Kampf dem sprachlichen Endgegner

Claudia Rothlin

Zehn Wochen lang war «Der Elefant im Personalladen – Sprichwörter und Redewendungen wie Strand am Meer» in den Top Ten der Bestsellerliste. Der Walliseller Autor Edi Estermann präsentierte das Werk nun zusammen mit Illustrator Frank Baumann vergangene Woche im «8304».

Eigentlich ging dem Abend eine Panne voraus: Der Laptop mit der PowerPoint-Präsentation war zuerst vergessen gegangen, hatte es aber dann doch noch rechtzeitig ins «8304 Altes Feuerwehrgebäude» geschafft. Und dann stand dem Vergnügen nichts mehr im Weg. Es war weniger eine Lesung im klassischen Sinn, sondern vielmehr ein Plausch unter Freunden. In einem lockeren Gespräch präsentierten Autor Edi Estermann und Buchillustrator Frank Baumann eine Auswahl der im Buch versammelten Abwandlungen von bekannten Sprichwörtern und Redewendungen mitsamt der begleitenden Illus­trationen.

Aber einfach nur dasitzen und sich einlullen lassen war nicht. Nein, das Pu­blikum war angehalten, aktiv mitzuraten: Manchmal musste es die tatsächlichen Sprichwörter und Redewendungen aus den verballhornten Varianten herausschälen, manchmal anhand der Illustrationen die verunfallte Version erraten. Als Hauptpreis winkte ein rosa Plüschelefant.

Knifflige Sprachbeherrschung

«Sprichwörter sind der Endgegner der Sprache», erklärte Edi Estermann gleich zu Beginn. Denn anhand deren Beherrschung zeige sich, wie gut man eine Sprache gemeistert hat. Vielfach kämen diese Sprüche deshalb von Personen mit Migrationshintergrund. Einige der Schöpferinnen und Schöpfer waren zum Teil auch im Publikum anwesend.

Im Buch «Der Elefant im Personal­laden» sind 444 dieser Sprichwörter und Redewendungen vertreten, die Estermann im Laufe der Zeit zusammengetragen hat. Begonnen hat die Sammelleidenschaft von Edi Estermann, der seit 13 Jahren mit seiner Partnerin in Wallisellen wohnt,  mit einem Spruch einer Freundin der Familie: Grazia war so fleissig, dass sie die Hitparade entsprechend anführt. Heute haben sich praktisch alle daran gewöhnt, dass Estermann regelmässig sein Handy zückt und einen Spruch notiert – damit auch ja nichts vergessen geht. Die Freude am Sammeln macht er auch an seinem Berufsfeld, der Kommunikationsbranche, fest: «Ich arbeite mit der Sprache und dann achtet man auf solche Sachen. Wenn es heisst ‹Das Leben ist kein Ponyschlecken› oder ‹Ich weiss, wo der Hase hängt›, dann merkt man, dass etwas schräg ist – und ich habe dann einfach begonnen, es aufzuschreiben», erklärt Estermann weiter.

Die S2 als Fundgrube

Aber nicht nur des Freundes- und Bekanntenkreises bedient sich der Autor. Eine weitere besondere Fundgrube sind auch mitgehörte Gespräche im Zug: «Die S2 ist dabei besonders ergiebig», findet Frank Baumann, der vor allem als TV-Moderator bekannt ist. Dieser hat mit seinen Illus­trationen eine besondere Note beigesteuert. Dafür hat er den Stift jeweils ganz hinten gehalten, um das Endprodukt aussehen zu lassen, als hätte es ein Siebenjähriger gemalt. «Das war schon hart, wenn man sonst eigentlich gerne schön zeichnet», so Baumann.

Zwischendurch wurde die Raterunde durch autobiografische Exkurse aufgelockert. So gab es eine Reise in die Kindheit von Edi Estermann als Bauernbub im Luzernischen sowie Einblicke in die Medienwelt und als Kommunikationschef des Eurovision Song Contest inklusive einiger Anekdoten von und über Berühmtheiten.

Begeisterung allenthalben

Dieser Abend bester Unterhaltung war nach knapp anderthalb Stunden zu Ende. Das Besondere an Abenden wie diesen sei, dass sie eigentlich wie eine privates Treffen seien und die auch davon leben, dass das Publikum mitmacht.

Letzteres bekam entsprechend auch Lob vom dynamischen Duo auf der Bühne. «Es wurden Sprichwörter erraten, die bisher noch kaum je ein Publikum erraten hat, zum Beispiel ‹Das Luder nicht überladen› – Wallisellen war diesbezüglich ganz toll!», meinte Estermann zum Abschluss. Und auch das Publikum war hell begeistert, wenn man dem Schlussapplaus nach urteilt.

Gwunderbrunnen

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