Kloten zeigt Aufwärtstrend, aber die Effizienz fehlt noch
Zuschauerrekord am Familientag, lange Ausfälle bei Prassl und Hausheer und ein Abgang auf Ende Saison: die Neuigkeiten rund um den EHC Kloten.
Das Training der Vorwoche wurde dank des für einmal nicht im Programm stehenden Dienstagsspiels intensiv genutzt, um losgelöst vom personellen Engpass an Automatismen und Herangehensweisen zu arbeiten und das Mindset unabhängig von Führung oder Rückstand im Spiel zu festigen.
Das Publikum goutierte gegen den EV Zug das engagierte Defensivverhalten und das unnachgiebige Backchecking mit Szenenapplaus.
Junge machen Fortschritte
Näher zusammenstehen sowie hartnäckige und frühe Störarbeit waren auch in Davos das Rezept gewesen, um eine Negativserie von sieben Spielen zu beenden. Bemerkenswert trat dabei Klotens 17-jähriger Verteidiger Laurin Rupli auf, der von zahlreichen Experten für seine Abgeklärtheit auch unter Druck explizit gelobt wurde.
Klotens Trainer Michael Liniger betont denn auch: «Leistung und Einsatz stimmten. Und die Jungen machen eine starke Entwicklung durch. Rupli spielte in Davos ein unglaubliches Spiel. Und Elia (Linigers Sohn, Anm. d. Red.) übernahm gegen Zug und einen sehr guten Gegner viel Verantwortung auf dem Eis. Das sind die positiven Zeichen, die es zum Mitnehmen gilt.» Sie seien in einem Prozess, in dem es wichtig sei, jeden Tag mit einem positiven Mindset anzugehen und durchzuziehen. Gleichwohl bleibe es für das aktuelle Kloten schwierig, in dieser Liga Punkte zu gewinnen. Gegen Zug liess die Powerplay-Effizienz zu wünschen übrig. Aus 9:27 Minuten in Überzahl resultierte kein Ertrag. Im Powerplay ist man das Schlusslicht der National League, während man im Boxplay die Nummer vier der Liga ist. Allerdings hat man auch einige Tore unmittelbar nach Ende des Penaltykillings kassiert.
Gegen Zug hatte Petteri Puhakka mit seinem bereits achten Saisongoal zwischenzeitlich zum 1:1 ausgeglichen. In Davos erzielte Mischa Ramel mit dem 2:1 den Gamewinner und gleichzeitig sein erstes Saisontor.
Weibel: «Es fehlt nicht mehr viel»
Stürmer Keijo Weibel gilt als einer der verlässlichen Schwerarbeiter im Klotener Ensemble, dessen Wert weniger nach Skorerpunkten als vielmehr an seiner Teamarbeit gemessen und geschätzt wird. Der 25-jährige Flügel findet, «dass nicht mehr viel fehlt, aber immer noch etwas. Und daran müssen wir arbeiten und damit einen Weg finden, die Spiele auf unsere Seite zu kehren.» Zug sei gegen Klotens Forechecking anfällig gewesen. Dies hätte man noch entschlossener ausnützen sollen. Seine eigene Rolle im Team habe sich durch die Verletztenliste nicht gross verändert. «Und schliesslich erhält dadurch auch jeder die Chance, noch mehr Verantwortung übernehmen zu können.»
In der Woche ohne Dienstagsspiel sei sehr gut gearbeitet worden. «Wir gingen alles nochmals durch. Es ging da auch darum, wieder auf dem Eis noch geschlossener zu sein, um sich gegenseitig besser unterstützen zu können. Ziel war auch, die Turnovers abzustellen, die uns in den vorangegangenen Partien Probleme bereitet hatten. Und das ist nun auch in den letzten zwei Spielen gelungen.»
Als nächsten Schritt vorwärts fordert Weibel, «das Spiel einfach halten und Chancen effizienter nutzen». Weiter positiv, konzentriert und geduldig zu bleiben, sei elementar. «Denn wir wissen, dass es kehren und gut kommen wird.»
Fadani zuletzt viermal in Folge in Klotens Tor
Seit seiner Rückkehr von der Verletzungspause stand Davide Fadani (25) in vier Spielen in Folge als Klotens Nummer 1 im Tor. Die etatmässige Nummer 1, Reto Berra (39), hatte drei Spiele in Serie aus gesundheitlichen Gründen verpasst und war danach am Sonntag der Back-up von Fadani. «Ich gehe immer davon aus, dass derjenige, der zu 100 Prozent fit ist, auch imstande ist, 100 Prozent Leistung zu bringen. Dies war Berra zuletzt nicht möglich.»
Deshalb war Fadani auch am Freitag in Davos im Tor. «Aber logisch sollen sich die beiden auch gegenseitig challengen», sagt Liniger dazu. Fadani habe sich seine vier Spiele in Folge verdient und verfüge auch über das Vertrauen des ganzen Teams. «Das spürt man. Er ist ein Rückhalt, der uns in jedem Spiel die Chance ermöglicht, zu gewinnen», betont Liniger. Bei den beiden Gegentoren gegen Zug war Fadani machtlos, der dritte EVZ-Treffer war ein Empty Netter.
Berra könnte nun aber am Freitag gegen Ambri-Piotta wieder als Startgoalie fungieren. Anschliessend folgen für Kloten zwei Duelle gegen Lausanne: am Samstag im Waadtland und am Dienstag dann die Revanche vor eigenem Publikum.
Lauri Marjamäki: «Es war kein normales Spiel für mich»
Michael Linigers Trainervorgänger bei Kloten, Lauri Marjamäki, war am Ende der letzten Saison überraschend als Headcoach zum EV Zug gewechselt. Der EVZ bezahlte wegen des noch laufenden Vertrags von Marjamäki eine Ablösesumme für den früheren finnischen Nationaltrainer. Marjamäki gab nach dem ersten Wiedersehen in der Swiss Arena zu: «Es war kein normales Spiel für mich. Ich hatte viele gute Erinnerungen hier gemacht und mochte es sehr, hier zu arbeiten. Aber am Ende war ich glücklich, dass wir dieses enge Spiel gewannen.» Sein einstiges Insiderwissen über Kloten habe keine Rolle mehr gespielt, «da das Team ja nun von neuen Leuten gecoacht wird». Kloten verfüge über ein gut besetztes Team, habe aktuell aber grosses Verletzungspech zu beklagen.
In Kürze
Zuschauer-Saisonrekord am Nachwuchs-Game
Mit 5879 Zuschauern verzeichnete der EHC Kloten am letzten Sonntag gegen Zug die bislang grösste Heimspiel-Kulisse in der laufenden Saison. Der Familien- bzw. Nachwuchstag mit der frühen Sonntagsanspielzeit (14 Uhr) erwies sich einmal mehr als Besuchermagnet.
Länger ohne Prassel und Hausheer
Raphael Prassl (Verdacht auf Kreuzbandriss) und Leandro Hausheer (Schulter) fallen langfristig aus. Verteidiger Hausheer dürfte wohl frühestens im Januar wieder einsatzfähig sein. Bei Stürmer Prassl wäre eine Rückkehr vor Saisonende schon eine grössere (positive) Überraschung. In Davos fiel Verteidiger Noah Delémont nach einem gegnerischen Check verletzt aus, konnte dann aber am Sonntag gegen Zug wieder spielen. Dafür hat Zugs Lukas Bengtsson im Finish der Partie in Kloten einen Wadenbeinbruch erlitten und fällt mehrere Monate aus.
Die nächsten Rückkehrer
Simon Meier, Michael Hügli und Joel Henry könnten in nächster Zeit zurückkehren, teilweise wohl erst nach der Länderspielpause Mitte November.
Wolf nächste Saison beim EVZ
Abwehrspieler Bernd Wolf (29) spielt ab nächster Saison beim EV Zug. Er verlässt am Saisonende die Flughafenstädter nach drei Saisons. Der österreichische Nationalspieler mit Schweizer Lizenz unterschrieb beim EV Zug einen Dreijahresvertrag.