Kommentar: «Liebe Mitgliederinnen»

Daniel Jaggi

«Die zur Wiederwahl stehenden Mitgliederinnen und Mitglieder des Verwaltungsrats ...»: So beginnt ein Abschnitt in der offiziellen Pressemitteilung der Flughafen Zürich AG zur Generalversammlung.

«Liebe Mitgliederinnen»; das tönt irgendwie komisch, passt aber ins heutige Schema, in dem alles und jedes gendergerecht formuliert werden muss. Doch hier hat die Flughafen-PR-Truppe zu einem Höhenflug abgehoben, der sie in Sphären führte, die es so gar nicht gibt. Denn das Wort Mitglied ist nach wie vor ein Neutrum  und bezeichnet sowohl Frauen als auch Männer. So zumindest die Meinung des Dudens. Aber wenn schon Mitglieder gendern, dann bitte korrekt: So lesen wir in der Pressemitteilung von Mitgliederinnen und Mitgliedern. Dazu muss man wissen: Durch das Anhängen von -er, also Mitglieder, wird das Wort männlich. Korrekt wäre bei der weiblichen Form das Anhängen von -in, also Mitgliedin, im vorliegenden Pluralfall also Mitgliedinnen. Aber seien wir ehrlich: Das ist Nonsens. Nonsens deshalb, weil sich die geschriebene Sprache immer nach der gesprochenen Sprache richtet und nicht umgekehrt.

 

«Wenn schon Mitgliederinnen, dann bitte Mitgliedinnen.»

Daniel Jaggi, Redaktor

 

Bestes Beispiel dafür ist Gästin. Denn gemäss Duden wäre Gästin als femi­nines Pendent zu Gast korrekt. Nur, es wird heute nur noch ganz selten verwendet, weshalb es in Vergessenheit geriet, und es wird schon gar nicht mehr geschrieben. Zu finden war Gästin aber schon im Grimm’schen Wörterbuch, dem umfassendsten Wörterbuch der deutschen Sprache, das 1838 ins Leben gerufen wurde.