Neuer Lebensraum für bedrohte Mauersegler und Gelbbauchunken
Zehn Jahre nach dem Zusammenschluss des Opfiker und Walliseller Naturschutzvereins schafft der Verein neuen Lebensraum für bedrohte Arten wie Mauersegler und die Gelbbauchunke. Zum Jubiläum lädt der Verein zu Anlässen ein.
«Sri sri sri», ertönt es schrill, und die flinken Mauersegler jagen um die Häuser und über die Felder. Dieses uns wohlbekannte sommerabendliche Bild ist nicht mehr selbstverständlich. Weil dem Mauersegler an neuen oder renovierten Häusern schweizweit zunehmend kleine Nistmöglichkeiten unter dem Dach fehlen, hat damals noch Ruedi Schlatter mit dem Natur- und Vogelschutzverein Opfikon sieben Nisthilfen im Chappeleturm im Dorf aufgehängt. Mauersegler fanden die Kästen und begannen im Turm zu brüten.
Zeitgleich mit dem Zusammenschluss des Opfiker und Walliseller Naturschutzvereins im Jahr 2015 konnte die Kolonie auf 17 Kästen erweitert werden. Im Sommer 2025 zählte Ueli Kräutli sagenhafte 35 flügge Jungvögel im Turm, ein Rekord. Zur Feier des Jubiläums erweitert der Verein nun die Kolonie mit zehn Nistkästen. Schon jetzt lassen sich weitere Sommerabende mit den charakteristischen Sri-Rufen erwarten.
Wenn Lebensraum fehlt
Bei anderen Tieren muss man nicht lange warten, bis sie aus den Winterquartieren kommen. Sobald die Temperaturen in der Nacht etwas über 5 Grad steigen und es regnet, beginnen die ersten Amphibien wie Erdkröten, Grasfrösche und Molche, zu ihren Laichgewässern zu wandern. Seit 1850 sind jedoch über 90 Prozent der
Feuchtgebiete in der Schweiz verloren gegangen. Sogenannte Unkenwannen können naturnahe Laichgewässer für Amphibien darstellen. Die stark gefährdete Gelbbauchunke zum Beispiel ist auf solche temporären Gewässer angewiesen.
Neues Habitat auf dem Plateau
Die Stadt Opfikon hat im Winter 2021/22 an anderen Stellen erfolgreich Unkenwannen erstellt. Bereits im ersten Frühling konnten einzelne Gelbbauchunken und sogar Laich nachgewiesen werden. Die Gelbbauchunken brauchen ein Netz aus Tümpeln. So können Individuen zu- und abwandern und sich mit den Beständen in Kloten, Dietlikon und Bassersdorf vermischen.
Deshalb hat der Naturschutzverein kürzlich auf dem Opfiker Plateau ein Amphibienhabitat erstellt. Die verdankenswerte Hilfe des Opfiker Landwirts Bruno Maurer mit seinem Lehrling Rony Scheiwiller und einem Traktor war sehr willkommen. Es galt schliesslich, die Mulden für die Wannen zu schaufeln, Steine als Versteckmöglichkeiten und Ausstiegshilfen hinzutragen und Asthaufen für die Überwinterung der Amphibien zu bauen. Ein herzlicher Dank geht auch an die Stadt Opfikon, auf deren Land das Habitat erstellt werden durfte.
Vorsicht bei Spaziergängen
Wer Amphibien beobachten möchte, geht an einem etwas wärmeren, regnerischen Märzabend im Dunkeln spazieren, bitte mit einem schwachen Licht und der nötigen Vorsicht. Denn bei günstigen Bedingungen befinden sich Erdkröten, Grasfrösche oder Bergmolche häufig auf den Wegen.
Die Gelbbauchunke und ihr Lebensraum Die Gelbbauchunke gilt gemäss Roter Liste als stark gefährdet. Sie ist nördich der Alpen verbreitet und erscheint im Mai an ihren Laichgewässern. Die Eier werden auf den Gewässerboden gelegt, die Nahrung besteht vorwiegend aus Insekten und Würmern. Als Lebensraum bevorzugt sie vegetationsarme Tümpel, nutzt aber auch stärker bewachsene Gewässer und wassergefüllte Fahrspuren. Entscheidend für die Entwicklung der Kaulquappen ist das Fehlen von Räubern wie Libellenlarven oder Gelbrandkäfern. Geeignete Teiche sollten deshalb periodisch austrocknen oder gefrieren; solche temporären Gewässer gilt es zu erhalten oder neu zu schaffen. |
Engagement mit langer Tradition
Der Naturschutzverein Mittleres Glattal (NVMG) wurde 2015 aus dem Zusammenschluss des Natur- und Vogelschutzvereins Opfikon und des Naturschutzvereins Wallisellen gegründet. Beide Vorgängervereine blicken auf eine über 80-jährige Geschichte zurück und wurden einst von der lokalen Bauernschaft ins Leben gerufen. Engagierte und interessierte Opfiker und Walliseller setzen sich gemeinsam für die Natur vor der Haustür ein.
Der Verein veranstaltet Anlässe und Exkursionen, führt eine Jugendgruppe, betreut Nisthilfen für Mehlschwalben, Mauersegler und weitere Arten, hilft bei der praktischen Pflege im Naturschutzgebiet Moos in Wallisellen mit und pflegt eigene Hochstammobstbäume in Wallisellen.
Wer die einheimische Natur kennenlernen und die Biodiversität fördern möchte, kann die Anlässe besuchen, dem Verein beitreten oder den Newsletter abonnieren. Auch im eigenen Garten, auf dem Balkon oder an der Fassade lässt sich die Biodiversität fördern.
Kleiner Ausschnitt aus dem Jahresprogramm
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