Herr Zika, wie steht es um Opfikons Finanzen?
Opfikon budgetiert für 2027 ein Plus von 4,6 Millionen Franken. Bis 2030 will die Stadt jedoch 180 Millionen investieren und rutscht dafür in die Schulden. Finanzvorstand Mathias Zika (FDP) sagt, was passiert, wenn Firmen wegziehen, warum der Steuerfuss bleibt und was ihm am meisten Sorgen macht.
Herr Zika, wie geht es Opfikon finanziell?
Opfikon steht finanziell weiterhin gut da. Wir erwarten eine ausgeglichene Jahresrechnung 2026 und rechnen im Jahr 2027 mit einem Ertragsüberschuss von 4,6 Millionen Franken.
Der Grossteil der Steuererträge stammt von Firmen. Aus der Stadt Zürich ziehen mit Vontobel und Cembra gleich zwei Banken weg. Was tut Opfikon, damit das hier nicht passiert?
Die Unternehmenssteuern sind für Opfikon sehr wichtig. Deshalb setzen wir auf die Faktoren, die wir direkt beeinflussen können: einen stabilen Steuerfuss, effiziente Verwaltungsabläufe und Kontakte mit den Unternehmen. Für den Standort Opfikon spricht zudem die Verkehrsanbindungen mit Flughafen, Bahn und Autobahn sowie die Nähe zur Stadt Zürich.
Und wenn es trotzdem passiert?
Das wäre für Opfikon spürbar. Sinkende Steuererträge führen jedoch gleichzeitig zu tieferen Beiträgen an den kantonalen Finanzausgleich, was die Auswirkungen deutlich abfedert. Solange Opfikon überdurchschnittlich steuerkräftig bleibt, trägt die Stadt nur einen Teil der Ausfälle selbst.
Bis 2030 will die Stadt 180 Millionen Franken investieren, selbst finanzieren kann sie nur 77 Millionen. Woher kommt der Rest?
Nach heutiger Planung sind dank der hohen Liquidität keine zusätzlichen Bankschulden notwendig. Zudem entfällt rund ein Fünftel des Investitionsvolumens auf ein Darlehen von 40 Millionen Franken an die Energie Opfikon AG, das zurückgeführt wird. Über die entsprechende Vorlage wird die Stimmbevölkerung voraussichtlich 2027 abstimmen. (Siehe Box am Ende, Anm. d. Red .)
Ende 2025 hatte Opfikon noch ein Nettovermögen von 14,7 Millionen Franken. Bis 2030 rechnet die Stadt mit einem Haushaltdefizit von 101 Millionen. Rutscht Opfikon in die Schulden?
Nach der finanztechnischen Definition: Ja. Die 101 Millionen Franken sind jedoch kein Defizit der Erfolgsrechnung, denn dort planen wir in den kommenden Jahren weiterhin Überschüsse. Es handelt sich um den Betrag, um den die geplanten Investitionen die selbst erwirtschafteten Mittel übersteigen. Dadurch wird das heutige Nettovermögen abgebaut und bis 2030 entsteht eine Nettoschuld von rund 95 Millionen Franken. In Zeiten ausserordentlich hoher Investitionen in die städtische Infrastruktur ist dies vertretbar, setzt jedoch eine konsequente Priorisierung und Überprüfung aller Vorhaben sowie einen straffen Haushaltsvollzug voraus. Besonderes Augenmerk gilt dabei den stark steigenden Aufwendungen in den Bereichen Schule, Pflegefinanzierung und Soziales.
Der Steuerfuss bleibt bei 94 Prozent. Wann kann er gesenkt werden?
Eine Senkung ist aufgrund der prognostizierten Nettoschuld derzeit nicht angezeigt. Aus der Finanzplanung bis 2030 resultiert ein stabiler Steuerfuss von 94 Prozent.
Wenn Sie auf die kommenden Jahre schauen – was bereitet Ihnen bei den Finanzen am meisten Sorgen?
Die grösste Herausforderung ist die Entwicklung des Nettoaufwands. Insbesondere in den Bereichen Bildung, Pflegefinanzierung und Soziales steigen die Aufwendungen überdurchschnittlich an. Diese Entwicklung muss gebremst werden. Die Erfahrung zeigt, dass die Aufwendungen dauerhaft hoch bleiben, während die Einnahmen deutlich stärker schwanken können. Diese strukturelle Schere gilt es zu schliessen.
Anm. d. Red.: Das Interview wurde schriftlich geführt.
Ein Darlehen für das Wärmenetz kommt an die Urne
Die Stadt will der Energie Opfikon AG ein Darlehen von 40 Millionen Franken gewähren. Mit dem Geld soll ein Netz für Wärme und Kälte entstehen. Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, soll es zuerst die Airport City versorgen und danach schrittweise auf fast das ganze Stadtgebiet ausgebaut werden. Kernstück ist eine neue Energiezentrale auf dem Areal der Abwasserreinigung Kloten/Opfikon. Sie soll 2029 in Betrieb gehen und Abwärme nutzen, zuerst aus der Kehrichtverwertungsanlage Hagenholz, später aus Rechenzentren. Die Planung der Energiezentrale hat die Energie Opfikon AG bereits öffentlich ausgeschrieben. Das letzte Wort hat aber die Stimmbevölkerung: Sie entscheidet voraussichtlich 2027 über die Vorlage. (ts.)