Familien sollen weniger zahlen

Pascal Turin

Die Krankenkassenprämien belasten die Bevölkerung. Drei Kantonsräte wollen ärmere Familien ­entlasten. Sie verlangen, dass der Kanton die Prämie  für Kinder aus bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen ganz übernimmt.

Alles wird immer teurer – insbesondere die Krankenkasse. Die Prämien steigen 2027 durchschnittlich um fünf Prozent. Entnehmen konnte man die Bad News Ende September einer Medienmitteilung des Eidgenössischen Departements des Innern, zu dem das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gehört.

Die Durchschnittsprämie wird nächstes Jahr schweizweit 412 Franken pro Monat betragen. Im Kanton Zürich werden es durchschnittlich rund 404 Franken pro Monat sein, wie einem Dokument des BAG zu entnehmen ist.

Kantonsräte sind aktiv geworden

Darunter leiden gerade jene, die bereits jeden Franken umdrehen müssen. Mit einer parlamentarischen Initiative fordern darum Hans Egli (EDU, Steinmaur), Brigitte Röösli (SP, Illnau-Effretikon) und Michael Bänninger (EVP, Winterthur), dass der Kanton zukünftig die Krankenkassenprämie für minderjährige Kinder einer anspruchsberechtigten Person im Umfang der jeweiligen regionalen Durchschnittsprämie übernimmt.

«Die individuelle Prämienverbilligung (IPV) soll Familien mit bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen vor einer übermässigen Belastung durch Krankenkassenprämien schützen», schreiben die ­Politikerin und die Politiker. Im Kanton würden die Krankenkassenprämien von Kindern heute jedoch lediglich zu mindestens 80 Prozent übernommen. Die verbleibenden Kosten müssten die Familien selbst tragen.

Die vorgeschlagene Lösung nutze das bestehende und bewährte System der IPV. «Die Unterstützung kommt gezielt jenen Familien zugute, die tatsächlich darauf angewiesen sind», heisst es unter anderem in der Initiative. Gleichzeitig bleibe die Entlastung auch bei steigenden Krankenkassenprämien wirksam. «Die vollständige Übernahme der Kinderprämien verbessert zudem die Chancengerechtigkeit», sind Egli, Röösli und Bänninger überzeugt. Familien sollten nicht gezwungen sein, bei der Gesundheit ihrer Kinder zu sparen oder aus finanziellen Gründen hohe Franchisen zu wählen.

Die Idee gleicht schon vom Namen her stark der 2025 lancierten kantonalen Initiative «Keine Krankenkassenprämien für Kinder aus bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen». Das Volksbegehren stammte aus der Küche der EDU Kanton Zürich und wurde im vergangenen Frühling zurückgezogen.

Warum also wurde das Thema nun diesen Herbst wieder aufs Tapet gebracht? Wie EDU-Kantonsrat Hans Egli gegenüber dem Online-Politikmagazin «Rathuus» erklärt, hat seine Partei die Volksinitiative nicht eingereicht, weil der Mechanismus bei der Berechnung der Prämienverbilligung der Krankenkassenprämien äusserst komplex sei – und es so schwierig gewesen sei, auf der Strasse für dieses ­Anliegen Unterschriften zu sammeln. «So entschieden wir uns für den Abbruch der Unterschriftensammlung und dafür, eine parlamentarische Initiative einzureichen», sagt Egli.

Unterstützen mindestens 60 Mitglieder des Kantonsrats die parlamentarische Initiative, wird sie der dafür zuständigen Kommission überwiesen.

Bund ist sich Problematik bewusst

Zu den Kostentreibern im Kanton Zürich gehören gemäss dem Regierungsrat die hohe Inanspruchnahme von Leistungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung, höhere Tarife im stationären Bereich sowie das Wachstum bei Spitex-Leistungen und psychotherapeutischen Angeboten. «Auch der medizinische Fortschritt mit neuen Behandlungsmöglichkeiten führt zu zusätzlichen Kosten», schreibt die Kantonsexekutive in einer Mitteilung.

Immerhin ist der Bundesverwaltung klar, dass die Kosten für die Krankenkasse die Bevölkerung zunehmend belasten. «Mehrere Reformen zur Kostendämpfung sind aufgegleist», so das Eidgenössischen Departement des Innern in seiner Pressemitteilung. Nun seien alle Akteure gefordert, bei deren Umsetzung Verantwortung zu übernehmen und ihren Beitrag zu leisten. Nur so könne die Gesundheitsversorgung langfristig finanzierbar bleiben.

Gwunderbrunnen

29.10.2026 - 09:00
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