Gedankensplitter: Bescheid wissen
Wissen Sie Bescheid, oder sind Sie nur informiert? Da ist offenbar ein Unterschied.
Wenigstens die «Berner Zeitung» kennt ihn genau. Sie wirbt nämlich um Leser mit folgender Behauptung: «Die meisten sind informiert. Die wenigsten wissen Bescheid.» Mit dieser Feststellung will man uns einreden, dass die «Berner Zeitung» lesenswert ist; denn wer sie liest, ist nicht nur informiert, er weiss sogar Bescheid. Bescheid wissen ist also mehr als nur informiert sein.
Man kann das so sehen. Ich versuche mal, den Unterschied zu begründen. Informationen werden mir zugetragen und ich nehme sie auf. Wenn ich diese Mitteilung aber so verarbeitet habe, dass ich einen bestimmten Sachverhalt besser verstehe, und eventuell sogar weiss, wie ich mich verhalten soll, dann bin ich nicht nur informiert, dann weiss ich Bescheid. Die Information kommt auf mich zu. Ich bin ihr gegenüber, auch wenn ich sie mir besorge, passiv. Wenn ich aber Bescheid weiss, dann hat die Information bei mir aktiv etwas bewirkt.
«Ich nehme eine Information auf, bin ihr gegenüber passiv. Wenn ich aber Bescheid weiss, dann hat die Information bei mir aktiv etwas bewirkt.»
Ich frage mich gerade, ob dieser Werbeslogan der «Berner Zeitung» für mich informativ war. Ja, würde ich sagen. Aber weiss ich jetzt auch mehr Bescheid? Das möchte ich bezweifeln.
Und wenn ich Sie frage: «War das, was Sie gerade gelesen haben, informativ?» Ich nehme es Ihnen nicht übel, wenn Sie Zweifel anmelden. Und Bescheid wissen Sie dann schon gar nicht.
Nun könnten Sie mir vorwerfen, dass ich diesen Text dem «Stadt-Anzeiger» gar nicht hätte einreichen dürfen. Ich nehme das zur Kenntnis. Nur bin ich nicht sicher, ob ich das einfach als Information verstehen soll oder ob ich jetzt auch Bescheid wissen muss.