«Positives Gefühl für die nächste Saison»
Eine Saison zwischen verpasster Chance und wichtigen Erkenntnissen: 16 Punkte und 17 Tore weniger als im Vorjahr – statt Rang 7 resultierte für den EHC Kloten diesmal nach der Qualifikation Rang 12 und somit keine Saisonfortsetzung.
Mit dem 12. Rang wurde das primäre Saisonziel (vorzeitiger Ligaerhalt) zwar erreicht. Für den letzten Play-In-Platz wären allerdings fünf Punkte mehr notwendig gewesen. Nur 49 der 117 Klotener Tore resultierten von den Imports. Das sind beispielsweise zehn weniger als bei Ajoie, das dennoch als einziges Team der National League noch weniger Tore als Kloten erzielte (105). In der Vorsaison hatte Kloten noch auf 67 Torerfolge seiner Imports zählen können, was exakt 50 Prozent der 134 Treffer in der Regular Season 2024/2025 entsprach.
Die Torproduktion war aber auch bei den Stürmern mit Schweizer Pass oder Lizenz ungenügend. Mit Ausnahme von Topskorer Dario Meyer (15 Tore) erzielte keiner einen persönlichen Tor-Bestwert. Keanu Derungs (6 Tore/total 16 Skorerpunkte) kam immerhin auf einen persönlichen Punkte-Bestwert. Daneben egalisierte Keijo Weibel seinen bisherigen Skorer-Bestwert aus seiner Zeit bei den SCL Tigers, als er in der Saison 2022/2023 fünf Tore und sieben Assists realisierte.
Lehren gezogen
Kloten produzierte 32:5 Tore im Powerplay, während 2:26 das Verdikt in Unterzahl lautete. Dies bedeutete den viertbesten beziehungsweise sechstbesten Liga-Wert der Qualifikation. Im Vorjahr war man in diesen beiden Rubriken trotz Top-Abschneiden (7. Rang Qualifikation) jeweils Schlusslicht der National League gewesen.
Klotens Trainer, der ehemalige finnische Nationalcoach Lauri Marjamäki (48), erklärt im Interview mit dem «Klotener Anzeiger» die Ernüchterung nach dem Höhenflug der Vorsaison und sagt, welche Lehren daraus zu ziehen sind.
Lauri Marjamäki, wie lautet Ihre Ansicht zum Saisonabschneiden mit dem 12. Rang?
Resultatmässig war das Abschneiden eine Enttäuschung, wenn man es mit dem 7. Rang der Vorsaison vergleicht.
Immerhin verzeichnete Ihr Team nach der Olympia-Pause und den Siegen Nummer 2 bis 4 in Folge eine Steigerung, die noch den direkten Ligaerhalt ermöglichte.
Es war nicht einfach, aus dieser Situation herauszukommen. Und die Jungs haben noch das Beste daraus gemacht. Insgesamt fehlte uns im Grossteil der Saison das erfolgreiche Toreschiessen. Wir verloren dadurch auch zu viele enge Spiele, weil wir keine Lösung fanden, um mehr Tore zu erzielen. Immerhin fanden wir gegen Ende noch heraus, wie wir wieder mehr enge Spiele zu unseren Gunsten entscheiden konnten. Das war einem starken Effort meiner Spieler geschuldet.
Das 4:6 bei den Rapperswil-Jona Lakers im drittletzten Qualifikationsspiel bedeutete dann die letzten Play-In-Hoffnungen so gut wie zu 100 Prozent.
Gut, wir hatten insgesamt 52 Spiele, um genug gute Resultate für das Play-In zu erzielen. Das haben wir nicht geschafft.
Abgesehen von zu wenig Toren und der hohen Anzahl Niederlagen in engen Spielen – was fehlte Kloten?
Die Special Teams waren besser im Vergleich zur Vorsaison. Aber die Effizienz beim Ausnützen von Torchancen war ungenügend. In dieser Saison produzierte unser Topskorer Dario Meyer 28 Skorerpunkte. In der Vorsaison erreichten oder übertrafen vier unserer Spieler diese Marke (u. a. sogar Sami Niku als Verteidiger mit 30 Punkten – Red.). Ein bisschen Pech war natürlich auch, dass unser Erstlinien-Center Brandon Gignac verletzungsbedingt nur die Hälfte der Regular Season bestreiten konnte. Und dann war da auch noch Topgoalie Ludovic Waeber, der verletzungsbedingt zehn Wochen ausfiel. Gut waren dann die Trades in der Olympia-Pause, als Pontus Aberg und Joel Henry von den ZSC Lions zu uns stiessen. Sie halfen uns zum Abschluss noch viel. Ich denke, das war eine vorzügliche Arbeit, die Sportchef Ricardo Schödler mit der Verpflichtung dieser beiden Spieler leistete.
«Ich mag unsere Arbeitsethik. Die Spieler haben in dieser Saison einen sehr guten Job gemacht, denn sie haben sich nie aufgegeben.»
Nach der Olympia-Pause konnten Sie personell auch aus dem Vollen schöpfen.
Ja, in der Vorsaison waren wir auch deshalb so gut gestartet und legten da die Basis für eine so erfolgreiche Spielzeit, weil wir bis November kaum Verletzungen zu beklagen hatten. Gut, ich als Coach muss auch einen besseren Job machen und vorher Lösungen finden, um mit dem Team so oder so erfolgreich zu sein.
Die Steigerung in den Special Teams war worauf zurückzuführen?
Wir hatten einige Anpassungen vorgenommen, auch personell durch die neuen Imports umgestellt. In der Vorsaison spielten wir bei numerischem Gleichstand sehr stark. Doch die Gegner passten sich an und stellten sich besser auf uns ein. Nun werden wir wieder einen Weg finden, auch da wieder unberechenbarer zu werden. Es gilt unentwegt, etwas Neues herauszufinden. Mein Job als Coach ist es, das Team in möglichst jedem Spiel so weit zu bringen, dass es gewinnen kann. Und dies war in der abgelaufenen Saison in den meisten Spielen auch möglich.
Was waren die positiven Aspekte der durchzogenen Saison, abgesehen von den guten Werten bei den Special Teams und den Bullys, in denen man gar das Nummer-1-Team der Liga war?
Ich mag unsere Arbeitsethik. Die Spieler haben diesbezüglich einen sehr guten Job gemacht, denn sie haben sich nie aufgegeben. Wir haben an den Entwicklungsprozess geglaubt. In kleinen Schritten fanden wir so nach der Olympia-Pause zu einem Gewinner-Hockey zurück. Die Spieler erarbeiteten sich diese Steigerung hart.
Mischa Ramels Offensiv-Produktivität reduzierte sich bei den Toren fast um die Hälfte im Vergleich zur vorangegangenen Qualifikation (6, in der Vorsaison waren es 11 Tore – Red.).
Das war auch ein Lernprozess für ihn. Er ist ein sehr schlauer Spieler und machte im Boxplay enorme Fortschritte und war dort enorm wichtig. Er hat somit sein defensives Spektrum erweitert in dieser Saison. Wenn aber die Erwartungen in einen Spieler aufgrund seiner Vorsaison-Leistungen sehr hoch sind, ist auch Druck vorhanden. Er kann auch offensiv wieder Akzente setzen und wird dies sicher wieder tun. Schon in der nächsten Saison wird er von der Erfahrung aus dieser Saison profitieren können.
In der nächsten Saison wird Steve Kellenberger nicht mehr dabei sein.
Er wird uns fehlen. Und dieses letzte Heimspiel gegen Lugano haben wir in der Verlängerung dank ‹Chälli› gewonnen (er gab den Pass zum Siegtor von Axel Simic in der Overtime – Red.). Aber ich glaube, dass wir eine gute Leader-Gruppe haben und deshalb Kellenberger ersetzen können.
Was würden Sie als Captain bestimmen oder welche Kandidaten sehen Sie?
Darauf habe ich jetzt keine Antwort, weil ich mich noch in der Analyse der abgelaufenen Saison befinde.
Es gibt aber vor allem noch einen kompletten Wechsel Ihrer Co-Trainer.
Alle haben grossartige Arbeit geleistet und die Spieler in gute Verfassung gebracht. Kimmo Rintanen die Stürmer und gleichzeitig auch sein Bereich im Powerplay, Beni Winkler die Verteidiger und das Boxplay. Und Tim Bertsche als Goalie- und Video-Coach. Ich mochte die Arbeit mit allen dreien. Doch manchmal braucht es neue Ideen und neue Energie. Deshalb gibt es nun diese Änderungen. Tim sucht nun eine neue Herausforderung. Er ist noch jung und will noch etwas anderes als Kloten sehen, wo er einen tollen Job machte und so gesehen ist sein Wechsel nachvollziehbar.
Bei den Neuverpflichtungen überstrahlt der Name Reto Berra alles.
Ich habe ein sehr gutes Gefühl mit den Neuverpflichtungen. Mit Verteidiger Simon Johansson und Stürmer Arttu Ruotsalainen kommen zwei torgefährliche Spieler. Dann Raphael Prassl und Michael Hügli. Sie hatten es zuletzt bei Lausanne vielleicht nicht so einfach, sind aber nun begeistert, zu uns zu kommen. Und jeder weiss, was für ein guter Torhüter Reto Berra ist. Ein Entwicklungsgoalie wie Ewan Huet wird viel von ihm profitieren können. Und dann gibt es bei uns noch Spieler, die bei uns verlängert haben und von denen ich viel halte. Eigengewächs Keanu Derungs beispielsweise realisierte seine bislang beste Saison für Kloten. Wir Coaches wollen die Spieler bestmöglich unterstützen, um noch besser zu werden.
Wenn Berra verletzungsfrei bleibt, könnte dies die Basis für eine neuerliche Überraschungssaison sein.
Es werden auch die beiden talentierten Keeper hinter Berra, Davide Fadani und Ewan Huet, ihren Teil dazu beitragen. Aber es ist klar, dass wir absolute Topleistungen von den Torhütern benötigen, um erfolgreich zu sein. So gesehen sind wir natürlich enorm glücklich, dass Berra den Entscheid zu unseren Gunsten getroffen hat und zu uns stösst.
Und mit Arttu Ruotsalainen kommt ein Rückkehrer. der in der Saison nach Klotens Wiederaufstieg bei Kloten brillierte (42 Punkte, davon 18 Tore, in 52 Qualifikationsspielen) und vorab im Powerplay mit neun Treffern sehr erfolgreich war.
Ruotsalainen hat sich als Spieler weiterentwickelt, ist jetzt mit 28 besser und kompletter als damals. Und er wollte unbedingt zu Kloten zurückkehren. Ich hoffe, dass wir mit ihm zusammen mit Brandon Gignac über einen zweiten Toplinien-Center verfügen. Beide sind auch defensiv gut und können im Boxplay wertvoll sein.
Der kanadische Stürmer Brandon Gignac fehlte in seiner ersten Saison verletzungsbedingt mehrfach, aber sein Potenzial deutete er klar an. Er verzeichnete in seinen 26 Spielen mit 0,77 Skorerpunkten den klar besten Punktedurchschnitt pro Spiel aller Klotener.
Er kann der wichtigste Spieler für uns sein. Er deutete klar an, wozu er fähig ist. Und wir brauchen eine solche Produktivität unserer Imports. Deshalb hoffen wir, dass die Spieler möglichst gesund bleiben.
Wie wird sich Kloten in der nächsten Saison präsentieren?
Ich will, dass es immer in die richtige Richtung weitergeht. Wir analysieren, was wir besser machen können. Wichtig ist, dass die Spieler daraus lernen. Auch für mich als Coach ist es ein Lernprozess. Wir wollen uns weiterentwickeln und besser werden. Ich sehe viel Potenzial in diesem Verein. Und ich habe viel Vertrauen in die Spieler sowie ein positives Gefühl für die nächste Saison.
Auch für Verwaltungsratspräsident Jan Schibli eine «durchzogene Saison»
Auch neben dem Eis steht Kloten vor einem nächsten Entwicklungsschritt. In einem vereinseigenen Saisonrückblick sprach Verwaltungsratspräsident Jan Schibli (55) von einer sportlich «durchzogenen» sowie einer «emotionalen» Saison und betonte: «Wir sind nach vier Saisons noch nicht am Ziel unserer Vision, denn dies braucht Zeit und Vertrauen in den eingeschlagenen Weg.» Das Potenzial sei aktuell nicht ausgeschöpft, aber der EHC Kloten habe sich stabilisiert.
Patrick Hagen, CFO der EHC Kloten Sport AG, betonte, dass die Aufwände «stark reduziert werden konnten und nun der Fokus auf der Ertragsseite liegt». Dennoch bleibe jede Saison eine Herausforderung, «und wir können uns nur in kleinen Schritten weiterentwickeln».
Ein Youth GM für den Nachwuchs
Die Organisation hat sich nach der Sanierung der Bilanz weiterentwickelt. Auch die Liquidität wurde verbessert. Das verfügbare Kapital erlaube es nun, «kleinere zukunftsorientierte Investitionen zu tätigen». Zudem wurde mitgeteilt, dass die Zusammenarbeit zwischen Verein und AG noch enger gestaltet werde. Mit der Einführung der Rolle eines Youth GM werde «der Athletenweg unserer Junioren gezielter und individueller gestaltet». In enger Zusammenarbeit mit Ricardo Schödler, dem General Manager beziehungsweise Sportchef des Fanionteams, werden die Juniorenabteilungen künftig durch einen Youth General Manager geführt, der noch bestimmt wird. Ziel ist es, Talente auf das nächste Level zu führen und ihre Chancen auf Einsätze in der National League zu erhöhen. Ein bewusst etwas schlankeres Kader soll zudem ermöglichen, dass Junioren wertvolle Eiszeit im Fanionteam erhalten. (rst.)