Römischer Gutshof: Auf dem Weg zum Freilichtmuseum
Die Stiftung für Archäologie und Kulturgeschichte im Kanton Zürich will die Ruinen des römischen Gutshofs Seeb aufwerten und die Geschichte seiner Bewohnerinnen und Bewohner erlebbar machen. Der Regierungsrat unterstützt die Bestrebungen.
Der römische Gutshof Seeb in der Gemeinde Winkel bei Kloten ist eine der wenigen konservierten römischen Ruinen im Kanton Zürich. Mit seinen vielen Gebäuden, dem gut erhaltenen Bad, den Wandmalereien und den Mosaikböden ist er im östlichen Mittelland einzigartig.
Der Gutshof entstand um 50 n. Chr. als Steinbau. Die Anlage durchlief zahlreiche Um- und Ausbauten und wurde vermutlich um 350 n. Chr. verlassen. In den 1960er-Jahren wurden die Ausgrabungen und die anschliessenden Konservierungsarbeiten mit namhaften Beiträgen von Bund und Kanton unterstützt. Die Bedeutung der Ruinen zeigt sich allein schon darin, dass diese im Schweizerischen Inventar der Kulturgüter von nationaler und regionaler Bedeutung als A-Objekt definiert sind, was einer Einstufung «von nationaler Bedeutung» entspricht.
Heute zu wenig attraktiv
Die aktuelle Wissensvermittlung beruht auf einigen wenigen Informationstafeln, die noch aus den späten 1960er-Jahren stammen und mittlerweile veraltet sind. Daher ist die Anlage derzeit wenig attraktiv, was die tiefen Besucherzahlen erklärt. Heute besucht ein Grossteil der Zürcher Schulklassen für den römischen Anschauungsunterricht Windisch-Vindonissa oder Augst-Augusta Raurica.
Es ist wünschenswert, dass diese Schulklassen auch Ruinen im eigenen Kanton besuchen und die kantonseigenen Schulklassen als Besuchersegment zurückgewonnen werden. Da alle diese Vermittlungsorte unterschiedliche Themen behandeln, stehen sie nicht in direkter Konkurrenz zueinander. Durch eine zeitgemässe Präsentation, neue und weitgehend hindernisfreie Zugänge sowie die multimediale Vermittlung sollen die Ruinen verständlich und die Geschichte ihrer Bewohnerinnen und Bewohner erlebbar werden, sodass die Anlage für Schulklassen und Lehrpersonen (Lehrplan 21: «Lernen am ausserschulischen Lernort»), Familien, Spaziergänger und Velofahrer zum Erlebnisort wird. Der Eintritt bleibt wie bislang frei. Zur Vermittlung des Alltags auf dem Gutsbetrieb sind neben Informationstafeln und Audiodateien auch Stereoskope geplant, die dreidimensionale Rekonstruktionen der Anlage zeigen. Neu werden der Badetrakt und der Töpferofen das ganze Jahr über zu besichtigen sein.
Mit der Aufwertung soll sich der Bekanntheitsgrad des Freilichtmuseums markant steigern. Und dieser soll durch periodische Aktivitäten zusätzlich gesteigert werden. Hierzu ist ein alle zwei bis drei Jahre stattfindendes «Römerfest» geplant. Ein solches wurde bereits im Jahr 2006 mit grossem Erfolg durchgeführt und lockte damals an einem einzigen Tag rund 1000 Besucherinnen und Besucher an.
Lücke schliessen
Im Kanton Zürich gibt es verschiedene Schaufenster zur Geschichte des Kantons. Das neue Freilichtmuseum gibt einen authentischen Einblick in die römische Epoche und schliesst eine Lücke. Das Projekt leistet einen wesentlichen Beitrag zur Vermittlung des kulturellen Erbes. Der Fokus liegt inhaltlich auf der Landwirtschaft, dem Landleben und der Ernährung. Damit ergänzt die Römerstätte im Zürcher Unterland die anderen Angebote in der Nordwestschweiz.
Der Regierungsrat beantragt deshalb dem Kantonsrat hierfür einen Beitrag von 2,12 Millionen Franken aus dem Gemeinnützigen Fonds. Da der beantragte Beitrag 1 Million Franken übersteigt, muss der Entscheid des Regierungsrates vom Kantonsrat genehmigt werden. (pd./ml.)