlich verfolgt werden, auch jene, die Inhalte weiterleiten. Das Strafrecht ist aber das letzte Mittel. Weiter wurde erläutert, wie es beim Jugendstrafrecht abläuft, und der Unterschied zum Erwachsenenstrafrecht aufgezeigt. Eltern müssen Regeln aufstellen und hinschauen.

Für die Schulen in Opfikon existiert ein spezifischer, schulhausübergreifender Handlungsleitfaden zur Gewaltprävention und zum Umgang mit Mobbing. Er definiert klare Abläufe für Lehrpersonen, Schulleitung und die Schulsozial­arbeit, um bei Konflikten schnell und einheitlich reagieren zu können.

Der Anlass wurde mit einem Apéro auf dem Pausenplatz und zahlreichen Gesprächen abgeschlossen.