Kirchgemeindeversammlung Opfikon sagt Ja zur Fusion

Roger Suter

Die reformierte Kirchgemeindeversammlung empfiehlt die Fusion mit Kloten und Wallisellen überdeutlich zur Annahme. Wie in Kloten äusserte auch hier das Pfarrteam Bedenken, tendiert aber zu einem Ja.

Auch nach mehreren Informationsveranstaltungen zum Thema war das Interesse gross: 30 von rund 1980 Stimmberechtigten – damit deutlich mehr als üblich – nahmen an der ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung vom Mittwoch vergangener Woche teil. Diese sollte eine Empfehlung für die Urnenabstimmung am 14. Juni liefern, wo die stimmberechtigten Mitglieder über eine Fusion mit den Nachbargemeinden Kloten und Wallisellen befinden sollen.

Damit sie das gut informiert tun können, erläuterte nicht nur Peter Gysel, der den Prozess als externer Berater begleitet, noch einmal Hintergrund und Resultat der bisherigen, rund drei Jahre dauernden Fusionsvorbereitung (siehe Artikel unten). Auch die Rechnungsprüfungskommission nahm Stellung: Man habe seinerzeit «mit Erstaunen» von der Fusionsidee Kenntnis genommen, sagte deren Präsident Peter Bührer, da die RPK offenbar keinen Anlass dafür sah: Die Finanzen der wie viele andere leicht schrumpfenden Kirchgemeinde sind dank vieler Firmen, die über Erwarten Steuern zahlen, intakt. Doch nach den Vorarbeiten habe die RPK feststellen können, dass die Finanzplanung mit hoher Professionalität vorgenommen worden sei. Sie selbst habe insbesondere die Planrechnung der künftigen Kirchgemeinde unter die Lupe genommen, welche die zuständige Arbeitsgruppe anhand der tatsächlichen Rechnungen erstellt hat. Der vorgeschlagene Steuerfuss von (für Opfikon unverändert) 8 Prozent sei plausibel sowie realistisch und sichere den Fortbestand der Kirchgemeinde. Auch erachtet die RPK die professionelle Organisation und ebenso das Personalwesen positiv und empfiehlt einstimmig ein Ja.

Wie schon in Kloten (siehe Artikel online und unten) meldete auch in Opfikon das zweiköpfige Pfarrteam Bedenken an, beschränkte seine Überlegungen aber auf sein Kerngeschäft, Gemeinde und Theologie. «Wir finden, dass möglichst alle möglichst viel profitieren sollten», sagte Pfarrerin Corina Neher an der Versammlung. Möglicherweise negativ auswirken würden sich die geänderten Strukturen der ums Doppelte gewachsenen Kirchgemeinde: grössere Teams, längere Entscheidungswege. «Den Ausbau der Angebote und die Festlegung der Schwerpunkte muss man gut durchdenken und absprechen», so Corina Neher. Chancen sieht das Pfarrteam in den Synergien und der Möglichkeit, Ressourcen anders zu verteilen. Grössere Teams brächten auch eine grössere Vielfalt an Ideen hervor. Mehr Mitglieder würden ein grosses und abwechslungsreiches ­Angebot ermöglichen, ein vergrösserter Pfarrkonvent ein breiteres theologisches Spektrum, das viele verschiedene Personengruppen ansprechen könnte. «Ich persönlich tendiere trotz der Risiken zu einem Ja», so Pfarrerin Corina Neher.

Keine Opfiker-Quote in der ­Kirchenpflege

In der Fragerunde war dann auch die ­Zusammensetzung der neuen, voraussichtlich achtköpfigen Kirchenpflege ein Thema. Das sei noch nicht im Detail ­geklärt, erläuterte der Klotener Kirchenpflegepräsident Peter Reinhard, der als Gast zugegen war. «Natürlich werden wir darauf achten, möglichst aus allen Gemeinden Kandidierende zu finden», sagte Reinhard. Das Festschreiben eines Schlüssels sei aber rechtlich nicht möglich: «Alle müssen wählbar sein.»

So informiert schritten die Anwesenden fast aller Altersgruppen zur Abstimmung. Kirchenpflegepräsidentin Brigitta Steinemann konnte 26 Ja-Stimmen zählen, 1 Nein und 3 Enthaltungen. Das Verdikt ist wie erwähnt nur eine Empfehlung an die Stimmberechtigten, die am 14. Juni an der Urne über den eigentlichen Zusammenschlussvertrag abstimmen werden, der in den nächsten Wochen fertig ausgearbeitet wird. Heissen sie ihn gut, vervollständigen die Vorstände die neue Kirchgemeindeordnung, über die dann am 29. November 2026 abgestimmt wird.

Bei einem Ja finden am 28. Februar 2027 die Wahlen für die neue Kirchenpflege statt (eventueller zweiter Wahlgang am 6. Juni 2027), und am 1. Januar 2028 würde die neue, grosse Kirchgemeinde «in Betrieb gehen». Allerdings sei das Zusammenwachsen dann noch nicht abgeschlossen, betonte Berater Peter Gysel auch an diesem Anlass (siehe unten).

Die Eckpunkte der Fusion in Kürze

«Reformierte Kirche an der Glatt», einer von 44 Vorschlägen eines Namenswettbewerbs, soll die neue Gemeinde heissen, was etwa in Kloten vereinzelt für Stirnrunzeln sorgte. Doch tatsächlich grenzt auch die Flughafenstadt ganz im Westen ans Glattufer.

Grundsätze der fusionierten Kirchgemeinde:

  • Bibel im Zentrum als Symbol für ein reichhaltiges und vielfältiges Angebot
  • Strebt Wachstum an mit Raum zur Entwicklung
  • Beteiligung der Mitglieder und Offenheit für Mitgestaltung
  • Lokale Verankerung, Würdigung lokaler Gegebenheiten
  • Aktivitäten an allen Standorten («Die Kirche bleibt im Dorf»)
  • Generationengerechtes Angebot basierend auf christlichen Werten
  • Innovation und gleichzeitig Beibehaltung von Bewährtem
  • Ausbau der Angebote in Wallisellen und Opfikon
  • Pflege der Gastfreundschaft, Gastgeberin an jedem Standort
  • Zusammenwachsen im Dialog mit nötiger Zeit
  • Professionelle Organisation gemäss dem Geschäftsleitungsmodell
  • Attraktive Arbeitgeberin
  • Verwaltungssitz und amtlichen Sitz in Kloten

Theologische Ausrichtung:

  • Liberal, offen und – besonders Wallisellen und Opfikon – multikulturell orientiert. Alltagsnahe und praxisorientierte Glaubensvermittlung von der Jugendarbeit bis zur Ausbildung.

Angebot:

  • Kein Leistungsabbau (einschliesslich Erhalt der Pfarrstellen)
  • Ausgewogenes Angebot in allen Orten
  • Begegnungsstätten bieten/schaffen
  • Schwerpunkte setzen