Grossraum statt Grossstadt
Es soll ein Denkanstoss sein und keine Werbeschrift: Das Wirtschaftsnetzwerk Flughafenregion Zürich hat mit «New Zurich» seine Standortinitiative nun offiziell vorgestellt.
Jetzt ist er da, der grosse Wurf des Wirtschaftsnetzwerks Flughafenregion Zürich (FRZ). Zu diesem gehören insgesamt 14 Städte und Dörfer, darunter neben Kloten, Opfikon und Wallisellen auch Bülach, Volketswil oder Winkel sowie über 850 Unternehmen. Die Entwicklungsstrategie heisst «New Zurich» und wurde am Dienstag an einer Medienkonferenz präsentiert. «Es ist kein Marketinggag mit einem neuen Label», sagte Strategieberater Thomas Sevcik in der Eventlocation The Hall in Dübendorf.
Die «NZZ am Sonntag» hatte früh von der Sache Wind bekommen und im März davon geschrieben, dass die Flughafenregion zur globalen Metropole werden möchte – für die Presse ein gefundenes Fressen. Der «Tages-Anzeiger» fragte sich: «Gemeinden im Norden Zürichs wollen bieten, was die Stadt nicht kann. Doch ist die Agglomeration überhaupt bereit?»
Gemeinden bleiben eigenständig
Der Name des Projekts war auf alle Fälle clever gewählt. Eine Grossstadt wird «New Zurich» aber höchstens im übertragenen Sinn werden – politisch sollen die Gemeinden eigenständig bleiben, wie an der Medienkonferenz mehrfach betont wurde. Vorstellen könnte man sich zwar schon, dass dereinst die Bezirksgrenzen im Kanton neu gezogen werden. Das dürfte jedoch Zukunftsmusik bleiben: In vielen Gemeinden gibt es für ein solches Unterfangen aktuell nur wenig bis keine politische Zustimmung.
FRZ-Geschäftsführerin Rahel Kindermann Leuthard sprach von einer Region, in der sich unglaublich viel bewegt. «New Zurich» sei kein fertiger Masterplan, sondern eine Entwicklungsstrategie und auch ein Denkanstoss. An der Medienkonferenz wurde der sogenannte Strategiereader «New Zurich» präsentiert, eine aufwendig gestaltete, gebundene Publikation mit rund 100 Seiten.
Im Reader werden interessanterweise Orte wie Uster genannt, die nicht Mitglied der FRZ sind. Die räumliche Definition von «New Zurich» folgt sowohl sozioökonomischen als auch verkehrs- und siedlungstechnischen Überlegungen. Arbeitsmärkte oder Mobilität enden nicht an Gemeindegrenzen. Das scheint auch die Ansicht des abtretenden Walliseller Stadtpräsidenten Peter Spörri (SP) zu sein. Er war bis April FRZ-Vorstandsmitglied. «Wallisellen ist jetzt exemplarisch da, es könnte Kloten, Volketswil, Opfikon oder Dübendorf sein», sagte er. Spörri betonte, dass Wallisellen allein zu klein sei, um in Sachen Standortförderung grosse Firmen anzusprechen – ob national oder international. Er sieht die Gemeinden als gemeinsamen Wirtschaftsraum.
Die FRZ möchte sich fünf Entwicklungsfeldern widmen und diese konkretisieren. Im Fokus stehen Digitalisierung und IT, Luftfahrt und Weltraumwirtschaft, Headquarter oder zumindest regionale Hauptsitze von internationalen Unternehmen, die Gesundheitsbranche sowie die Kongress- und Veranstaltungsbranche.
Ganz neu ist daran nur wenig, aber man setzt auf vorhandene Stärken. Im Innovationspark Zürich auf dem Areal des Flugplatzes Dübendorf befinden sich zum Beispiel bereits der Space Hub der Universität Zürich und das Start-up Dufour Aerospace, das Transportdrohnen für medizinische Zwecke entwickelt.
Für jedes Entwicklungsfeld will man Partner gewinnen. Diese sollen die Umsetzung fachlich, organisatorisch oder finanziell mittragen. Für den Bereich Kongresse und Events hat man die Vermarktungsorganisation Zürich Tourismus an Bord holen können. «‹New Zurich› ist kein Gegenentwurf zur Stadt Zürich», so FRZ-Präsident André Ingold. Laut dem SVP-Stadtpräsidenten von Dübendorf würden sich die Standorte ergänzen. Die Flughafenregion habe andere Stärken: mehr Raum und damit mehr Möglichkeiten für neue Entwicklungen.
Der grosse Wurf «New Zurich» liegt damit als Reader auf dem Tisch. Ob aus dem Denkanstoss mehr wird, zeigt sich in den kommenden Jahren.