Kloten will noch ins Play‑in stürmen
Defensiv kompakt und offensiv entschlossen: Der EHC Kloten befindet sich im Endspurt der Qualifikation in seiner formstärksten Phase der Saison – und dürfte heute Donnerstag bereits den Ligaerhalt sichern.
Mit vier aufeinanderfolgenden Siegen erreichte man bereits eine Saisonbestmarke. In diesem Flow ist für den Tabellenzwölften in den letzten drei Qualifikationsspielen gar das Play‑in (Top-Ten-Klassierung) in Sichtweite. Der Rückstand auf das zehntklassierte Biel beträgt nur drei Punkte, jener auf Bern (9.) fünf Zähler. Die Mannschaft spielt mit klarer Struktur und stabiler Defensive.
Drei der vier jüngsten Erfolge realisierte das Team von Lauri Marjamäki nach der Olympia-Pause. Auf das 3:1 im Heimspiel gegen die SCL Tigers folgte 24 Stunden später, am letzten Samstag, ein verblüffendes 2:0 beim bereits als Qualifikationssieger feststehenden HC Davos. Die Neuzugänge Pontus Aberg (32) und Joel Henry (22) erzielten die Treffer zum Coup bei den Bündnern.
Trickli aus der Zauberkiste
Für die beiden bis auf weiteres aus der ZSC-Organisation gekommenen Stürmer war es jeweils das erste Saisontor im dritten Spiel. Abergs Führungstreffer zum 1:0 war ein Kunststück im Stick- beziehungsweise Puckhandling. Mit einem blitzschnellen Rückzug der Scheibe und verzögertem Abschluss düpierte, ja narrte der schwedische Stürmer die Gegner – und schloss eiskalt ab. Später glänzte Aberg auch noch als Vorbereiter des Powerplay-Tores zum 2:0 von Henry. Für Davos war es erst das zweite Mal in der laufenden Saison, dass der Leader daheim ohne Punkte blieb.
Herausragend hielt zudem Goalie Ludovic Waeber, der 24 Paraden zeigte und seinen Shutout unter anderem im Finish mit einem abgewehrten Penalty sicherstellte. Am Vorabend hatte Waeber bereits beim 3:1-Heimsieg gegen die SCL Tigers eine erstklassige Leistung geboten. In der Schlussphase parierte er nicht nur einmal stark mit der Schulter, sondern dem Freiburger wäre gar fast das 4:1 gelungen, als die Langnauer ohne Torhüter agierten und Waebers Weitschussversuch in der neutralen Zone gerade noch von einem Langnauer mit der Hand abgefangen werden konnte.
Stark in der Überzahl
Drei der fünf Tore erzielte Kloten am letzten Wochenende in Überzahl, nachdem man davor in Bern noch mit einem makellosen Boxplay in drei Situationen geglänzt hatte. Das 2:1-Siegestor von Axel Simic am Freitag steht sinnbildlich für die aktuelle Entschlossenheit – keine Kompromisse. Bei seinem wuchtigen Abschluss liess er dem zuletzt so viel gepriesenen Langnauer Keeper Robin Meyer keine Abwehrchance. Das zweite Klotener Tor in Davos erzielte der spielstarke Joel Henry ebenfalls im Powerplay.
«Alle im Team wissen, was jeder Einzelne macht, und so ist auch das gegenseitige Vertrauen gross. Mit dieser Taktik können wir jedes Team schlagen.»
Es war erst der zweite Treffer des ehemaligen ZSC-Stürmers in der National League. Der 1,73 Meter grosse Henry verstärkt bei Kloten nun die damit siebenköpfige Unter-1,75‑Meter-Garde, aus der sich abwechslungsweise Unterschiedsspieler herauskristallisieren: die Verteidiger Steve Kellenberger (1,73 m) und Dario Sidler (1,71 m) sowie die Stürmer Tyler Morley (1,73 m), Keijo Weibel (1,74 m), Mischa Ramel (1,68 m) und Axel Simic (1,74 m). Sie alle stehen für Tempo, Wendigkeit und Spielintelligenz – und sind physisch dennoch robust bis giftig im Zweikampfverhalten.
Integration auch abseits vom Rink
Henry schilderte gegenüber dem «Klotener Anzeiger» (der Schwesterzeitung des «Stadt-Anzeigers» aus dem gleichen Verlag) seinen Eingewöhnungsprozess ins Team während der Olympia-Pause: «Die Jungs nahmen mich gut auf. Ich fand rasch heraus, wie das Team tickt. Mit dem Trainer schaute ich das Playbook an. So ging es relativ schnell.» Der vorerst bis zum Saisonende befristete Wechsel von den ZSC Lions zu Kloten sei innerhalb von zwei bis drei Tagen fixiert worden. Henry war zuletzt nur noch in der Swiss League bei den GCK Lions zum Einsatz gekommen. Von daher kann der Wechsel für ihn nun zum Karriere-Booster werden.
Er habe sich schon auf sein neues Umfeld mit dem Teamgeist und den coolen neuen Mitspielern gefreut: «Ich hatte sehr viel Gutes über das Team-Innenleben von Kloten gehört, vor allem von Mischa Ramel, den ich schon lange gut kenne.» Und nach der kurzen Zeit sieht er Ramels Einschätzung und die jeweils positive Integration neuer Spieler bestätigt. «Es hat hier keine verschiedenen Grüppchen, es ist wirklich ein ganzes Team hier. Das wirkt sich auch auf dem Eis aus. In der ersten Woche der Olympia-Pause wurde ich bereits gefragt, ob ich auch mitkomme an die Fasnacht in Bassersdorf. Das fand ich megaschön, dass man mich gleich mitnahm.» Es sei lustig, «aber nicht allzu wild» gewesen, und teilweise in Kostümen.
Ein Playoff-Spiel nach dem anderen
Zurück auf dem Eis sagt Henry: «Alle im Team wissen, was jeder Einzelne macht, und so ist auch das gegenseitige Vertrauen gross. Mit dieser Taktik können wir jedes Team schlagen.» Und ja, sie hätten sich sechs Siege nach der Olympia-Pause vorgenommen. Die Hälfte ist bereits geschafft. Auch für Pontus Aberg ist klar: «Wir versuchen noch, so viele Spiele wie möglich zu gewinnen. Jedes Spiel für uns ist aktuell ein Playoff-Spiel. Dessen sind wir uns bewusst.»
Bereits im Vorjahr war Aberg für den Saisonrest engagiert worden, damals kam er von den Lakers – und realisierte dann durchschnittlich einen Punkt pro Spiel bei elf Begegnungen. «Für mich brauchte es keine grosse Eingewöhnung, da ich das Team und das Innenleben bereits kannte und mir immer noch viele Spieler aus der Vorsaison bekannt waren. Die Umstellung war auch deshalb leicht, weil ich weiter in derselben Wohnung wohne und meine Tochter weiter in die gleiche Schule gehen kann.» Es sei einfach ein Wechsel von einem Rink zum anderen gewesen. «Für mich geht es einfach darum, Hockey spielen zu können. Aber hier treffe ich auch noch auf ein eng verbundenes Team. Und jeder spricht Englisch.»
Stolz erarbeiten als Zielsetzung
Das Startdrittel vor zwei Wochen in Bern (1:13 Torschüsse) sei noch schlecht gewesen. Von da an seien sie sich bewusst gewesen, dass eine massive Steigerung notwendig sei – am Ende siegte man dort mit 2:1 nach Verlängerung. Seinen Auftrag bei Kloten sieht er erneut darin, sein Bestes zu einer Maximal-Performance des Teams beizutragen. Mit seinem spektakulären Gamewinner in Davos ist ihm dies in seinem dritten Spiel für die Flughafenstädter bereits eindrücklich gelungen. Das Spielsystem in Kloten sei gut, «denn jeder fühlt sich darin wohl». Es sei nun nicht mehr relevant, was zuvor in der Saison bei Kloten gewesen sei an Resultaten, solange sie nun einen maximal guten Finish hinlegten – «und dann auf etwas zurückblicken können, das uns stolz macht».
Kein Zweifel: Für Kloten geht es nun nicht mehr primär um Schadensbegrenzung, sondern um maximale Ausbeute. Das Team spielt mit Selbstvertrauen, Klarheit und Überzeugung. Und plötzlich ist mehr möglich als nur der Ligaerhalt. Nun liegt es an den Flughafenstädtern, das Momentum weiterzutragen und aus einer starken Phase eine famose Wende zu machen.
EHC in Kürze
Verteidiger Profico nähert sich seiner Tor-Bestmarke
Leandro Proficos 1:0 gegen die SCL Tigers war bereits dessen fünftes Saisontor. Damit nähert sich der 36‑jährige Verteidiger-Veteran seinem Regular-Season-Torbestwert. In der Saison 2020/2021 realisierte der Bündner gar sechs Tore (und total 21 Skorerpunkte) für die Rapperswil-Jona Lakers. Mit Noah Delémont reihte sich beim Sieg gegen die SCL Tigers ein zweiter Verteidiger unter die Torschützen ein; der Seeländer erzielte das 3:1.
Nur noch eine Import-Position offen für die nächste Saison
Bei Kloten ist für die kommende Saison nur noch eine Import-Position zu besetzen. Konkret geht es um die vierte und letzte Sturmposition. Verteidiger Max Lindroth sowie die Stürmer Petteri Puhakka und Brandon Gignac verfügen über bis 2027 weiterlaufende Verträge. Als Neuverpflichtungen stehen bislang der finnische Stürmer und Rückkehrer Arttu Ruotsalainen sowie der schwedische Verteidiger Simon Johansson fest. Goalie Reto Berra sowie Center Raphael Prassl und Stürmer Michael Hügli sind fixe Schweizer Zuzüge für die nächste Saison.
Die Ausgangslage für den EHC Kloten
Drei Runden vor Ende der Qualifikation sind nur die Positionen 1 (Davos) und 2 (Freiburg) sowie 14 (Ajoie) bereits fix. Wenn Kloten die Siegesserie in den verbleibenden Spielen – heute bei den siebtklassierten Rapperswil-Jona Lakers, am Samstag daheim gegen den für die Top 6 und damit für einen direkten Playoff-Platz feststehenden Vierten Lugano und am Montag zum Abschluss beim aktuellen Fünften Genf – weiterzieht und auf sieben aufeinanderfolgende Siege kommt, liegt der Vorstoss in die Top Ten und damit die Play‑in-Teilnahme in extremis noch drin.
Zug hatte 2008 mit der bislang imponierendsten Siegesserie (10) noch die Playoffs erreicht und dann im Viertelfinal Qualifikationssieger Bern ausgeschaltet.
Ein Punktgewinn von Kloten heute gegen die Lakers würde wohl fast garantiert bereits die Vermeidung des Playouts einbringen. Der Vorsprung auf den Vorletzten Ambri-Piotta beträgt sieben Punkte. Bei Punktgleichheit wäre Kloten wegen der wohl klar besseren Tordifferenz aus allen Qualifikationsspielen vor den Leventinern klassiert, da die vier Direktduelle (6:6 Punkte) ausgeglichen endeten.
Steve Kellenberger im Rampenlicht
Der mit Saisonende als Spieler zurücktretende Captain Steve Kellenberger (39) wird am Samstag beim letzten Heimspiel der Regular Season gegen Lugano ausgiebig geehrt, auch wenn seine Saison noch weitergeht und seine wertvollen Dienste weiterhin benötigt werden. Klotens Eigengewächs und Rekordspieler hat 19 seiner 21 Profisaisons für die Zürcher Unterländer absolviert und ist Rekordspieler beim fünffachen Schweizer Meister. Mehr Pflichtspiele (Cup und Meisterschaft) in den obersten zwei Spielklassen zusammengerechnet – inklusive Swiss League zwischen 2018 und 2022 – hat kein anderer Akteur in Klotens Klubgeschichte für die Flughafenstädter absolviert. Der in den letzten Jahren so gut wie nie fehlende Kellenberger gilt als Identifikationsfigur schlechthin. In der nächsten Saison wird er als U18‑Headcoach in der Organisation verbleiben. (rst.)
EHC-Tickets zu gewinnen
Der «Klotener Anzeiger» und der «Stadt-Anzeiger» verlosen in jeder Ausgabe 2× 2 Sitzplatztickets der ersten Kategorie und 1× 2 Tickets der zweiten Kategorie für die Heimspiele. Diesmal werden Tickets für das Spiel von Samstag, 7. März, gegen den HC Lugano verlost.
Wer gewinnen möchte, sendet ein E‑Mail mit Betreffzeile «Lugano» bis heute um 18 Uhr mit vollständiger Postadresse an:
redaktion@kloteneranzeiger.ch
Die Benachrichtigung der Gewinner erfolgt am Freitagmorgen um 9 Uhr.