Kultur unter freiem Himmel statt festem Kino

Damjan Bardak, Pia Meier

Der Familienabend am Opfiker Open-Air-Filmfestival hat am Samstag mit «Hoppers» ein grosses und auch junges Publikum angelockt. Das Temporär-Kino trotzt damit dem Kinosterben.

Ein festes Kino sucht man in Opfikon, seit 1980 das Bel-Air schloss, lange vergebens. Umso wichtiger ist für die Stadt das Open-Air-Filmfestival, das heuer zum zweiten Mal in Folge im Freizeitbad stattfand. Der angestammte Standort beim Schulhaus Mettlen, wo das Festival seit 1992 stattfindet, wird derzeit umgebaut.

Bereits eine Stunde vor Beginn des Films «Hoppers», der am Familienabend gezeigt wurde, fanden sich einige Familien im Freizeitbad Opfikon ein. «Wir ­haben aus dem Besuch des Films einen kleinen Event gemacht und hier gleich noch gegessen», meinte die Familie mit Leonie und Annina, welche die fünfte beziehungsweise sechste Klasse besuchen. Aber auch Familien mit kleineren Kindern waren anwesend, obwohl der Film erst um 21 Uhr begann. «Einmal im Jahr ist es okay, wenn es so spät wird», meinte ein Vater. Zudem sei es ja Samstag und am Sonntag könnten sie ausschlafen. «Ausnahmsweise darf meinte siebenjährige Tochter Annike so lange aufbleiben», meinte Franca Kopperger, die aus Berlin bei einer Familie in Opfikon zu Besuch weilte. Auch Simon und Habib, 6- und 7‑jährig, freuten sich auf den Film. So lange aufzubleiben sei kein Problem. «Wir waren letztes Jahr schon am Familienabend des Opfiker Open-Air-Filmfestivals. Und es hat uns sehr gefallen», meinte die Familie von Tamino und Amalia. Gute Kinderfilme seien im Übrigen auch etwas für Erwachsene.

Viele kommen nur hierher ins Kino

Viele Anwesende kannten den Film nicht. Ins Kino gehen die meisten Gefragten nicht. «Das Freilichtkino ist etwas Besonderes.» Sie kamen exklusiv an den Fami­lienabend und sahen keinen der anderen Filme des Festivals. Unter den Anwesenden war auch ein Paar ohne Kinder. «Ich arbeite in der Badi», erklärte die Frau. Zudem seien sie Fans von Animationsfilmen.

Das Festival präsentiert jeweils eine sorgfältige Auswahl an Filmen, die sowohl internationale Blockbuster als auch hiesige Produktionen umfasst. Das Konzept mit den vier Filmen zu unterschiedlichen Themen – Schweizer Film, sozialkritischer Film, Actionfilm und Familienabend – habe sich bewährt. «Wir planen so weiterzufahren, der Ort ist aber noch offen», so Kathrin Balimann von der Kulturkommission. Nach Fertigstellung der Bauarbeiten im Schulhaus Mettlen würden sie eventuell dorthin zurückkehren. Noch sei aber alles offen.

Organisiert wurde das Festival von der städtischen Kulturkommission, finanziert grösstenteils durch die Stadt Opfikon selbst; ein Teil der Kosten wird über die Eintrittsgelder gedeckt. Bei den Besucherzahlen rechnete die Stadt mit einem ähnlichen Niveau wie in den Vorjahren – konstantes Interesse also, wobei die Zahlen wetterabhängig schwanken, da das Festival im Freien stattfindet.

Die Stadt betont, dass das Filmfestival nicht als Ersatz für ein stationäres Kino zu verstehen sei, sondern als eigenständiges kulturelles Angebot, das Filmkultur unmittelbar vor Ort erlebbar mache, während weitere Kinoangebote im Glattal und im Grossraum Zürich gut erreichbar blieben. Konkrete Bestrebungen, ein fes­tes Kino in der Stadt anzusiedeln, seien der Kulturkommission nicht bekannt.

Talsohle durchschritten?

Zu den Ursachen des schweizweiten Kinosterbens wollte sich die Stadt Opfikon mangels eigener Erhebungen nicht äussern. Die Zahlen der Branche sprechen dennoch eine deutliche Sprache: 2025 sanken die Kinoeintritte in der Schweiz erstmals seit Beginn der Statistik 1980 unter die Marke von zehn Millionen, ein Rückgang von rund 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein Minus von 24 Prozent im Vergleich zum letzten Jahr vor der Pandemie. Als Hauptgründe gelten laut Kinobranche mehrere Faktoren gleichzeitig: ein zeitweise ausgedünntes Angebot an amerikanischen Blockbustern infolge der Hollywood-Streiks, steigende Ticket- und Verpflegungspreise sowie die wachsende Konkurrenz durch Streamingdienste. Hinzu kommt eine strukturelle Verschiebung – nicht die Zahl der Kinosäle insgesamt schrumpft am stärksten, sondern vor allem kleine Einzelsäle in den Städten geraten unter Druck, während sich das Publikum zunehmend auf grössere Multiplex- und Premiumformate konzentriert. 2026 zeichnet sich ­allerdings auch eine gewisse Erholung ab, mit deutlich steigenden Eintritten im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahr. Vor diesem Hintergrund gewinnt ein Anlass wie das Opfiker Filmfestival zusätzlich an Bedeutung: Es bringt Kino dorthin, wo es sonst keines gibt – wenn auch nur für vier Abende im Jahr.

Veranstalter sind zufrieden

Die Kulturkommission als Veranstalterin zeigte sich denn auch einigermassen zufrieden mit dem 33. Opfiker Open-Air-Filmfestival. «Der Andrang hängt nicht nur vom Film, sondern auch vom Wetter ab», hielt Balimann fest. So war der Film am Freitag, als es stark regnete und kühl war, mit etwa 40 Personen bedeutend schlechter besucht als die anderen Filme. Am meisten Zuschauende wurden beim Film «Ewigi Liebi» registriert: Um die 100 Personen liessen sich begeistern. Der Familienabend war aber ähnlich gut besucht.

 

Gwunderbrunnen

27.08.2026 - 09:00
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