Junioren drängen ins Rampenlicht
Der EHC Kloten wurde nach den ersten zwei Siegen in den ersten zwei Spielen mit der starken Heimpremiere gegen Lugano (5:2) durch Verletzungspech und auch resultatmässig ausgebremst. Dafür sammeln immer mehr Eigengewächse wertvolle National-League-Spielpraxis.
Krass betrüblich ist indes, dass Klotens Verletztenliste bereits neun Spieler umfasst. Das verbleibende Team um Headcoach Michael Liniger ist nun maximal gefordert. Beim 5:2-Sieg im vorletzten Heimspiel gegen Lugano und beim 3:4 nach Verlängerung bei Ajoie standen bei Kloten nur vier Ausländer auf dem Eis, ehe gegen Bern (1:4) der neu verpflichtete finnische Stürmer Joona Luoto (1 Assist)sein Debüt für Kloten gab.
Headcoach Michi Liniger betonte indes schon vor dessen Verpflichtung: «Dass wir teilweise mit vier Ausländern spielten, war in der Mannschaft nie ein Thema. Der Star ist das Kollektiv.» Die Devise auf dem Eis ist klar: Füreinander kämpfen und sich aufopfern.
Die Produktivität der nur vier seit Saisonbeginn ununterbrochen spielenden Imports ist derweil deutlich höher als zum gleich frühen Saisonzeitpunkt des Vorjahres: Der finnische Rückkehrer und imponierende Powerplay-Goalgetter Arttu Ruotsalainen (3 Tore/3 Assists) ist nach vier Spielen der viertbeste Skorer der Liga, sein schwedischer Teamkollege und Verteidiger Max Lindroth weist unmittelbar dahinter ebenfalls sechs Punkte auf (2 Tore).
«Man muss ready sein mit dem Kopf, es geht hier alles viel schneller. Da kannst du nicht schlafen.»
Und der zweite schwedische Verteidiger Simon Johansson beispielsweise erzielte gegen Lugano mit dem 1:0 sein erstes Tor auf Schweizer Eis. Auch das 2:0 leitete Johansson ein: Sein Abschluss aus der Distanz wurde von Raphael Prassl abgelenkt. Für den von Lausanne gekommenen Center war es das erste National-League-Tor seit April 2025.
Puhakka mit viel Selbstvertrauen
Und mit vier Toren der erfolgreichste Goalgetter bei Kloten ist der wiedererstarkte Petteri Puhakka. Er hatte in der vergangenen Saison bei Kloten nach einem starken ersten Qualifikationsdrittel deutlich abgebaut. Nun wirkt der finnische Stürmer wieder wie verwandelt. In den ersten drei der bislang vier Spiele realisierte der 25-Jährige vier Tore. «Ich habe im Sommer an gewissen Sachen gearbeitet, um das Selbstvertrauen besser zu steuern. Und jetzt will ich so weiterspielen, wie es mir zum Saisonstart gelungen ist.»
Konkret feilte er exzessiv an seinen Abschluss-Skills «aus allen erdenklichen Positionen und Situationen», wie er gegenüber dem «Klotener Anzeiger» ausführte. Zudem verfüge er in Arttu Ruotsalainen und Dario Meyer oder am Dienstag gegen Bern (1:4) mit Mischa Ramel über exzellente Sturmpartner. Vorab im Powerplay deuteten Puhakka und Ruotsalainen ihren Wert fürs Team schon deutlich an.
Puhakka sagt über seinen finnischen Landsmann Ruotsalainen: «Arttu ist sehr erfahren. Ich kenne ihn vom Nationalteam her.» Und: Jeder bei Kloten könne gut im System spielen, egal wie viele Imports auf dem Eis stünden.
Obschon Puhakka mit Lauri Marjamäki (zu Zug) in Kloten einen Headcoach aus seinem Heimatland verlor, zeigt er sich über die Zusammenarbeit mit dem neuen Schweizer Cheftrainer Michael Liniger begeistert: «Er pusht und vertraut uns gleichzeitig. Ich mag seine Art sehr.» Klotens Headcoach gibt die Blumen gerne zurück: «Petteri hat immer hart gearbeitet. Jetzt wird er belohnt dafür.»
Puhakka zeigt sich derweil auch von Linigers 18-jährigem Sohn Elia und dessen flotter Unbekümmertheit auf dem Eis angetan. «Es ist keine Überraschung für mich, dass er auf diesem Level bereits bestehen kann. Denn er war mir schon in der Vorsaison bei Trainings als begabter Junior aufgefallen.»
Elia Liniger nutzt seine Chance
Linigers Sohn Elia empfindet es als Privileg, «hier mittun zu können. Und von den Spielern, die schon länger für Kloten im Fanionteam spielen, etwas mitnehmen.» Er merkte rasch: «Man muss ready sein mit dem Kopf, es geht hier alles viel schneller. Da kannst du nicht schlafen.» Voller Einsatz in jeder Shift und dabei Struktur bewahren. Darauf achtet er.
Das erste Saison-Vorbereitungsspiel im Dress vom Partnerteam Thurgau gegen Kloten (2:3 n. V.) erwies sich für Elia Liniger als Dosenöffner, zumal er gegen Kloten traf. «Damals wollte ich mich vor allem aber in erster Linie mal bei Thurgau beweisen in den zweieinhalb Wochen, in denen ich dort vor Ort arbeitete. Da dachte ich noch nicht, dass ich dann später gar bei Kloten zu Eiszeit kommen würde.»
Rupli jüngster Saison-Debütant
Die Chance bei Kloten hätte er aufgrund der Verletzungssituation in Kloten erhalten. Mitgegeben sei ihm in Kloten worden, mutig und frech zu spielen. «Und überzeugt von mir selbst zu sein.» Jetzt will er versuchen, möglichst konstant zu bleiben und nicht nachzulassen. Für den Hauptteil der Saison und seiner Entwicklung ist Elia Liniger in der U21-Elit von Kloten vorgesehen. Sporadische Einsätze in der Swiss League beim Partnerteam Thurgau sind momentan nicht vorgesehen. Nicht minder bemerkenswert als Elia Liniger ist der Einbau eines anderen Teenagers und Eigengewächses aufgrund der Personalknappheit: Der erst 17-jährige Verteidiger Laurin Rupli hatte am Samstag im Pruntrut als bislang jüngster Spieler der aktuellen National-League-Saison debütiert. Der Schweizer U18-Nationalspieler stand gegen Bern 9:21 Minuten auf dem Eis.
Direkt nach zwei erfolglosen Powerplays des EHC Kloten leitete der SC Bern die Wende ein. Jeweils auf Vorarbeit des ehemaligen Klotener Topskorers Miro Aaltonen traf der Schwede Emil Bemström zum 2:1 für den SCB im Startdrittel und zum 3:1 zum Auftakt des Mitteldrittels. Dabei hatte Kloten in seinen ersten drei Meisterschaftsspielen noch selbst vier Torerfolge aus acht Überzahlspielen verzeichnet.
Meyer: «Fantastische Arbeit»
Gleich acht Spieler figurierten bei Kloten auf der Verletztenliste gegen Bern. Nach dem Spiel gegen Ajoie am Samstag (3:4 n. V.) kamen noch Verteidiger Bernd Wolf, die Stürmer Michael Hügli und Joel Henry sowie der gegen die Jurassier überzeugend gewesene Nummer-2-Goalie Davide Fadani dazu. Brandon Gignac, Pontus Åberg, Dario Sidler und Simon Meier fehlten davor bereits verletzungsbedingt. Und im Schlussdrittel gegen Bern fiel bei Kloten auch noch Verteidiger Leandro Hausheer mit Verdacht auf eine Schulterverletzung im Schlussdrittel aus. Dafür gab gegen den SCB Cyril Keller, der 20-jährige Center aus den eigenen Reihen, sein Saisondebüt und der neue finnische Stürmer Joona Luoto stand erstmals für Kloten auf dem Eis. Captain Dario Meyer fühlt Kloten trotz den jüngsten Rückschlägen auf dem richtigen Weg. Er bezeichnet die Arbeit des neuen Trainer-Staffs um Cheftrainer Michael Liniger gegenüber einem Reporter der Nachrichtenagentur Keystone-SDA als «fantastisch, was sie jeden Tag hier einbringen. Das färbt auf uns Spieler ab. Es wird noch mehr fruchten. Und ein Schweizer Headcoach tut sehr gut und er vermag auch die Ausländer top abzuholen.
Apropos abholen: Youngster Rupli sieht sich selbst vorab von dem für die Defensive zuständigen Ex-Nationalstürmer Marcel Jenni bestens gecoacht», wie er gegenüber dem «Klotener Anzeiger» betont. Und in den ersten zwei Spielen hätte er coole Erfahrungen gesammelt, neue Teamkollegen kennengelernt. «Schnell spielen, einfache Entscheide fällen, vorausschauend agieren. Darauf fokussierte ich mich», sagte der U21-Elit-Junior zu seinen bisherigen Auftritten. «Jenni ist eine unglaubliche Hilfe für mich. Er gibt mir sehr viel Vertrauen. Und er weiss immer eine Antwort auf jede Frage.»
In Kürze
Erstes Saison-Derby gegen die ZSC Lions
Für Kloten geht es Schlag auf Schlag weiter: Heute Donnerstag folgt bereits das nächste Heimspiel mit der Partie gegen den EHC Biel, der nach der 3:4-Heimniederlage gegen das verblüffend gut in die Saison gestartete Ambri-Piotta (2.) Punkte benötigt. Schliesslich folgt am Samstag in Zürich bereits das erste Saison-Derby gegen die nach vier Spielen noch einzig verlustpunktlosen ZSC Lions. Am Dienstag folgt dann das Auswärtsspiel in Genf. Genf-Servette wies nach vier Spielen zwei Zähler weniger auf als das nach Pluspunkten fünftklassierte Kloten.
Zwillinge Meier bis 2029 bei Kloten
Die Zwillinge und Klotener Eigengewächse Rafael und Simon Meier (21) verlängerten ihre Verträge beim EHC Kloten erwartungsgemäss. Die Kontrakte der beiden Stürmer laufen neu bis 2029. Rafael Meier bestritt nach einer Verletzungspause sein erstes Saisonspiel gegen Lugano, Simon muss verletzungsbedingt noch einige Wochen darauf warten.