Gedankensplitter: Die Welt im Kleinen
Wir müssen nur zum Himmel hochschauen und ein paar Sterne sehen, und schon geraten wir ins Stauen ob der Grösse des Weltalls. Es reicht auch, wenn wir uns unsere Erde als Ganzes vorzustellen versuchen: Diese riesige Kugel, die da einfach so in der Luft hängt.
Ich weiss, man könnte das alles auch noch wissenschaftlich korrekter ausdrücken, aber darum geht es mir nicht. Ich merke, dass mir die Welt im Grossen vielmehr bewusst ist, als die Welt im Kleinen. Die ist nämlich genauso erstaunlich, aber man sieht sie nicht.
Ich erinnere mich noch genau – oder fast genau – an ein Buch über den griechischen Philosophen Demokrit, das ich als Schüler gelesen habe. Darin ging es um den kleinsten Teil der Materie, den Demokrit und sein Lehrer Leukipp (400 Jahre v. Chr.) Atom oder das Unteilbare nannten.
«Wäre ein Atomkern so gross wie eine Kirsche, dann hätte die Atomhülle das Ausmass eines ganzen Fussballstadions.»
Ich war bei meiner Lektüre damals noch überzeugt, dass ein Atom wirklich unteilbar ist. Ist es aber nicht. Inzwischen wissen wir, es gibt auch subatomare Teilchen. Da wäre zunächst der Atomkern, der aus Protonen und Neutronen besteht. Und jedes dieser beiden Teile besteht aus drei Quarks. Dabei ist ein Quark 100 000-mal kleiner als ein Proton. Da sind wir, wie im Makrokosmos, schnell beim Unverstellbaren.
Ich komme aber nochmals auf das Atom zurück. Um das es mir hier geht. Wie bereits gesagt, es besteht aus einem Kern und einer Hülle, in der sich Elektronen aufhalten, die um diesen Kern herumkreisen. Zwischen dem Kern und der Hülle liegt zu 99,99 % leerer Raum. Das finde ich faszinierend. Um sich dieses Verhältnis besser vorstellen zu können, haben – vermutlich Physiker – einen Vergleich errechnet: Wäre ein Atomkern so gross wie eine Kirsche, dann hätte die Atomhülle das Ausmass eines ganzen Fussballstadions. Also ein riesiger leerer Raum.
Demzufolge sitze ich gerade auf einem Stuhl, der zu 99,99% hohl ist. Dass er nicht zusammenbricht, zumal ich ihn auch noch belaste, verdanke ich dem Zusammenspiel von Atomkern und Elektronen. Da sind Kräfte am Werk, die ich nicht ganz verstehe. Ist mir auch egal. Ich staune über diese Welt im Kleinen. Denn ich sitze offenbar gerade auf einem kleinen, glücklicherweise ungefährlichen Atomkraftwerk.