«Ich bin eine Party Woman!»

Laura Hohler

Für Agnes Mütsch ist Opfikon seit vielen Jahren ihr Zuhause. Vielen dürfte sie vom Food-Festival bekannt sein, bei dem sie jährlich Spezialitäten aus ihrem Heimatland Tansania kocht.

Die gebürtige Tansanierin Agnes Mütsch ist eine leidenschaftliche Köchin, die mit ihrem Ehemann seit über zwei Jahrzehnten in Opfikon wohnt. Sie hat zwei erwachsene Töchter sowie einen Enkelsohn, welcher mit ihr zusammenlebt. Mütsch arbeitet am Flughafen Zürich in der ­Marhaba Lounge in der Frühschicht. Ihr ­Tagesbeginn ist noch mitten in der Nacht, nach drei Uhr morgens verlässt sie das Haus und fährt zum Flughafen, wo sie bis etwa mittags im Gastrobereich der Lounge arbeitet. «Mir macht der Job grossen Spass, ich bin seit 20 Jahren am Flughafen», sagt Mütsch. Das Team sei grossartig und wie eine zweite Familie für sie geworden. Auch die anstrengende Schichtarbeit und das frühe Aufstehen sei für sie kein Problem. So habe man den Rest des Tages frei.

Der Weg in die Selbstständigkeit

Doch Ende diesen Jahres möchte sich ­Agnes Mütsch komplett selbstständig machen. Vor 12 Jahren hat sie ihr eigenes Kleinunternehmen «Africanspice» gegründet und vertreibt seit dann ihre selbst kreierte scharfe Sauce mit Chili. Ausserdem bietet sie auch einen Catering- und Partyservice an, bei welchem sie alle Gerichte selbst kocht. «Ich liebe gutes Essen», so Mütsch. Doch nun plant sie, einen Foodtruck zu kaufen und sich komplett auf ihre eigene Firma zu fokussieren und zu expandieren.

Regelmässig ist sie auch Teilnehmerin am Food-Festival Opfikon, bei welchem sie ihr bekanntes Curry mit Rindfleisch und Reis kocht. Doch um alles kümmert sie sich nicht alleine. «Ich habe einige Leute, die für mich auf Abruf arbeiten, servieren und den Abwasch machen.» Das Kochen übernehme sie aber von A bis Z selbst, dies sei ihr sehr wichtig. «Ausserdem achte ich auch auf die Qualität meiner Produkte, das ist für mich unabdinglich», berichtet Mütsch. Das Essen aus ­ihrer ostafrikanischen Heimat sei stark von der indischen Küche beeinflusst. Zu Hause koche sie jedoch kaum afrikanisch. «Es ist für mich einfach zu lecker und ich esse dann zu viel», gibt sie lachend zu

Agnes Mütsch ist eine sehr gesellige Frau, die gerne feiert und Zeit mit ihrer Familie und Freunden verbringt. «Ich bin eine Party Woman», sagt sie und lacht wieder. Sie sei sehr kommunikativ und könne gut auf Menschen zugehen. So sei es für sie auch leicht gewesen, als sie in die Schweiz gekommen sei. «Es war für mich eigentlich immer einfach, einen Job zu finden», sagt sie. 1997 kam sie in die Schweiz, 1999 wurde sie Mutter ihrer zweiten Tochter. Als diese in die Primarschule ging, habe sie wieder angefangen zu arbeiten – zuerst in der Zürcher Klinik Hirslanden in der Gastronomie. «Ich wurde von meiner Familie in der Schweiz wie eine Tochter aufgenommen», berichtet Mütsch. «Meine Schwiegereltern sind wie ich katholisch, was uns stark verbunden hat.» Sie sei oft mit ihnen bei der Schwarzen Madonna im Kloster Einsiedeln gewesen. Ihr Glaube sei für sie sehr wichtig und gebe ihr Kraft, sie bete jeden Tag, erzählt Mütsch. Auch dadurch, dass ihre beiden Töchter in der Schweiz in die Schule gingen, lernte sie die Schweizer Kultur und Sprache kennen.

Auswandern war nicht geplant

Obwohl sie ihre Heimat oft vermisste, fühlte sie sich hier zu Hause. «Früher ging ich mit den Kindern jeden Sommer für drei Wochen nach Tansania und im Herbst ging ich zwei Wochen alleine.» Sie habe dort eine grosse Familie, mit fünf Geschwistern sowie vielen Tanten, Onkeln, Cousins und Cousinen. Das Lebensgefühl sei ein ganz anderes als in der Schweiz. Ursprünglich habe sie nie geplant, nach Europa auszuwandern. «Das erste Mal war ich hier, als ich eine Freundin besuchte», so Mütsch. Doch als sie ihren späteren Ehemann kennenlernte, war ihr klar, dass sie bleiben wollte. In Tansania habe sie einen guten Job gehabt, habe viel in der Tourismusbranche, unter anderem auch als Rezeptionistin in einem Hotel, gearbeitet. «Ich habe die Sekundarschule abgeschlossen, danach habe ich an einem College ‹Gemeinschaftsentwicklung für Frauen und Kinder› studiert», sagt die zweifache Mutter.

Wenn sie gerade nicht arbeitet oder kocht, geniesst Agnes Mütsch einen langen Waldspaziergang oder einen Besuch im Schwimmbad in Opfikon. «Ausserdem passe ich viel auf meinen kleinen Enkelsohn auf», sagt sie. Das Ruhige an der Gemeinde sowie die Nähe zu ihrem Arbeitsplatz gefalle ihr besonders gut. Die Nachbarschaft in ihrer Strasse kenne sie mittlerweile seit langer Zeit.

Gwunderbrunnen

28.07.2026 - 10:00
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