Opfikons Bundesfeier im Spagat zwischen Tradition und Innovation

Thomas Güntert

Auf der Mettlenwiese in Opfikon pflegte die Bundesfeier Bewährtes und wagte zugleich Neues. Fünf Opfikerinnen und Opfiker erzählten, was ihnen der 1. August bedeutet – und eine Umfrage offenbart Uneinigkeit übers Gründungsjahr.

Die Alphornbläser- und Fahnenschwingervereinigung Zürcher Unterland eröffnete bereits am Freitagabend mit elf Alphörnern und vier Fahnenschwingern die Bundesfeier und sorgte für eine stimmungsvolle folkloristische Kulisse. Anschliessend brachte Nico Arn mit Rock-, Pop- und Countrymusik das Festzelt in Schwung, in dem erstmals wieder eine grosszügige Tanzfläche aufgebaut war.

Der eigentliche Nationalfeiertag begann vor dem ökumenischen Zeltgottesdienst traditionsgemäss mit Kaffee und Zopf. Während das Trio Glauser zur Mittagszeit in der Festwirtschaft für musikalische Unterhaltung sorgte, bildete am Abend die Augustrede von Gemeindepräsident Ibrahim Zahiri den offiziellen Höhepunkt der Feierlichkeiten.

Lampions statt Feuerwerk

Wie bereits im Jahr 2022 wurde in diesem Jahr wegen der anhaltenden Trockenheit das Abbrennen von Feuerwerk aller Art wieder verboten. Damit der Lampionumzug dennoch durchgeführt werden konnte, besorgte der Dorfverein Opfikon, der diesen Umzug seit 2012 organisiert, kleine LED-Lämpchen, die gegen die Kerzen ausgetauscht wurden.

Auf das beliebte Höhenfeuer, das insbesondere für die kleinsten Besucher immer das Mega-Event war, musste hingegen verzichtet werden. Als Alternative wurde am Samstag eine Spiderman-Hüpfburg aufgebaut, auf der sich die Kinder austobten, während die Erwachsenen das Festprogramm und das gesellige Beisammensein genossen.

Tief verbunden mit der Heimat

Die Bundesfeier der Stadt Opfikon wird seit 2006 von der «Party Union» organisiert, die im Jahr 2003 von einer Gruppe junger Leute aus Opfikon gegründet wurde. Um die Freizeit gemeinsam zu verbringen, organisiert der Verein regelmässig Mottopartys und Freizeitaktivitäten, wobei die Bundesfeier zu den wichtigsten Aufgaben des Vereins gehört.

«Wir haben unsere Bundesfeier komplett revolutioniert», sagte OK-Präsident Tan Birlesik. Die Organisation sei vereinfacht und das gastronomische Angebot konsequent auf regionale Produkte ausgerichtet worden. Ausgeschenkt wurde ausschliesslich Wein aus den beiden Opfiker Rebbergen, während Fleisch und Wurst von der Stadtmetzgerei stammten. Damit wolle man bewusst das lokale Gewerbe unterstützen.

Erinnerungen an frühere Feste

Für nostalgische Momente sorgten zwei grossformatige Fotocollagen mit Aufnahmen vergangener Bundesfeiern seit 2003. Besonders ehemalige Opfikerinnen und Opfiker, die jeweils eigens für den Nationalfeiertag in ihre frühere Heimat zurückkehren, verweilten lange vor den Bildern und erinnerten sich gemeinsam an frühere Festtage.
 

  

Uneinig über das Gründungsjahr

Wann wurde die Schweiz gegründet? Darüber sind sich Schweizerinnen und Schweizer erstaunlich uneinig. Laut einer Umfrage des Forschungsinstituts Sotomo im Auftrag von Feldschlösschen, über die SRF berichtet, verbindet eine Mehrheit von 52 Prozent die Staatsgründung mit dem Jahr 1848, als die Schweiz zum modernen Verfassungsstaat wurde. Nur 21 Prozent nennen den Bundesbrief von 1291.

Auffällig ist ein Graben zwischen den Sprachregionen: In der Deutschschweiz dominiert 1848 mit 58 Prozent, während in der lateinischen Schweiz der Bundesbrief wichtiger ist. Dort sieht fast jede dritte Person darin den Gründungsmoment der Eidgenossenschaft. Studienleiter Michael Hermann bezeichnet das als erstaunlich, war der Bundesbrief doch eine reine Deutschschweizer Angelegenheit. Gegenüber SRF erklärt er: «In der Romandie, in der italienischsprachigen Schweiz herrscht eher ein mythologisches Geschichtsbild und die Deutschschweizer sehen eher sachlich darauf.» (red.)

 


Von Patriotismus bis Rösti-Pragmatismus


Was bedeutet der 1. August den Opfikerinnen und Opfikern? Unser Redaktor Thomas Güntert hat sich auf der Mettlenwiese umgehört.

Tan Birlesik, Opfikon:
«Von 2003 bis 2018 war ich bereits Präsident der Party Union und bin es aus der Not heraus schon wieder geworden. Es ist eine allgemeine Entwicklung in der Vereinslandschaft, dass es immer weniger Leute gibt, die sich in einem Verein engagieren. Der Nationalfeiertag erinnert uns immer wieder daran, wie wertvoll der Zusammenhalt ist. Gerade in unserer Stadt, wo Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenleben, sind Begegnungen wichtig. Ein Nationalfeiertag darf Freude machen, besonders in Zeiten, in denen wir immer wieder viel Negatives hören und lesen.»

Doris Aebersold, Glattbrugg:
«Ich gehe jedes Jahr an die Bundesfeier. Und wenn es einmal geregnet hat, dann hat man halt die Stiefeli angezogen, das gehört einfach dazu. Ich finde es gut, dass der Veranstalter ausschliesslich Wein ausschenkt, der aus den hiesigen Rebbergen stammt, von denen einer gleich neben dem Festgelände ist. Man kann doch nicht Werbung für das Regionale machen und dann Wein aus Australien anbieten. Auch die Idee mit dem Raclette, das dieses Jahr erstmals angeboten wird, gefällt mir sehr gut. Man muss halt schauen, wie das bei den Leuten ankommt. Wem es nicht schmeckt, der muss es ja auch nicht essen. Und wenn es nicht läuft, dann macht man aus den Gschwellten am nächsten Tag halt Rösti.»

Erica Ariger, Glattbrugg:
«Ich finde es gut, dass für ganz Opfikon ein Feuerverbot erlassen wurde. Gerade bei der aktuellen Trockenheit ist das nur vernünftig. Es ist nicht einfach ein generelles Verbot wie zum Beispiel bei der Fasnacht, sondern eine notwendige Massnahme wegen der aktuellen Brandgefahr. Dass sogar das Grillieren mit offenem Feuer auf Balkonen und Terrassen verboten ist, finde ich richtig. Es sollte keine Ausnahmen geben: verboten ist verboten, Punkt. Von mir aus könnte man sogar die ganze Raketenknallerei endgültig verbieten. Das braucht es wirklich nicht. Ich bin allerdings gespannt, ob sich am Ende wirklich alle daran halten werden.»

Esther Jäger, Opfikon:
«Der 1. August ist der Geburtstag der Schweiz, und dieser Tag bedeutet mir sehr viel, wenn natürlich nicht ganz so viel wie mein eigener Geburtstag. Morgen am eigentlichen Nationalfeiertag lasse ich den Zmorge und den Gottesdienst ausfallen, komme aber wieder zum Mittagessen vorbei. Besonders gelungen finde ich die Idee mit den Pagern, die auf dem Tisch piepsen, sobald die Essensbestellung fertig ist. Damit haben sich die Organisatoren wirklich etwas Gutes einfallen lassen. Man kann zuerst gemütlich etwas zu trinken holen und anschliessend auf das Essen warten, ohne lange in einer Schlange anstehen zu müssen.»

Urs Winterberg, Opfikon:
«Ich bin ein richtiger Patriot und der 1. August bedeutet mir sehr viel. Wir sollten dazu stehen, dass wir Eidgenossen sind, und froh darüber sein. Und das sollte man auch zeigen. Obwohl ich mit einigen Entscheidungen in Bern oben meine Mühe habe, bin ich mit unserem Land eigentlich sehr zufrieden. Ich ärgere mich besonders über die unnötigen Importe, die in unser Land eingeführt werden. Wir haben gute Fabriken und fleissige Bauern, die wir mehr unterstützen sollten. Aber natürlich, es gibt bei der Regierung und einigen Sesselhockern immer wieder etwas, über das man sich ärgern oder reklamieren kann.»