Opfiker Regisseur gewinnt wichtigen Film-Award

Laura Hohler

Der Filmregisseur Hae-Sup Sin aus Opfikon hat mit seinem Kurzfilm «Ban Dal» den First Steps Award für den besten Kurzfilm gewonnen.

Ein grosser Erfolg für den Opfiker Hae-Sup Sin: Der 1991 geborene schweizerisch-koreanische Regisseur wurde am Montagabend in Berlin mit dem First Steps Award in der Kategorie Kurzfilm ausgezeichnet. Der Preis ist mit 10'000 Euro dotiert. Die First Steps Awards zählen zu den bedeutendsten Auszeichnungen für Abschlussfilme an Film- und Kunsthochschulen im deutschsprachigen Raum. «Ich war überwältigt und sehr dankbar», sagt Hae-Sup Sin. Mit dem Preis habe er nicht gerechnet.

Eine Geschichte über zwei Mütter<o:p></o:p>

«Ban Dal» – koreanisch für «Halbmond» – erzählt die Geschichte der Schweizerin Annette, die ihren adoptierten Sohn nach Südkorea begleitet, damit er dort seine leibliche Mutter kennenlernen kann. Das Wiedersehen konfrontiert die beiden Mütter mit unausgesprochenen Gefühlen, alten Wunden und der Frage, was es wirklich bedeutet, Mutter zu sein. Der Kurzfilm zeigt die kulturellen Unterschiede und Missverständnisse, die zwischen Schweizern und Koreanern entstehen können. Diese zeigen sich bei einem gemeinsamen Essen, das von vielen Spannungen und seltsamen Momenten geprägt ist. Der 21-minütige Film entstand als Diplomfilm im Masterstudiengang Regie Fiktion an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Sin schrieb das Drehbuch und führte auch Regie. Im Film übernimmt er zudem selbst eine Rolle und probiert sich als Schauspieler. Der Ausflug in die Schauspielerei sei für ihn aber eine einmalige Angelegenheit und der Tatsache geschuldet, dass es schwierig gewesen sei, jemand Passendes zu finden.

Die Jury der First Steps Awards lobte insbesondere die Verbindung von Erzählung und visueller Umsetzung. «Ban Dal» lasse Raum für Fragen nach Zugehörigkeit, kulturellen Unterschieden und Identität, heisst es in der Jurybegründung. «Für den Film habe ich sehr viel Recherche betrieben und mit adoptierten Koreanern gesprochen», so der Regisseur. Die Inspiration für seinen Film war ein Dokumentarfilm, den er vor einigen Jahren gesehen hat. Sin erinnert sich an eine Reportage des Schweizer Fernsehens über eine aus Nordkorea stammende Frau, die als Kind von einer Schweizer Familie adoptiert worden war und später selbst nach Korea zurückkehrte. Besonders beschäftigte ihn die Frage, was eine solche Geschichte für die beiden Mütter bedeutet – die leibliche Mutter und die Adoptivmutter. Aus diesem Gedanken entwickelte sich schliesslich der Stoff für ihren eigenen Film. «Diese kurze Dokumentation hat mich sehr berührt», sagt Sin. Auch sein eigenes «Zwischen den Kulturen Sein» habe ihm dabei geholfen. Der Film wird Mitte November im Schweizer Fernsehen und auf Play Suisse erscheinen. Für die Recherche führte der Regisseur Gespräche mit adoptierten Menschen und Frauen mit ähnlichen Erfahrungen. Dabei lernte sie auch eine koreanische Frau kennen, die selbst eine Adoption erlebt hatte. Die persönlichen Begegnungen halfen ihm, die Geschichte weiterzuentwickeln und sich den Figuren nicht nur aus einer theoretischen, sondern auch aus einer menschlichen Perspektive zu nähern.<o:p></o:p>

Bereits international erfolgreich<o:p></o:p>

Mit «Ban Dal» konnte Sin bereits vor dem First Steps Award auf sich aufmerksam machen. Am Palm Springs International ShortFest wurde der Film als bester Studentenfilm mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Zudem lief er am renommierten Karlovy Vary International Film Festival. Auch in früheren Arbeiten setzte sich Sin mit Fragen von Herkunft und Identität auseinander, da das Thema auch seine eigene Biographie stark prägte. Als Kind koreanischer Eltern wuchs er in der Schweiz auf und lebte zwischen zwei Kulturen. Sein Kurzfilm «Unfamiliar Familiar» aus dem Jahr 2022 erzählt ebenfalls von einer Schweizerin, die während der Corona-Pandemie nach Südkorea reist und dort mit ihrer Vergangenheit und ihrer eigenen Identität konfrontiert wird. Für die Dreharbeiten musste Sin damals zwei Wochen in Isolation - eine der Auflagen damals. Für den Regisseur ist der First Steps Award damit ein weiterer wichtiger Schritt in seiner noch jungen Filmkarriere. Er arbeitet derzeit an seinem ersten Langspielfilm «Some Korean Summer» mit einer Zürcher Produktionsfirma. Geplant ist eine schweizerisch-koreanische Koproduktion, die mehrheitlich in Korea und teilweise in der Schweiz gedreht werden soll.