Jazz am See begeistert trotz Hitze

Dennis Baumann

Zwei Abende lang verwandelte sich der Opfikerpark wieder in eine Bühne unter freiem Himmel: Jazz am See lockte trotz Hitze und Fussball-WM zahlreiches Publikum an. Doch über die Zukunft des Open Airs ziehen Gewitterwolken auf.

36 Grad zeigt das Thermometer am Samstagabend. Vor der Lärmschutzwand im Opfikerpark ist es anfangs noch ruhig. Wer in dieser Hitze freiwillig vor die Tür geht, will es sich gut überlegt haben.

Doch gegen 19 Uhr, als die Sonne tiefer rutscht, setzt eine stille Wanderung ein: Richtung Foodtrucks, wo sich Schlangen bilden, Richtung Beachvolleyballfeld, wo die ersten sich auf Festbänken und Liegestühlen gemütlich machen. Dann legt die Band «north-Z» los und der Park erwacht.

Jazz, House und eine Feuershow

Jazzig und bluesig schwingt sich der Abend ein. «north-Z» spielt sich durch Standards wie «Fever» von Peggy Lee, biegt in Blues- und Jazzvariationen von Eric Claptons «Layla» ab und reiht weitere Klassiker an. Direkt vor der Bühne toben vor allem Kinder im Sand, ganz unbeeindruckt von Tonart oder Takt. Mit jeder sinkenden Gradzahl und jedem Meter Schatten strömen mehr Leute nach.

Nach dem ersten Set gibt es eine Premiere: Feuershow-Künstlerin Anna Goriachko betritt mit brennenden Fackeln den Platz und zieht eine Viertelstunde lang alle Blicke auf sich.

Kaum sind die Flammen erloschen, übernehmen DJ Jamie Lewis und Sängerin Billie Brown mit treibenden Jazz-House-Beats und souliger Stimme. Jetzt ist es vorbei mit der ruhigen Jazz-Atmosphäre. Richtige Partystimmung macht sich breit. Jung und Alt tanzen ausgelassen auf dem Beachvolleyballfeld in den Sonnenuntergang.

Tausende Gäste trotzen der Hitze

Die Besucherzahl fiel tiefer aus als im Vorjahr. Über die drei Tage hinweg rechnet Sascha Zimmermann, Mitglied im Organisationskomitee, mit zwischen 3 000 und 4 000 Besucherinnen und Besucher. Letztes Jahr seien noch mindestens 4 000 Gäste erwartet worden. Er macht dafür die extreme Hitze verantwortlich, aber auch die Fussball-WM: «Die Leute sind dann eher drin.»

Kulinarisch gab es Neues zu entdecken. Erstmals stand ein Güggeli-Stand auf dem Gelände und statt Burger gab es Pizza. Ein Foodtruck-Betreiber sagte allerdings kurzfristig ab, weshalb insgesamt ein Stand weniger als sonst vor Ort war. Sämtliche Foodtrucks stammen aus der Region Zürcher Unterland oder direkt aus dem Quartier.

Sponsoren werden rar

Hinter den Kulissen wird die Organisation zunehmend schwieriger. «Sponsoren zu finden, war dieses Jahr sehr hart», sagt Zimmermann. Viele Firmen würden nur noch grosse Events unterstützen oder stellten einen Anforderungskatalog, der für ein Freiwilligenteam kaum zu bewältigen sei.

Patronatsträger des Anlasses ist der Quartierverein Glattpark, organisiert wird er jedoch von einem fünfköpfigen OK bestehend aus Matthias Uhl, Massimo D'Agostino, Sascha Zimmermann, Markus Jost und Daniel Jost und der Unterstützung von rund 20 Helferinnen und Helfern. Genau dieses OK wird die Organisation nun abgeben. «Es ist das letzte Mal, dass unser OK das Jazz am See organisiert», sagt Zimmermann.

Crans-Montana wirkt nach

Neben den Sponsoringproblemen nennt Zimmermann einen zweiten, weniger offensichtlichen Grund: die Folgen der Brandkatastrophe in der Silvesternacht in der Bar Le Constellation in Crans-Montana, bei der 41 Menschen ums Leben kamen und über hundert verletzt wurden. Das Unglück hat schweizweit zu strengeren Sicherheitsauflagen für Veranstaltungen geführt – auch für ein vergleichsweise kleines Open Air wie Jazz am See. «Man muss viele Auflagen erfüllen, die früher kein Thema waren», sagt Zimmermann. Als Ehrenamtliche müsse das OK mittlerweile mehrtägigen Aufwand investieren, nur um ein Sicherheitskonzept mit Risikoanalyse zu erarbeiten.

Was früher ein kurz und bündiges Sicherheitskonzept verlangte, deckt heute ein deutlich umfangreicheres Dokument ab: Szenarien für einen Terroranschlag, einen Brand, eine Schlägerei, eine Messerstecherei, dazu Fluchtwege und weitere Notfallpläne.

«Wir müssen ein hundertseitiges Dokument einreichen, das alles abdeckt. Das ist für uns als Freiwillige einfach zu viel Aufwand.» Deshalb sucht der Quartierverein Glattpark nun nach einer Nachfolge. Ob und in welcher Form Jazz am See in den kommenden Jahren weitergeführt wird, ist offen. Die Verantwortlichen hoffen auf Personen oder Organisationen, die den beliebten Anlass im Opfikerpark übernehmen wollen.

 

Das Novum: Anna Goriachko heizte mit ihrer Fackel-Show mächtig ein. Am frühen Abend hatte die Hitze (und vielleicht die Fussball-WM) einen Teil des Publikums noch abgehalten. Bilder Dennis Baumann

Sonne, Musik und Strand –so stellt man sich einen Sommer vor. Der Glattpark bietet mit dem Jazz am See genau das.

«North Z» mit der Opfiker Sängerin Judy Cahannes Begni auf der Opfiker «Seebühne».