Opfiker Chor feiert Comeback

Dennis Baumann

Der Chor «l’arco baleno» ist nach dreieinhalb Jahren Pause zurück. Unter dem Titel «Connect» präsentierten die Sängerinnen und Sänger ein A-cappella-Programm voller Abwechslung, bei dem das Publikum mitmachen konnte.

Sonntagabend, kurz vor 17.30 Uhr, noch ein letztes Stühlerücken in der Aula des Schulhauses Bubenholz: Hinten im Saal werden eilig ein Dutzend zusätzliche Plätze aufgestellt. Der zweite Konzertabend des Ad-hoc-Chors «l’arco baleno» ist mit 140 Zuhörerinnen und Zuhörern besser besucht als erwartet.

Es reicht trotzdem nicht für alle. ­Einige Besucher verfolgen den Abend stehend in der letzten Reihe, ein paar wenige sogar vom Foyer aus. Der Weg hat sich auch für sie gelohnt. Denn Chorleiter Norbert Zeller und sein bunt gekleidetes Ensemble liefern einen Abend, der mit stehendem Applaus endet.

Unter dem Motto «Connect» steht das musikalische Programm ganz im Zeichen von Nähe, Verbindung und Gemeinschaft. «A Million Dreams» aus dem Musical «The Greatest Showman» eröffnet den Abend warm und getragen.

Er wird durchzogen von weiteren Hitsongs wie A-has «Take on Me» in der Pentatonix-Version mit komplexer Mehrstimmigkeit oder Pharrell Williams’ «Happy», das die Füsse des Publikums zum Mitwippen bringt.

Mal stehen alle 29 Sängerinnen und Sänger gemeinsam auf der Bühne, mal nur eine Handvoll. Die Lichtshow wechselt mit der Stimmung – weich und blau, dann wieder leuchtend bunt, passend zum Namen des Chors: «l’arco baleno» ist italienisch und bedeutet Regenbogen. Entsprechend vielfältig ist auch das musikalische Programm.

Nur zwei Monate Vorbereitungszeit

Das Motto «Connect» entstand aus Norbert Zellers Wunsch, nach dreieinhalb Jahren Pause wieder zusammenzufinden. Zwei Drittel des Chors kennt Zeller noch, ein Drittel kam neu dazu. Für den Chorleiter steckt im Titel aber noch mehr: ­«Einerseits muss man als Sänger mit sich selbst in eine Verbindung gehen. Dann mit den anderen Sängern. Und letztlich mit dem Publikum», erklärt der Chorleiter. «Musik ist kein Selbstzweck. Sie verbindet.»

Die Vorbereitungszeit war mit zweieinhalb Monaten knapp. Einmal pro Woche Probe, dazu einzelne Wochenendeinsätze. Jedes Chorprojekt durchläuft dabei drei Phasen: Noten lernen, musikalische Feinarbeit, Bühnenperformance.

«Ich traue den Sängerinnen und Sängern viel zu, und im Gegenzug vertrauen sie auch mir. Dadurch ist mehr möglich, als man denkt», sagt er.

Als Studentenprojekt angefangen

1992 gründete Zeller «l’arco baleno» noch während seiner Ausbildung zum Chorleiter am Konservatorium Zürich, als er den Auftrag erhielt, ein Chorprojekt zu erarbeiten. Fündig wurde er bei einem aufgelösten Gospelchor in Kloten – und aus diesem Studentenprojekt wurde ein Chor, der bis heute aktiv ist.

Sein Prinzip bleibt unverändert: kein festes Ensemble, sondern ein Ad-hoc-Chor aus einer Liste von rund 350 Sängerinnen und Sängern aus dem Grossraum Zürich. Wer Zeit hat, meldet sich an. Je nach Projekt singen zwischen 20 und 70 Personen mit. Dabei legt Zeller die Songliste immer zuerst fest, bevor er die Sängerinnen und Sänger anfragt, und passt das Programm gegebenenfalls nochmals an. Dieses Mal waren wenige Männer dabei, weshalb er zu Beginn der Vorbereitungen zwei bis drei Stücke ersetzen musste.

Das Publikum gibt den Takt an

Zurück in der Aula: Beatboxer Tobias Felix tritt allein vor das Publikum und zeigt, wie aus dem Mund ein Schlagzeug wird. Er erklärt, wie mit «P»- und «K»-Lauten Kick und Snare gemacht werden, und studiert mit dem Publikum kurzerhand ­einen Rhythmus ein. Während das Publikum den Takt angibt, betritt der Chor die Bühne und singt dazu Queens «We Will Rock You» an.

Mit ruhigen und emotionalen Songs klingt der Abend schliesslich aus, bis das Publikum die Sängerinnen und Sänger mit tosendem Applaus belohnt.

«Es war eine super Stimmung», freut sich Zeller nach dem Konzert. «Das Publikum war genial. So macht es Freude, Musik zu machen.» Von dieser positiven Resonanz beflügelt, ist das nächste Chorprojekt für kommendes Jahr bereits in Planung.

Bunt wie der Regenbogen präsentieren sich Lieder und Kleidung des Projektchores. Bilder Dennis Baumann

Tobias Felix' Instrument ist sein Mund.

Chorleiter Norbert Zeller verlangt viel.

Gwunderbrunnen

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